Wenn die Presse mal wieder nervt

Der Blick gehört ja nicht gerade zu meiner Standardlektüre. So erfahre ich meist aus Tweets in meiner Timeline von Artikeln, welche vielleicht mal amüsant, aber auch häufig polarisierend sind.

Diesen Artikel von Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, finde ich mal wieder sehr polarisierend bis sogar polemisch. Vielleicht, weil es darin auch um die Bahnen geht.

Zitat: «Die Schweiz muss sich stärker für ihre Interessen wehren, schreibt Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, im Kommentar. Wenn es um den Ausverkauf der Wirtschaft geht, um Arbeitsplätze, um die demokratischen Werte.»

Das tönt ja erstmal ganz gut, bis man sich in den Artikel einliest!

Abschnitt «Unsere Wirtschaft wird ausverkauft»

Dorer lobt hier den SVP-Nationalrat, Hans-Ueli Vogt, welcher einer Interpellation vom Bundesrat wissen will, ob die Übernahme von CH-Unternehmen eine Bedrohung für die aussenpolitischen Interessen der Schweiz sei.

Dorer schreibt, China sei scharf auf unsere (ähm, wem gehören die genau?) Firmen wie Syngenta, Gategroup, Sigg oder Eterna. Aber nicht nur China sei hinter unseren Firmen her, sondern auch Katar (ist ja gerade gross in der Presse) mit ihrer substanziellen Beteiligung an der CS.

Und nun?

Sorry, mein lieber Herr Dorer, ich habe nicht Wirtschaft studiert, nicht mal die Kanti, sondern nur die Bez besucht, aber sogar ich verstehe, wie der Hase läuft, wenn man als Firma börsenkotiert ist. Wenn eine Firma ihre Aktien an der Börse platziert und damit Geld von Aktionären holt, muss die Firma damit rechnen, dass sich die Welt für diese Aktien interessiert. Unfreundliche oder unerwünschte Übernahmen kann man statuarisch behindern oder ausschliessen. Das führt aber unter Umständen dazu, dass die Aktien weniger interessant sind und somit weniger Geld in die Kasse der emittierenden Gesellschaften fliesst.

Eine informative Zusammenstellung des Übernahmerechts der «Schellenberg Wittmer Attorneys» zum nachlesen, findet sich hier.

Also zielt die «Kritik» des Blick ins Leere… Wer ins Wasser steigt, wird nass.

Interessanterweise will ja der Hans-Ueli Vogt nicht in jedem Fall, dass der Staat das Zepter ganz in die eigene Hand nimmt. Wie hier in seiner Antwort auf eine andere Interpellation.

Abschnitt «Unsere Werte werden unterwandert»

Hier lobt Dorer den FDP Nationalrat Hans-Peter Portmann, welcher den IZRS verbieten will.

Nun muss man sich über den IZRS wirklich Gedanken machen?

Ich meine, als Verfassungsschutz schon… aber als Gesellschaft eher nicht. Der Verein hat zwar ein vermutlich recht gutes finanzielles Polster, schliesslich stecken ja potente Geldgeber aus dem arabischen Raum hinter den urschweizerischen Illis und Blancos oder wie immer diese Vorstandsmitglieder heissen. Aber grosse Massen von Gläubigen zieht der Verein (noch) nicht an.

Aber natürlich eignet sich dieser Kleinstverein für die Presse sehr gut, um etwas gegen den Islam zu polemisieren. Dass man dem Verein mit solchen Artikeln mehr Popularität gibt, als er wirklich verdient, gehört dann offenbar zum Kollateralschaden, den der Blick gerne in Kauf nimmt.

Abschnitt «Unsere Arbeitsplätze wandern ab»

Hier resumiert Herr Dorer im Artikel darüber, dass zum Beispiel Bombardier 650 Stellen streiche. Dies, nachdem die Firma eben erst 59 Züge für 1.9 Milliarden Franken an die SBB verkauft habe.

Ich lese den Abschnitt nochmals und atme tief durch… Was für eine Polemik in dieser Aussage doch enthalten ist? Als hätte die Schweiz Bombardier 1.9 Milliarden gegeben und die seien mit dem Geld gleich abgehauen. Mit keinem Wort liest man, dass der Auftrag der SBB seit sieben Jahren viele dieser Stellen gesichert hat. Dass für den Auftrag sogar (temporär) Stellen aufgebaut wurden. In den abzubauenden 650 Stellen sind nämlich auch die 500 temporäre Stellen enthalten.

Bombardier hat bereits 2016 verlauten lassen, dass weltweit 7'500 Stellen gestrichen werden sollen. In dem Sinne sind die aktuellen Streichungen in der Schweiz Teil eines Ganzen. Zudem ist der Markt für Züge und Eisenbahnwagen nun mal limitiert. Wenn einer gewinnt (zB Stadler), dann verliert immer auch ein anderer.

Weiter schreibt der Blick: «Kein Land vergibt einen Grossauftrag ins Ausland, wenn er von heimischen Unternehmen ausgeführt werden kann. Dass Frankreich einen deutschen ICE oder Deutschland einen französischen TGV kaufen würde – WTO-Richtlinien hin oder her –, wäre unvorstellbar.».

Was für eine seltsame Aussage, wer sich ein wenig umhört und recherchiert, bemerkt, dass Bombardier zwar eine kanadische Firma ist, aber multinational produziert. Genau so, wie Stadler Rail und andere Produzenten im Eisenbahnumfeld. Auch in Deutschland fahren ja mitnichten nur Siemens ICE herum. Und das «Syndicat des transports d’Île-de-France», welches den Nahverkehrsbereich im Grossraum Paris führt, hat mit den «Transilien» unter anderem rund 300 Züge von Bombardier (Z 50000, B 82500) im Einsatz. 

Zum Schluss schreibt Herr Dorer: «Was für ein sonderbarer Sonderfall unsere Schweiz doch ist!». Ich sage, was für ein sonderbares Fazit Sie doch ziehen, Herr Dorer!

Urs | Samstag 10 Juni 2017 - 5:31 pm | | default | Ein Kommentar
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Hedi und Sepp

Am Sonntagabend ging es in der Sendung Input von SRF3 um Gotte und Götti (Taufpaten). Die Sendung gibt es auch als Podcast zum nachhören.

Ich habe dann zurückgedacht, wie das bei uns damals war. Meine grosse Schwester, welche aus der ersten Ehe meines Vaters stammt, hatte einen Götti aus der Linie ihrer Mutter und eine Gotte, die sie nie richtig kennenlernte. Meine jüngere Schwester hatte den jüngeren Bruder meines Vaters als Götti und seine jüngste Schwester (der er selber Götti ist) als Gotte.

Bei mir hiessen sie Hedi und Sepp. Hedi war die Frau von Onkel Hans. Sie war eine kleine Person, mit schwarzen Haaren und blitzenden, schwarzen Augen. Sie rauchte nicht wenig und hatte eine richtig rauhe Stimme. Und sie lachte gerne. Obwohl wir nur rund 8 Kilometer voneinander weg wohnten, sah man sich nicht so viel. Sie hatte ja selber zwei Kinder, meine Cousinen und zudem wohnte der Grossätti, der Vater meines Vaters bei ihnen.

In der kleinen Wohnung war es entsprechend eng, was bei uns zu Hause umgekehrt auch genau so war. Später, so ab rund der dritten Klasse, ging es im Winter manchmal nach Waldshut in den Schwarzwald zum Skifahren. Das war für mich schon fast eine Weltreise. Wir hatten ja selbst kein Auto. Und im engen Wagen, mit dem stets über die anderen Autofahrer fluchenden Grossätti auf dem Beifahrersitz und Onkel Hans am Steuer, wurde es mir doch mindestens einmal auf dem Hin- oder Rückweg schlecht und man musste rechts ranfahren.

Aber auf den Geburstag oder zu Weihnachten sah man sich immer mal wieder und es gab auch ein Geschenk. Natürlich praktisches Zeugs, Etuis für die Schule, Kleidungsstücke etc.

Hedi an meiner Erstkommunion im Restaurant

Im gleichen Masse, wie ich selber grösser (und dann langsam breiter) wurde, schien Hedi zu schrumpfen. Das Rauchen hatte sie sich irgendwann abgewöhnt, aber wir kamen uns doch nie wirklich nahe. Später wurde sie nach einem Tumor pflegebedürftig und war danach nicht mehr ansprechbar. Ich schäme mich manchmal, dass ich sie nicht noch besucht hatte, als es noch möglich war.

Sepp hingegen ist ein anderes Kaliber. Er war der Sohn aus erster Ehe unseres «Grossmami» (welche eigentlich nur die Grossmutter meiner älteren Schwester war) und zog früh nach Basel, wo er in der «Schuggerei» arbeitete und die Laufbahnleiter erklomm, bis er irgendwann Leiter des «Lohnhofs» wurde.

Sepp mit seiner Frau Erna an meiner Erstkommunion

Sepp war damals ein grosser, kräftiger Mann und hatte immer einen Spruch auf der Lippe, in der Zwischenzeit auch mit Baasler Dialäggt. Wir besuchten uns eher selten, was an der Distanz lag, aber auch an der nicht so einfachen familiären Situation zwischen ihm und «Grossmami». Seine Geschenke waren eher etwas grosszügiger, was aber wohl einfach an den finanziellen Möglichkeiten lag. Leider riss der Kontakt sehr schnell ab und kam nie mehr in die Gänge. Wenn ich mich nicht täusche, leben er und Erna immer noch irgendwo in Basel und in der Ferienwohnung im Berner Oberland.

Ich beklage mich nicht, wir hatten ja keine grossen Erwartungen an Gotte und Götti. Um so mehr hat es mich gefreut, als mich meine jüngere Schwester seinerzeit anfragte, ob ich Götti ihrer Erstgeborenen werden möchte. Aber das wäre ein Thema für einen anderen Beitrag.

Hedi und ich an meiner Erstkommunion

Die Fotos hat mein Vater damals 1972 ohne Blitz aus der Hand im dunklen Restaurant geschossen. Sie wurden später von meinem Schwager aus den Dias gescannt, deshalb die lausige Qualität.

Urs | Montag 22 Mai 2017 - 10:36 pm | | default | Kein Kommentar
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Über den Schatten springen

Man sollte sich ja nicht nur am Äusseren der Menschen orientieren…

Ich, Vorurteile? Sicher nöd! Oder doch? Klar, jeder Mensch hat seine Vorurteile, nur kann man sie irgendwie im Zaume halten.

Am Mittwoch war ich mal wieder in Zürich beim OIZ an einem Fachgruppentreffen der swissICT Fachgruppe Sourcing&Cloud. Nach den Vorträgen ergaben sich beim Apéro noch Gelegenheiten für Gespräche über IT mit dem vielfältigen Publikum der Fachgruppe.

Irgendwie zerrann die Zeit und kurz nach halb Acht verabschiedete ich mich aufs Tram, so dass ich gerade noch rechtzeitig zum Zürcher Hauptbahnhof kam. Natürlich hatte ich am Apéro vor lauter interessanter Gespräche gar nicht wirklich Zeit für die Häppchen gehabt und am Bahnhof reichte es auch nicht, noch ein Sandwich zu kaufen.

Als ich die Rolltreppe runter zum Gleis 31 fuhr, dachte ich an die Minibar, welche ja auch eher ein unzuverlässiges Gut geworden ist. Aber hey, die SBB führen doch in den Intercity-Zügen einen Speisewagen? Ich ging also an den 1. Klasswagen vorbei und war dann im ersten Moment enttäuscht. Der Bistrowagen sieht ja im Vergleich zu einem richtigen Speisewagen eher etwas ungastlich aus. Aber was soll's, ich war ja nicht auf «haute cuisine» aus.

 

Bistro-Wagen des IC Zürich - Bern im HB Zürich

Als ich einstieg, war ich grad noch ein wenig mehr enttäuscht. Der Bistro-Wagen hat nur einen Zweier- und zwei Vierer-Tische. Zudem standen da noch Leute herum, welche erst bedient werden wollten. Der Kellner machte auch nicht gerade den kompetentesten Eindruck und war vermutlich nicht mehr so motiviert. Wer weiss, wie viele Stunden der schon bei der Arbeit war.

Ein Vierertisch war mit einem Paar belegt, welche sich breit gemacht hatte. Beim Zweiertisch sass eine jüngere Frau, zu welcher ich mich nun nicht gerade setzen wollte. Am anderen Vierertisch sass ein älterer Mann, welcher mir nicht so geheuer war. Ich guckte die Karte an der Wand kurz an und fragte dann den Kellner, ob es überhaupt warme Speisen gäbe. Er deutete nur auf den Tisch mit dem älteren Mann und auf die Speisekarte, welche dort lag.

Meine Lust war schon auf einem Tiefpunkt, aber bis nach Hause würde es dauern. Also ging ich zum Tisch hin und studierte kurz die Karte. Und natürlich den Mann, der dort sass.

Ein hageres Gesicht unter einer engen Kappe, ein wilder, grauer Bart. Auf dem Tisch ein Päckchen Chips und ein Bier. Die Jacke wirkte etwas getragen. Der Blick des Mannes ging hin und her. Alles in mir sagte, «setz dich nicht da hin. Der ist sicher angetrunken. Oder sonst wie komisch!». Andererseits wirkten seine Bewegungen eher ruhig.

Ich gab mir einen Ruck und fragte ihn, ob ich mich hinsetzen dürfe. Er schaute etwas erstaunt auf und nickte. Der Zug setzte sich in Bewegung und über die Karte hinweg gab sich innert kürzester Zeit ein angeregtes Gespräch.

Er war überhaupt nicht angetrunken. Aber auch kein «gewöhnlicher» Mensch. Er klopfte lustige Sprüche, schnell schien seine politische und ökologische Sicht auf die Dinge und die Welt durch. Und schnell merkte ich, dass er über grosse Kenntnisse in Elektrotechnik verfügte. 

Während wir mit leichter Verspätung Olten entgegenrollten, erzählte er mir von seinem Werdegang. Dass er beinahe bei den SBB angestellt worden sei, um den Gleitschutz der S-Bahnzüge zu verbessern, aber seine bestehenden Kunden nicht hängen lassen wollte. Von seinen frühen Experimenten mit Solartechnologie und wie viele Batterien er der Umwelt erspart habe. Wie er vom Zürichsee ins Welschland und wieder zurück, ins Ausland und schlussendlich nach Thun gekommen sei.

Er wunderte sich, dass er einen Swiss-Pass, ich aber noch ein «blaues» GA habe, worauf ich ihm erklärte, bei welchem Arbeitgeber ich beschäftigt sei.

Er erzählte, dass er nun pensioniert sei, aber noch viel «z'Berg gehe» oder im Winter auf den Langlauf-Skiern unterwegs sei. Während ich meinen Älplermagronen, leider ohne Öpfelmues (war schon aus) ass, trank er noch einen Dreier Roten. Es gab zwar keinen Merlot del Ticino, aber dafür einen Pinot von Salquenen.

Der Kellner kam zwar noch nach Kaffee fragen, der so heiss war, dass ich mir fast den Mund verbrannte, aber sonst war eher uninteressiert. Das Gespräch drehte sich inzwischen um Kaffeemaschinen, die Wasserqualität und den Kalkgehalt.

Und während wir also diskutierten, ich im Jacket und Hemd, er mit der Windjacke vom Dampfbahnverein Furka und im Pulli, hatten wir zwar nicht immer die selbe Meinung, lachten aber trotzdem viel und schon waren wir in Bern.

Wir gingen gemeinsam die Unterführung hinunter und beim übernächsten Aufgang hiess es dann für ihn hoch zum ICE nach Thun/Interlaken. In der Tasche führte er einen Lautsprecher mit sich, den er für jemanden aus Einsiedeln zu reparieren gedenke. Nach einem kräftigen Händedruck wünschte ich ihm gute Heimreise und ging mit einem Schmunzeln zur Tramhaltestelle.

Manchmal lohnt es sich, über den Schatten zu springen… man hat die Chance, sympathische und interessante Menschen und deren Geschichten kennen zu lernen. Das gelingt während einer Reise mit der Bahn auch einfacher, als wenn man alleine im Auto fährt.

Urs | Donnerstag 06 April 2017 - 11:42 pm | | default | Zwei Kommentare
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Frische Brötchen kalt geführt mit wenig Hefe

Ich könnte ja mal wieder ein wenig über mein Hobby, Brot und Brötchen backen, schreiben.

Ich versuche mich in letzter Zeit wieder etwas mehr mit Hefe und Kleingebäck. Ich versuche jeweils, mit so wenig Hefe wie möglich, zu backen. Warum? Ich glaube, dass mir Hefe nicht so gut bekommt und dass sie die Tendenz hat, das Backgut schneller auszutrocknen. Ich verwende jeweils Bio-Hefe (Frischhefe), welche nicht ganz so stark ist, wie die übliche Industrie-Backhefe.

Nun zum Rezept und dem Ergebnis

Vorteig (Poolish)

  • 200g helles Weizenmehl
  • 200g Wasser
  • 0.5g Hefe

24 Stunden bei Zimmertemperatur, abgedeckt stehen lassen.

Hauptteig

  • Poolish (nach Verlust noch 385g)
  • 75g helles Dinkelmehl
  • 25g ruches Dinkelmehl
  • 50g Weizenvollkornmehl
  • 350g helles Weizenmehl
  • 280g Wasser
  • 12.6g Salz

Das ergibt rund 690-700g Mehl und rund 470g Wasser und damit eine Teigausbeute von rund 167-168, also ein wenig grösser als sonst (ich ziele meist auf 165). Der Dinkel macht sich im Teig spürbar, klebt er doch stärker an den Fingern oder der Schüssel, als Weizen.

Auf tiefer Stufe kneten, bis sich der Teig langsam von der Schüssel löst. Danach auf mittlerer Stufe rund 15 Minuten kneten, bis der Teig straffer wird.

180 Minuten gehen lassen, jeweils nach 60 Minuten dehnen und falten. In einer Box im Kühlschrank lagern. Täglich einmal kurz durchkneten (entgasen), dazu den Teig ev leicht einmehlen, da er sehr weich und klebrig ist.

Ich habe jeweils nach verschiedenen Tagen Brötchen oder Baguettes daraus gebacken.

Der letzte Backtag war sechs Tage nach dem ich den Teig produziert habe!

Alles gut einmehlen. Nun sechs Teiglinge à rund 100g abstechen. Rundwirken und kurz ruhen lassen. Die Teiglinge etwas flachgedrücken und über den Daumen einschlagen und zum Schluss nochmals rundgewirken. Danach geht es auf die ebenfalls leicht eingemehlte Bäckerleinen, wo sie Teiglinge während 30 Minuten abgedeckt die Stückgare machen.

Brötchen-Teiglinge nach Teigruhe vor Einschuss in den Ofen

Schonend auf den Schieber geben und kreuzweise (so tief wie möglich) einschneiden. Ist etwas tricky, da die Teiglinge wenig Spannung haben und der Teig sehr weich ist.

Die Teiglinge in den auf 250°C eingeheizten und gut eingedampten Ofen einschiessen. 25 Minuten bei voller Hitze backen, je nach Farbe gegen Schluss die Hitze für die restlichen 5 Minuten etwas reduzieren.

Brötchen, Ausbeute des letzten Backtages
 

Die Brötchen sind etwas wild in der Form, haben eine krachende Kruste und eine grobporige Krume mit dezentem Aroma. Eventuell hätte ihnen 3-5g Backmalz noch gut getan. Butter oder Milch wäre auch eine Option, aber ich bin nicht ganz sicher, wie gut sich so lange und kalt geführter Teig damit verträgt.

Frisch angeschnittene Brötchen
Grobporig mit knuspriger, krachender Kruste, die frischen Brötchen

Weitere Backexperimente, vor allem die Fotos dazu finden sich unter dem Hashtag #urslisbäckerei auf Twitter (man braucht kein Twitterkonto, um das anzusehen).

Urs | Samstag 18 März 2017 - 1:28 pm | | default | Kein Kommentar
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Die Herausforderung eines Auto-Polygamisten

Danke an Patrick für die Inspiration zum Titel! :-)

Habt Ihr einen eigenen Wagen? Lucky you! Ich besass nie einen eigenen Wagen, konnte sogar bis knapp Dreissig nicht mal einen Wagen lenken (dürfen und auch können!).

Irgendwann 1992 wollte ich demnächst die USA besuchen und das ging ohne Wagen ja nicht wirklich gut. Also nahm ich brav meine Fahrstunden und erhielt viele Stunden und Franken später die Bewilligung, ab dem 1.6.1993 ein Auto oder ähnliches Ding zu lenken. An meiner Fahrprüfung sass ich das letzte Mal auf der Fahrerseite eines geschalteten Wagens.

Seither fahre ich vor allem viele Kilometer in den USA und Canada in Mietwagen aller Firmen, Farben und Formen. Natürlich Automaten, geht ja viel einfacher. In der Schweiz fahre ich gelegentlich Mobility-Fahrzeuge, natürlich auch Automaten. Vermutlich verlernt man das Fahren in einem geschalteten Wagen nicht, aber ich konzentriere mich lieber auf den Verkehr, als auf Kupplung und Schaltknüppel.

Was mir allerdings immer noch Bauchschmerzen macht, sind die Bedienkonzepte – neudeutsch auch User-Interfaces genannt – der verschiedenen Fahrzeuge und Hersteller. Nachstehend eine kleine Liste meiner problematischten Fälle. Man darf gerne (über mich) lachen! :-)

Fahrzeugwahl 1

Auf einem meiner ersten Trips alleine in die USA flog ich nach San Diego und ging dort meinen Mietwagen bei Avis abholen. Die Bediensteten waren nett und fragten mich, ob es ok sei, wenn sie mir einen «Convertible» gäben. Ich nickte nur und fragte mich dann unterwegs im Bus zum Parkfeld plötzlich, was um Himmels willen ein «Convertible» sei. Ich fürchtete erst, es sei ein geschalteter Wagen, aber es war ein wunderschöner, roter Pontiac Firebird mit einem weissen Verdeck. Ich zupfte dann lange an der Verriegelung und getraute mich schlussendlich nicht, das Verdeck zu öffnen. Zu gross war meine Angst, dass es unmittelbar nach dem Öffnen zu regnen begänne und ich es nicht mehr zubringen würde. Murphy ist manchmal auch nur ein böser Schatten und ich ein Feigling ;-)

Fahrzeugwahl 2

In Los Angeles kam ich Abends spät nach einer langen Anreise hundemüde an und durfte bei National meinen Wagen selber aussuchen. Der gewählte Chevy Aveo stellte sich aber als Reinfall heraus. Keine elektrischen Fensterheber (!), keine Zentralverriegelung (!!), keine Klimaanlage (!!!)  und ob er eine Cruise Control hatte, habe ich nicht mal versucht rauszufinden. Der Tausch gegen einen Hyundai Sonata am Folgetag war dann auch nicht ohne.

Mietwagen am Strand von Huntington Beach, California

Fahrzeugwahl 3

In San Francisco hatte ich einen Convertible (Cabriolet) gemietet. Natürlich war es ein tolles Wochenende mit super Wetter und irgend ein Feiertag, also kamen die Fahrzeuge (gem. dem Angestellten) leider nicht rechtzeitig zurück. Da es mir nicht so wichtig war, wollte ich ein anderes Fahrzeug. Man wies mich zum Parkhaus und dort sollte ich mir eines auslesen. WTF! Alles so Dinger mit vier Rädern und einem Lenkrad, in Farben und Formen. Woher soll ich nun wissen, was ein gutes Auto ist? Der Angestellte vor Ort wollte mich nur zögernd beraten. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich meinte nur, ich wolle ein komfortables Auto mit genügend Platz für mich. Er nannte dann einen Markennamen, was mir nicht weiterhalf, da ich einen Buick Century nicht von einem Marvel Toycar unterscheiden kann. Der arme Mann wirkte etwas verzweifelt (ob mir) und brachte mich dann zu einem Dodge Charger SXT.

Bedienkonzepte fester Anlagen

  • Tanken ist ja allgemein kein Problem, ausser, dass man bei einem Mietwagen meist beim ersten Tanken nicht mehr weiss, ob der Deckel jetzt links oder rechts ist.
  • Tanken ist auch kein Problem, ausser wenn man das erste Mal (1992) in den USA ist und die Bedienung darauf besteht, dass man den Betrag, welcher zu Tanken sei, nennen müsse. Wir einigten uns auf 20$, welche auf meiner Kreditkarte landeten. Natürlich passten nur rund 10 Gallonen in die Karre, das gab damals rund 13$. Ich dachte, der Rest sei verloren und war dann erstaunt, als ich die Differenz in Cash herausbekam.
    Grössere Diskussionen lösten wir dämlichen Europäer dann aus, als wir im tiefsten Louisiana fragten, wie viele Liter denn in so eine Gallone passen täten. Das halbe Restaurant, das an die Tankstelle angebaut war, kratzte sich fragend am Kopf und wir sahen erst beim rausgehen, dass in der Kühltruhe viele 1.5L-PET-Flaschen waren ;-)
  • Tanken ist auch allgemein kein Problem, ausser wenn beim Durchziehen der Kreditkarte nach dem ZIP-Code gefragt wird. Da gehen meist nur die fünfstelligen US-Postleitzahlen. Manchmal kann man das Terminal mit einem beherzten 00000 überreden, sonst bleibt nur der Gang ins Office.
  • Tanken geht meist auch gut, wenn man beherzt nach dem Griff des Schlauches greift, ausser es sei in Oregon. Dort wird man sehr schnell und empört von einem Angestellten darauf hingewiesen, dass hier Tanken nur durch Fachleute erlaubt ist (mindestens bis vor kurzem).
  • Tanken, auch bedient, klappt hervorragend und man kann den Ölstand gleich noch ablesen lassen. Wenn der Pickup-Truck mit dem Camperaufsatz aber 35 Gallonen (rund 125 Liter) geschluckt hat und immer noch nicht genug hat, kann es sein, dass der Angestellte nervös unter den Wagen schaut. «No» war die Antwort auf seine Frage: «Did you ride in on your last smoke?», da passten noch 15 Liter mehr rein.

Bedienkonzepte mobiler Anlagen (Autos)

Mit Autos wechselnder Hersteller hatte ich schon mehrmals meine liebe Mühe. Eine kleine Zusammenstellung.

  • Der Druck auf den Lichtschalter beim Spiegel in der dunklen Garage in San Francisco, welcher umgehend zu einem Sprechverkehr mit einer netten Dame vom Notfalldienst endete. Es war nachher aber immer noch dunkel im Wagen.
  • Das Hupkonzert um fünf Uhr früh  in West Yellowstone nach dem Druck auf den Türöffner am Schlüsselbund, welchen ich verkehrt in den Händen hielt. Und die verzweifelte Suche nach dem Rückstellknopf des Alarms. Es war nochmals der rote Alarmknopf.
  • Die Panik in einem PT Cruiser beim Verlassen der Mietstation in Toronto, als ich nicht herausfand, wo die verflixten Fensterheber in dem Ding angebracht waren. Ich reichte dem Angestellten die Wagenpapiere durch die leicht geöffnete Türe. Er meinte dann, ich solle mal an der Mittelkonsole unter dem Radio gucken. Da waren sie dann auch. Dass man die Retro-Konsole des Fahrzeugs schlecht ablesen kann, war nur die Bestätigung, dass man den Wagentyp meiden sollte. Natürlich auch die scherzende Rückfrage des kanadischen Cou-Cou-Cousins, ob man denn in der Midlife-Crisis sei! ;-)
  • Das Gefühl beim ersten Mal einsteigen in einen Mobility-Wagen, wenn man den Schlüssel nicht findet. Weder im Handschuhfach, noch im Aschenbecher. Und man dann merkt, dass man nur noch einen Start-Knopf drücken muss.
  • Das Gefühl, wenn man in so einen Wagen einsteigt und dann den Starterknopf bedient. Und zwar ein voluminöser Bildschirm zum Leben erwacht (bootet) und viele andere Lämpchen zu leuchten beginnen, aber kein Motorengeräusch ertönt. Wenn man dann nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen den Rückwärtsgang einlegt und vorsichtig Gas gibt und es fährt! Und nach weiteren Metern vorwärts Gas gibt und plötzlich doch Motorengeräusch ertönt und man dann merkt, aha, das ist also ein Hybrid-Wagen ;-)
  • Oder wenn man an der Tanke (richtige Seite, ausnahmsweise) aussteigt und die Mobility-Kiste vorschriftsgemäss auffüllen will. Und den Tankdeckel nicht aufkriegt. Dann verzweifelt im Auto einen Auslöse-Taster für den Tankdeckel sucht und trotzdem keinen findet. Schliesslich das Handbuch zu Rate zieht. Nur um festzustellen, dass man einfach auf der Fahrerseite die Türe offenlassen muss um dann mit einem leichten Druck auf den Tankdeckel dessen Verriegelung aufschnappen zu lassen! WTF!
  • Aber auch wenn man denkt, man hätte das Prinzip der Cruise-Control (Tempomat) begriffen und beim Verlassen der 50er-Zone Gas gibt und man einfach nicht schneller wird, bis man wie ein Ochse auf das Gas drückt. Nur um irgendwann festzustellen, dass es da nicht nur eine Cruise-Control gibt, sondern auch einen Begrenzer (praktisches Ding), den man allerdings nur nach einem Studium des Handbuchs wieder abschalten kann.
  • Oder zu guter Letzt (nein, ich hätte schon noch ein paar… aber lassen wir's), wenn man den Kofferraum öffnen will und sich beim Ertasten des Öffnungsknopfs an der Unterkante der Heckklappe am VW Golf VII Variant DSG nur schmutzige Finger holt. Und schlussendlich den Servicedienst von Mobility anruft, um dort zu erfahren, dass man auch nicht in der Mitte des Logos, sondern oben (12 Uhr) hinein drücken müsse. 
    Heckklappe des Golf Combi, welche ich nur nach Hilfe aufbrachte

Urs | Sonntag 19 Februar 2017 - 9:51 pm | | default | Ein Kommentar

Treberwurst-Essen mit der Gruppe Ro

Ich versuche mich gerade zu erinnern, wann wir das erste mal Treberwurst-Essen waren?

Auf jeden Fall war es heute wieder so weit und ich habe, wie in dem Kurzbeitrag von 2006 auch diesmal wieder am Donnerstag und Freitag Ferien bezogen.

Der Anlass in Ligerz, welchen jeweils Kollege Jörg organisiert, findet schon etliche Jahre statt, vermutlich erstmals irgendwann 2002. Auf jeden Fall finde ich ich im Handelsregister den Eintrag des heutigen Besitzers der Brennerei, Sali Hazeraj auf 2005 datiert. Wir waren schon beim vorherigen Besitzer Hr Martin dort Treberwürste essen gegangen. Sali war damals Angestellter und übernahm dann den Betrieb.

Wir sind in der Zwischenzeit ein kleines Grüppchen nicht mehr ganz so junger Leute mit Bezug zur SBB. Neben Jörg und seiner Frau Margrit, treffen wir meist auf Elsi und Mani, Vreni und Paul, Irène und Rolf, Erika und Richard, Vreni und Martin sowie den Welschen, Claudine und Serge.

Heute reisten mal wieder fast alle an. Wir trafen uns im Bahnhof Ligerz bei bestem Wetter und beinahe frühlingshaften Temperaturen.

Panoramafoto beim Bahnhof Ligerz

Vom Bahnhof aus erreicht man die Brennerei von Sali in wenigen Gehminuten. Von aussen wirkt das Lokal nicht so einladend, aber im Innern hat er Jahr für Jahr ein wenig investiert und so ist die Gaststube gewachsen, die Tische sind aus schönem Holz und die Wände dekoriert. 

Traubentrester vor dem Lokal

Die Begrüssung durch die Familie Hazeraj ist immer sehr herzlich, man hat fast das Gefühl, man komme nach Hause. Während wir noch auf zwei Nachzügler warteten, gab es das erste Glas Chasselas.

Sali präsentiert eine Flasche Chasselas

Dann waren wir komplett und während ich bunt zwischen Schwyzertüütsch, Hochdeutsch und Français hin- und hersprang, trug Sali ein Ladung der Treberwürste vorbei.

Gegarte Treberwürste bei Sali Hazeraj in Ligerz

Wir wechselten vom Weissen zu einem leichten Pinot Noir und dann trug Salis Sohn auch schon die erste Portion der ausgezeichneten Treberwurst auf. Wie immer in Begleitung eines sehr gut ergänzenden Kartoffelgratin mit Lauch.

Eine Portion Treberwurst mit Kartoffelgratin und Lauch

Ein Vorteil der dicken Mauern des Lokals ist der sehr schlechte GSM-Empfang, also blieben die Handys – ausser für Photos – in den Taschen und man diskutierte um so mehr. Das wird im kleinen Raum manchmal etwas laut, aber auch das gehört dazu. Ich habe den Verdacht, dass wir früher mehr assen und tranken :-) Aber nach drei Portionen gaben die meisten auf. Mani und ich nahmen nach einem kleinen Päuschen noch je eine halbe Portion und dann wurde mit einem Espresso und einem Schnaps nachgespühlt.

Martin reiste etwas früher ab, während wir übrigen dann zu unserem üblichen Spaziergang dem Bielersee entlang nach Twann aufbrachen. So konnte man wohl rund 1% der aufgenommenen Kalorien wieder loswerden ;-)

Panorama über den Bielersee unterwegs zwischen Ligerz und Twann

Nach der langen, kräftezehrenden Wanderung muss dann jeweils in Twann erneut eingekehrt werden :-)

Letztes Jahr hatten wir den Tea-Room der Bäckerei Moosgärtli entdeckt, welche nicht nur guten Espresso ausschenkt, sondern auch Leckereien aller Couleur anbietet. Dieses mal war es so warm und sonnig, dass wir sogar draussen sitzen konnten!

Bienenstich und Erdbeertörtchen in der Bäckerei Moosgärtli in Twann

Eigentlich wollte ich nochmals zurück nach Ligerz gehen, um für den Kollegen Aschi zwei Saucisson zu erstehen. Sali waren die Würste am Mittag nämlich ausgegangen, da eine Gruppe mit 21 statt mit 10 Leuten anrückte. Aber Jörg hatte eine Wurst geschenkt bekommen und ich konnte sie grosszügigerweise erben.

Und so hiess es dann um 16:30 Uhr in Twann Claudine und Serge in Richtung Welschland verabschieden. Der Rest fuhr nach Biel, wo ein Teil der Gruppe sich in Richtung Aarau / Ostschweiz abspaltete und der Rest gemeinsam nach Bern fuhr. Mit vollem Magen brachte mich das Tram nach Hause, das Nachtessen fällt aus Gründen aus :-)

Es war ein wunderschöner Tag und nett die befreundeten Paare wieder mal zu treffen. Das nächste Mal sehen wir uns im Herbst wieder, zu einer Weindegustation im St. Galler Rheintal. Und natürlich nächstes Jahr wieder bei Sali.

Eine schön bebilderte Seite, welche das Lokal von Sali Hazeraj etwas besser zeigt, findet sich hier auf der Webseite von Christian Zimmermann.

Urs | Donnerstag 16 Februar 2017 - 10:25 pm | | default | Kein Kommentar
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Ein autovoller Samstag

Ich besitze keinen Wagen und bin automässig ein Spätzünder. Mit Achtzehn war ich mit der Lehrabschlussprüfung beschäftigt und mit Zwanzig war die Rekrutenschule im Weg. Danach entschloss ich mich, möglichst nahe am Arbeitsort zu wohnen, was mir ja zum Beispiel in Baden optimal gelang. Ich wohnte im zweiten Obergeschoss des alten Bahnhofs und konnte in drei Minuten zur Arbeit :-)

Erst mit knapp Dreissig machte ich den Führerschein. Eigentlich nur, weil ich damals sieben Wochen in die USA in die Ferien wollte. Und die USA sind nun mal eher schwer ohne Führerschein zu bereisen.

Einen eigenen Wagen hatte ich auch danach nicht, warum auch. Mit dem Geld, das ich mir sparte, konnte ich bestens mal zwischendurch eine Taxifahrt bezahlen. Und natürlich habe ich irgendwann auch eine Mobility-Mitgliedschaft beantragt. Für den «Genossenschafter» konnte ich mich noch nicht überwinden.

Gestern, Samstag, war es mal wieder so weit. Ich wollte nach Kallnach und danach noch in Jegenstorf beim Kollegen Wein abholen. Also buchte ich am Donnerstag einen Wagen und wurde im Bahnhof Bern fündig. Am Samstag kramte ich meine Mobility-Membercard hervor und fuhr mit dem Tram zum Bahnhof.

Dort angekommen, erwartete mich dieses Gefährt im 3. Geschoss des Bahnhofparkings.

Renault Clio von Mobility

Der rote Renault Clio war natürlich ein Automat. Ich habe zwar auf einem geschalteten Wagen fahren gelernt. Aber seit der Prüfung im Frühling 1993 sass ich nie mehr auf der Fahrerseite eines manuell geschalteten Autos. In den USA, wo ich meist fahre, sind Automaten üblich und ich schätze die Bequemlichkeit. Zudem ist es für einen Gelegenheitsfahrer eher einfacher, vor allem bei ständig wechselnden Fahrzeugen.

Cockpit des Renault Clio

Ich suchte verzweifelt das Handschuhfach, aber da war keines. Auch kein grosser Aschenbecher. Wo ist denn der Schlüssel für das Zündschloss? Ah, vielleicht ein moderner Wagen ohne Zündschloss, einfach ein Starter-Knopf? Ja, aber wo? Hast Du ihn gefunden? Etwa auf vier Uhr, gleich neben dem Lenkrad.

Dann ging es los zum ersten Etappenziel, Kallnach, zur Erlebnisbrennerei Matter-Luginbühl.

Eingang zur Brennerei Matter-Luginbühl in Kallnach

Frau Matter öffnete mir die Türe und wies mich zum Verkaufsraum im ersten Stock. Die Brennerei/Destillerie haben wir vor ein paar Jahren mal besucht und mir ist der «Kina l‘Aero d’Or» damals sehr gut in Erinnerung geblieben. Der Globus in Bern führt in leider nicht mehr. Ich wollte auch noch eine «Vieuille Prune Dessert», worauf mir Frau Matter die Geschichte der Löhrpflaume, welche in ihrer Familie das Licht der Welt erblickte, erzählte. Ich probierte dann auf ihr Anraten noch ein wirklich winzig kleines Schlückchen, um den Unterschied zwischen dem Schnaps und dem Likör/Dessert zu erahnen. Ich war so überzeugt, dass ich gleich auch noch davon kaufte.

Danach ging es nach Jegenstorf, wo ich bei Jörg den im letzten Jahr bestellten Wein abholen wollte. Da ich zu früh war, nutzte ich die Gelegenheit, im lokalen Coop gleich meinen Wochenendeinkauf zu erledigen. Dazu konnte ich im Café noch einen guten doppelten Espresso von Illi geniessen (kleiner Seitenhieb gegen den Büro-Kaffee ;-))

Gegen 13:30 holte ich den Wein ab und durfte noch kurz die Gastfreundschaft von Jörg und Margrit bei einem ebenfalls sehr guten Espresso geniessen. Dann hiess es heimwärts fahren. Ausgang Jegenstorf grüsste noch kurz die RBS.

An der Barriere kurz auf die RBS warten

Zu Hause reichte die Zeit zum Auspacken und noch einen Sud Wäsche einfüllen, um rechtzeitig den Wagen wieder zum Bahnhof Bern zu bringen. So ein «Auto zum Ausleihen» ist noch recht praktisch, aber die Distanz war relativ gross und so wird einem der Preis des Autofahrens mal wieder deutlich. Mobility macht ja eine Vollkostenrechnung (Stundenrpreis, Kilometerpreis inkl. Benzin und Versicherung) und so bleche ich dafür knapp 65 Franken.

Abrechnung Mobility

Und hier noch der Erwerb des Tages. Halbe Flaschen vom Syrah und Petite Arvine von Cordonier et Lamon aus dem Wallis, den Kina in der Mitte und die Vielle Prunes zur Rechten. Daran werde ich wohl wieder ein paar Jahre zu trinken haben. Ich verarbeite das ja eher in homöopathischen Dosen.

Wein, Bitter und Vieille Prune

Urs | Sonntag 22 Januar 2017 - 7:45 pm | | default | Kein Kommentar

Krustenkranz

Das Backen von (Sauerteig)Broten habe ich ja mittlerweile ziemlich im Griff, also reizt mich vermehrt Kleingebäck. Irgendwann vielleicht auch mal Laugengebäck, welches ich sehr liebe.

Aber nun erst mal zu einem Versuch mit Weizenbrötchen. Es kam alles etwas anders als am Anfang gar nicht geplant. :-)

Ich hatte noch eine angebrochene, teilentrahmte Milch kurz vor dem Ablaufdatum, also begann ich mit einem Vorteig (Poolish):

  • 150g Milch, 2.7% Fettgehalt
  • 150g Weizenmehl, weiss
  • 0.3g Hefe

Zutaten verrühren und bei Raumtemperatur für 24 Stunden stehen lassen. Danach hat die Kleinmenge Hefe sich bereits tüchtig vermehrt und der Vorteig wirft kräftig Blasen.

Hauptteig:

  • Vorteig
  • 20g Dinkelmehl, weiss
  • 20g Weizenmehl, Vollkorn
  • 10g Roggenmehl, Vollkorn
  • 150g Weizenmehl, weiss
  • 0.5g Hefe
  • 6.8g Salz
  • 78g Wasser

Teig kneten bis er glatt wird und sich von der Schüssel löst (rund 10-15 Minuten). Bei 25° zur Gare stellen. Nach 30 und 60 Minuten einmal dehnen und falten.

Den Teig über Nacht im Kühlschrank lagern. Die Hefe arbeitet dann für mich weiter, während ich schlafe :-)

Am nächsten Tag den Teig etwa eine Stunde temperieren lassen.

Dann habe ich mir überlegt, was ich damit machen soll. Mit dem «Verlust» (Verdunstung, kleine Reste, die in Gefässen zurückbleiben) kam ich auf rund 572g Teig. Das ergibt sechs Brötchen à 95g. Das gäbe doch grad einen Krustenkranz?

Also los, die sechs Teiglinge abstechen und rundschleifen. Der Teig war noch etwas kühl und der Dinkel, zusammen mit dem Fett der Milch, machte ihn leicht klebrig. Ich mehlte also die Teiglinge ein und versuchte dann, sie rundzuschleifen. Mit meinen Patschhänden gelang das leidlich. 

Während ich den Ofen vorheizte, legte ich die Brötchen auf Bäckerleinen für rund 45 Minuten zur Gare. Da die Küche noch etwas kühl war, wäre es wohl besser gewe­sen, ich hätte sie länger gehen lassen. Sie waren noch ziemlich kompakt, als ich sie mit Schluss nach oben in Kreisform auf dem Blech zum Einschiessen parat machte.

Teiglinge für den Krustenkranz

Danach ging es für 30 Minuten in den Ofen bei 250°C fallend auf 210°. Am Anfang für knapp 10 Minuten mit Dampf, damit die Kruste schön aufgeht.

Der Krustenkranz, frisch gebacken

Das Ergebnis war ziemlich «wild» in der Form, roch aber sehr gut. Nach dem der Krustenkranz etwas abgekühlt war, brach ich ihn und schnitt ein Brötchen auf.

Frische Brötchen vom Krustenkranz

Die frischen Brötchen sind recht kompakt (wenig Hefe mit dem Fett der Milch), aussen schön knusprig und haben ein sehr gutes Aroma von der recht langen Lagerung.

Was ich besser machen könnte:

  • ein wenig Backmalz hinzufügen (1g) , um noch etwas mehr Süsse und Triebkraft in den Teig zu bringen
  • die Teiglinge länger auf dem Bäckerleinen gehen lassen und
  • die Bäckerleinen etwas besser falten, so dass es weniger Druck auf die Teiglinge gibt.
  • weiter mit dem Rundschleifen üben :-)

Ach ja, noch eine Antwort auf die potentielle Frage, weshalb ich so wenig Hefe verwende:

  • Viele Leute vertragen die Hefe nicht so gut (ich allerdings schon)
  • Viel Hefe bringt zwar den Teig zum Gehen, hat aber auch die Tendenz, das Brot schneller trocken werden zu lassen. Kennt man ja von den industriell gefertigten Broten aus dem Supermarkt.

Ich verwende Bio-Hefe, welche sowieso weniger stark treibt. Aber die lange Lagerung, da der Teig dann benötigt, hilft, das gute Aroma zu entwickeln.

Auf ein gutes 2017!

Urs | Montag 02 Januar 2017 - 12:44 pm | | default | Kein Kommentar
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Ursula von Graffenried oder Alec Wyss?

Nun sind die Gemeinderatswahlen 2016 (Exekutive) der Stadt Bern ja Ende November wie erwartet ohne absolute Mehrheit für eine(n) Nachfolger(in) des aktuellen Stadtpräsidenten, Alexander Tschäppät durch.

Links hat mit insgesamt 4 von 5 Sitzen bekanntlich gesiegt, wobei der Rechte ja auch eher ein Mann der Mitte ist. Das Proporz-Wahlrecht hat hier sehr starke Machtverhältnisse geschaffen.

Und nun steht die zweite Runde der Stadtpräsidiumswahlen an. Zur Wahl stehen, Ladies first, Ursula Wyss (SP) und Alec von Graffenried (GFL). Also eine Linke und ein ziemlich Linker.

Die Bürgerlichen haben sich angesichts der desaströsen Ausgangslage im ersten Wahlgang wie erwartet zurückgezogen und unterstützen alle Kandidierenden, ausser die Wunschkandidatin der SP, Ursula Wyss. Logisch, sie hätten wohl auch einen Papagei unterstützt, wenn er zur Wahl gestanden wäre. Einfach alles nur nicht Ursula Wyss.

Bei den Linken ist die Situation auch klar. Ursula Wyss wurde ja schon vor mehren Jahren als die «natürliche» Nachfolgerin von Tschäppät gehandelt. Dass die GFL der Stadt Bern nun Alec von Graffenried aufstellte und der im ersten Wahlgang sogar mehr Stimmen als Ursula Wyss geholt hat, hat für sehr viel böses Blut im linksgrünen Lager gesorgt.

Nun kommen wir zum Titel des Beitrags… ich muss sagen, dass mich das Begleitgeräusch der anstehenden Wahl im Moment ziemlich nervt.

Da sind einerseits die unzähligen Leserbriefe, welche Ursula Wyss in einer Art und Weise verunglimpfen, dass es einem übel werden könnte. Dass sie «im Zusammenhang mit den durchtriebenen, hinterhältigen Aktivitäten in der Blocherabwahl, noch in bester Erinnerung ist», ist ja grad noch nett. Dass die «Jupe-Trägerin» ja sowieso gewählt sei, kann man noch als Geschlechterneid (die Schreiberin ist eine Frau) durchgehen lassen. Dass sie eine «Salonsozialdemokratin» sei, kann man akzeptieren. Warum die «rote Frau» einen «schlechten ökologischen Fussabdruck» haben soll, verstehe ich nicht. Woher da ein Peter Huber wissen will, dass sie «unzähligen Flugmeilen auf ihrem privaten Konto» haben soll? Warum «Die Persönlichkeit von Wyss einfach zu schwierig, woran sie indessen selber schuld» sein soll?

Alec von Graffenried kommt insgesamt besser weg, ausser dass er ein Mann ist. Das geht ja eigentlich gar nicht. Pure «Misogynie», wenn man einen Mann wählen würde. Zudem wird er ja auch von der SVP empfohlen, deshalb ist man eigentlich ein Sympathisant der SVP, wenn man Alec von Graffenried wählt! Zudem ist der AvG ein Bernburger, «wählt keinen Burger in ein so zentrales Mandat!» (erinnert ein wenig… ach lassen wir's).

Aber zurück zu den Tatsachen, es steht eine Rotgrüne und ein Grünroter zur Wahl. Also Frau gegen Mann?

Beide haben politische Erfahrungen und eine Familie, wissen also wie man mit trötzeligen Kindern (=Parlament und Ämter) umgeht.

Während AvG etwas mehr Exekutiverfahrung hat (Regierungsstatthalter), hat er sich jedoch vor zwei Jahren wegen «zu grosser Belastung aus» dem Nationalrat zurückgezogen. Andererseits hat er Erfahrungen in der Privatwirtschaft und gilt eher als «Vermittler», was als Stadtpräsident sicher eine wertvolle Eigenschaft wäre. Auch wenn 80% der Regierung linksgrün sind, darf man die anderen Bürger der Stadt und die wichtige Beziehung zum Kanton nicht dogmatisch angehen.

Ursula Wyss hingegen hat eine ziemlich akademische Laufbahn hinter sich, was sich ja heute für die meisten SPler so gehört… Aber als Direktorin der Abteilung Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün hat sie nun allerdings schon mehrere Jahre Erfahrung in der Stadtregierung und ist sicher bestens vernetzt. Und sie ist eine Frau, eigentlich wäre es ja mal Zeit für eine Frau…

Wen werde ich nun wählen? Ich weiss es ehrlich noch nicht.

AvG kenne ich gar nicht. Bei UW muss ich meine Lieblingsfeindschaft mit «Bernmobil» vergessen und darf ihre «Velo-BesessenheitAffinität» nicht überbewerten.

Urs | Sonntag 18 Dezember 2016 - 2:29 pm | | default | Vier Kommentare
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Wie reist Du?

Bist Du eher der Sponti oder ein Planer?

Ich mag mich gut an einen Kollegen erinnern, der jeweils zwei Koffern packte. Einen Kalt-Koffer und einen Warm-Koffer. Dann guckte er wenige Wochen vor den Ferien, welche Destinationen gerade günstig als «Last Minute-Angebot» verfügbar war. Und nahm dann den passenden Koffer und verreiste.

Ich persönlich plane lieber voraus. Einerseits vermutlich ein Wesenszug, den ich in mir habe und andererseits ein Verhalten, welches bestens gefördert wurde im Laufe meines Berufsleben ;-)

Hatürlich gab es trotzdem immer ungeplante Überraschungen. Und sei es nur ein mir bisher unbekannter Feiertag in den USA, der dazu führte, dass im Umkreis von 400 Meilen alle Hotels ausgebucht waren.

Das Planen macht mir aber wirklich Spass, weil die Reise damit ja schon lange vorher beginnt. Ich sehe mir Fahr- und Flugpläne an, prüfe verfügbare Ausflugsziele und vergleiche die Hotelangebote an den Etappenzielen. 

Eine Zeitlang hatte ich immer irgend etwas vergessen einzupacken. Also erstellte ich Checklisten, früher gedruckt, später dann als App. So konnte ich mit dem Koffer beruhigt aus dem Haus gehen, um am Zielort festzustellen, dass ich meist trotzdem irgend etwas vergessen hatte. ;-)

Zum Glück reicht es heute meist, genügend Geld oder die Kreditkarte dabei zu haben, um die fehlenden Gegenstände auch in Feriendestinationen zu erwerben.

Aber einige Unterlagen benötigt man trotz Kreditkarte unterwegs. Ausweise, Tickets etc. Aber heute geht das ja auch immer einfacher elektronisch dank Smartphone und Apps, nicht?

Meine Umfrage auf Twitter ergab folgendes Ergebnis:

Umfrage auf Twitter zum Thema «Papierlos in den Urlaub»
 

Meine Erfahrungen in den letzten Jahren waren da auch häufig durchzogen. So musste ich in Hongkong bei der Einreise von Macau feststellen, dass elektronische Bordkarten bei der Security nicht akzeptiert wurden. Oder dass das iPhone einfach keine Datenverbindung herstellen will, um die Reservation eines Hotels rauszurücken, welche der Angestellte beim Check-In partout nicht finden will. Oder dass die elektronischen Helferchen aus irgendwelchen Gründen einfach nicht mehr starten wollen.

Also nehme ich in der Regel für längere Abwesenheiten mein uraltes, blaues Kuoni-Etui mit. Darin habe ich den Pass, meist etwas Bares (Fremdgeld), die Bordkarte, Voucher für Hotels oder Autovermietungen und meist auch noch eine Karte oder einen kleinen Reiseführer. Und natürlich meinen selbst erstellten Reiseplan, der alle Eckdaten wie Flugnummern, Reservationsnummern und so weiter enthält. Natürlich auf so wenigen Seiten wie möglich… Selbstverständlich habe ich diese Unterlagen auch auf meiner Dropbox und diese auf MacBook, iPad und iPhone synchronisiert bzw. offline verfügbar.

Reiseetui von Kuoni

Und dieses Etui steckt dann mit dem iPad, Akkupack, Ladegerät und allen möglichen Adaptern in der Umhängetasche.

So, und jetzt plane ich langsam meine Ferien für 2017… wohin es geht? Naja, ich hätte noch viele Flugmeilen einzulösen. Möchte aber auch etwas kürzer treten und dann dafür im 2018 die Auszeit noch etwas verlängern. Allerdings sollte man ja auch nicht alles auf die lange Bank schieben, es kommt ja sonst sicher etwas dazwischen. Wir werden es sehen, lesen, hören.

P.S.: trotz aller Planung habe ich in den letzten Ferien meine kleine Taschenlampe für den nächtlichen Fussweg vom Restaurant zurück zum Hotel nicht dabei.

P.P.S.: ich hatte sie natürlich schon dabei, aber in ein Reisenecessaire gepackt und dort nicht nachgeschaut. Etwas ist immer :-)

Urs | Dienstag 06 Dezember 2016 - 10:29 pm | | default | Kein Kommentar
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