USZeit 2018, San Francisco

Ja, das mit dem «If you're going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair», wie es Scott McKenzie so schön gesungen hat, ist es bei mir nichts mehr.

Freitag

Ich lümmelte nach dem Aufwachen noch ein wenig im Bett umher, las mich durch die vielen Feedbacks (😍) auf Twitter und arbeitete mich durch die Timeline.

Dann wetzte ich den Rasierer und machte mich an die Arbeit, nach etlichen Jahren wieder mal nicht nur Kopf zu rasieren, sondern den ganzen Bart inkl. Schnauz! Es war ein rechter Krampf, obwohl ich zu Hause den Bart mit dem Trimmer noch auf sehr kurz geschoren hatte. Ich schaffte es grad noch rechtzeitig durch die Dusche, so dass es noch für das Frühstück im Hotel reichte. Die schliessen unter der Woche um 09:30 zu. Das Hotel serviert kleine Eieromeletten, eine Fleischbeilage (Würstchen bzw. Patties oder Schinken), Toast und Bagels (mit Creamcheese), Waffeln zum Selbermachen, Cereals und etwas Früchte. Der Kaffee ist durchaus geniessbar. Nicht schlecht, für ein Inklusiv-Angebot.

Hotelfrühstück im Staybridges SFO

Das Gefühl der kühlen Luft, welche um das Kinn strömt, ist doch sehr gewöhnungsbedürftig. Aber keine Angst, ich lasse den Bart gleich wieder wachsen.

Ich machte mich dann auf den Weg zur BART und fuhr in die Stadt bis zur Powell Street. Dort shoppte ich noch ein wenig für den Chrigel im CVS, bevor ich mich auf die Suche nach der mir noch bekannten Bushaltestelle machte, wo der 30er (und der 8er) zur Fisherman's Wharf rüberfährt.

Ich installierte mir die App «Muni Mobile». Damit kann man sich sehr einfach Bus-/Cable-Car-Tickets kaufen. Der eingebaute Fahrplan basiert mE auf Google Maps. Das funktioniert ja einigermassen. Dann brauste auch schon der erste Dreissiger an die Haltestelle. Der Bus füllt sich meistens sehr schnell mit chinesischsprechenden Menschen, da er ja mitten durch Chinatown fährt. Später, als er durch «Little Italy» fuhr, erinnerte ich mich an eine frühere Reise mit St. J. und stieg beim Washington Square aus. Dort, beim «Bohemian Cigar Store and Café» gibt es ansprechenden Espresso (etwas zu heiss, diesmal), den man draussen geniessen kann.

Eck-Café «Bohemian» in Little Italy

An der Sonne war es angenehm, aber im Schatten pfiff der Wind doch recht kühl um die Ohren. Ich war froh, dass ich eine Jacke dabei hatte.

Nach dem Kaffee schnappte ich mir einen 8er-Bus und fuhr mit dem runter an die Wharf. Die Fahrt ist sehr kurz, eigentlich hätte ich auch gehen können. An der Fisherman's Wharf ist es immer noch wie früher, nur halt auch hier ein wenig mehr heruntergekommen.

Panorama von der Fisherman's Wharf mit Alcatraz in der Bildmitte

Dafür sind die Preise nochmals gestiegen. Da ich langsam einen kleinen Hunger verspürte, ging ich eine «New England Clam Chowder» - Suppe im Brot essen. Ich liebe diese Suppe und mit dem Sauerteig-Brot gibt es eine komplette Mahlzeit.

Eine «New England Clam Chowder» im Sauerteig-Brötchen, naja eher Brot

Die Suppe mit einem halben Liter San Pellegrino und einem doppelten Espresso kostete 25.85$! Wobei letzterer alleine mit 6$ zu Buche stand. Ich wunderte mich noch kurz über den Posten SFHEALTH mit 1.12$ auf der Rechnung. Offenbar macht es die Stadt San Francisco grösseren Firmen zur Pflicht, für die Krankenkasse der Mitarbeitenden aufzukommen und erlaubt es ihnen dafür, eine separate Steuer auf Waren zu verlangen. Die obigen 25.85 bestehen also aus 22.70 Waren, 1.12 Health Tax und 2.03 allgemeiner Steuern. Tja, angeschrieben sind, wie in den USA üblich, natürlich nur die normalen Preise.

Ich ging dann noch ein wenig Souvenirs anschauen, kaufte mir einen neuen Cap und ein paar Postkarten, mitsamt den Briefmarken. Letzteres war ein grosser Fehler, denn der Laden verlangt zwei Dollar für die Briefmarke, welche beim US Postal Service nur 1.15 kostet! Und ich hatte mich noch gewundert und nachgefragt. Gschäftlimacher, elender ;-)

Anschliessend ging ich zu Fuss zur Hyde Street, von wo aus man einen netten Blick auf die Cablecars und das dahinter in der Bucht liegende Alcatraz hat.

Blick auf Cablecars und Alcatraz in der Bucht von San Francisco

Wiederum mit dem 30er-Bus ging es dann runter zur Market und zu Fuss bis zum Civic Center. Viele Besucher beklagen sich ja, dass San Francisco zu einer Kloake verkommen sei. Die Reichen schliessen sich in die teuren Appartments ein und fahren mit einem Lyft oder Uber herum. An der Market lungern immer noch oder wieder viele Obdachlose herum. Es riecht permanent nach Shit. Also nicht gerade sehr «pleasant». Ein unsicheres Gefühl hatte ich allerdings nicht.

Ich fuhr mit der BART zum SFO und mit dem AirTrain zur Auto-Vermietstation. Ich habe mich bei Avis als «Preferred Customer» eingeschrieben und konnte zu einem eigenen Schalter im dritten OG gehen. Dort nannte ich nur kurz meinen Namen und bekam dann einen gedruckten Zettel in die Hand. Ich konnte damit zum Parkplatz um die Ecke, wo mein Wagen auf Feld E16 stand. Ich machte mich notdürftig damit vertraut und fuhr zum Ausgang, dort wurde mir der Führerausweis eingescannt und das war es schon. Die ganze Prozedur dauerte keine zehn Minuten.

Mit Google als Navigation und etwas mit Lüftung/Klimaanlage kämpfend, fuhr ich durch den Feierabendverkehr zurück zum Hotel. Ich wärmte mir die restliche Pizza vom Vorabend auf und bloggte noch den Artikel vom Vortag.

Mein schwarzer Chevrolet Camaro Convertible 2018 auf dem Hotelparkplatz
 

Samstag

Ich konnte es mit dem Frühstück etwas lockerer angehen lassen. Es wird am Wochenende bis 10:30 Uhr serviert. Im Früstücksraum wunderte ich mich ein wenig über eine Familie mit Vater und wohl etwa sechs Kindern, welche alle sehr formell angezogen waren. Die Jungs mit weissem Hemd und Krawatte, die zwei Mädchen mit schicken Röcken. Die kleinen zwei Kinder hatte der Paps in ein Handtuch eingewickelt, damit sie sich nicht kleckerten ;-)

Ich machte mich dann daran, den Wagen zu erkunden. Wie das mit dem Verdeck funktionierte, kriegte ich mit dem Onlinehandbuch (auf dem iPhone) und dem elektronischen Wagenschlüssel hin. Es wurde dann aber sehr hell im Wagen und auch sehr heiss, da die Sonne direkt runterbrannte. Ich kramte im Handschuhfach und dort gab es die eindeutig besser lesbare Papiervariante des Handbuchs. Nach rund 10 Minuten war ich an der Stelle, die das Schliessen des Verdecks mittels Taste oberhalb des Spiegels (nicht wirklich gut sichtbar) beschrieb.

Danach ging es bis nach der Seite 100, bis ich auch endlich den USB-Port fand, die Klimaanlage begriffen und auf meinem iPhone Siri aktiviert hatte. Ich montierte auch mein vor Jahren in den USA gekauftes Garmin Nüvi, da ich mich damit besser fühle, als mit Google Maps.

Danach fuhr ich zum Pacifica State Beach runter, wo ich erst ein wenig den Safeway unsicher machte. Ich kaufte mir ein paar Brötchen und etwas Früchte und Fleisch für das z'Nacht. Natürlich konnte ich nicht an der Büchse Pringles BBQ vorbei gehen (gibt es bei uns zum Glück/leider nicht mehr). Und ebenfalls nicht fehlen, durfte ein Apple Fritter. Dieses süsse, knusprige Apfelgebäck kannte ich bis vor ein paar Jahren nicht mal, bis mich Andy J. darauf aufmerksam gemacht hatte.

Einen Gang zum Strand ersparte ich mir aufgrund des falschen Schuhwerks, aber für ein Foto hat es gereicht.

Panoramabild des südlich von San Francisco gelegenen Pacifica State Beach

Nach der Rückkehr zum Hotel, beschloss ich noch kurz auf ein Bier ins Toronado in den Heights zu fahren. Dauert ja nur rund eine Stunde pro Weg ;-)

Ja, denkste. Erst den Zug verpasst. Macht nix, der nächste kommt eine Viertelstunde später! Dann den Weg zu Fuss von Mission bis in die Heights unterschätzt. Zwar blies ein ziemlich kühles Lüftchen, fast schon ein Wind, aber ich kam trotzdem leicht ins Schwitzen. Umso verdienter war dann das Bier in der nicht ganz vollen Bar. Der Türsteher wollte zwar mit gestrengem Blick meinen Ausweis sehen, liess mich dann aber doch passieren. Sehe ich ohne Bart so jung aus?

Bier in der Bar «Toronado» in den Heights von San Francisco

Bevor ich mich auf den Heimweg machte, gönnte ich nir im gleich danebenliegenden «Rosamunde Grill» einen Hotdog. Die Wurst kommt aus der gekühlten Auslage auf den Grill und wird dann noch mit Beilagen (Zwiebeln, Chilis oder Pepperoni oder Sauerkraut) angerichtet. Dauert also zehn Minuten, ist dafür top frisch. Die nehmen dort nur Bargeld oder PayPal. Einem armen Kerl, der nicht genügend Cash hatte, spendete ich noch einen Dollar, was er mir mehrmals verdankte.

Rosamundes Grill in den Heights

Ich war dann froh, mich noch gestärkt zu haben. Denn ich lief in der irrigen Annahme, es gäbe dort eine BART Haltestelle, bis nach Castro und dann etwas gescheiter zurück zur 16th/Mission. So hatte ich dann doch 14'000 Schritte auf dem Zähler, als ich im Hotel zurück war.

Urs | Sonntag 09 September 2018 - 01:47 am | | default | Zwei Kommentare
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USZeit 2018, On The Train Again

Jaja, das Original geht ja «On The Road Again» und ist von Willie Nelson. Zum Zugfahren würde ja eher der Song «City Of New Orleans» von Arlo Guthrie passen. Aber hey, eine Recherche mit der Suchmaschine der Qual hat sogar Songs über «meinen» Zug, den «California Zephyr» ausgespuckt. Der Hank Williams Sr hat einen ziemlich schrammligen Song über den Zug gemacht, damals gab es noch keine Amtrak.

Aber zurück zum Thema. Im vorherigen Beitrag ging es ja darum, dass ich es knapp auf den Zug geschafft hatte. Nun also zur Zugsreise selber.

Mittwoch, unterwegs

Am Vorabend war ich sehr schnell eingeschlafen. Die Nacht durch schlief ich einigermassen gut. Die Klimaanlage war noch etwas stark offen, so dass ich etwas kühl hatte. So rief gegen Morgen mal der Körper. Die Doppelstockwagen der Amtrak haben im oberen Stock eine Toilette. Im unteren Stock hat es zwei weitere, aber die Treppe ist relativ eng und verwinkelt. Ich wundere mich manchmal, wie es die durchaus noch etwas beleibteren und älteren Mitreisenden dort hoch und runter schafften.

Wir hatten ja schon am Vorabend ziemlich Verspätung eingefahren und in der Nacht war es nicht besser geworden. Ich ging gegen acht Uhr mal runter in die Dusche. Ich stand schon in der Dusche drin, brachte aber das Wasser nicht an. So ohne Brille dachte ich, es reiche, wenn man den Wasserknopf betätige (dicke Taste zum reindrücken). Der untere, mit «2» beschriftete Hebel stand meines Erachtens auf «lauwarm». Also nochmals kurz in den Pijama und Vicky rufen. Sie zeigte mir dann, dass der untere Hebel ganz gedreht werden muss, um das Wasser in Gang zu setzen. Eh, habe ich wohl vom letzten Mal vergessen.

Danach ging es zum Frühstück, wo ich auf Phil und seine Frau traf. Die beiden waren ziemlich wohlhabende Pensionäre, die neben ihrem «normalen» Haus in upper Michigan auch noch eine Winterresidenz in Florida haben. Die andere Mitreisende neben mir war sehr kurz angebunden und stellte sich nur mit Namen vor. Ich vermute, sie hatte eine leichte körperliche Behinderung (zerebraler Art), welche sich auch ein wenig auf Ihre Sprache niederschlug.

Phil und ich unterhielten sich gut, er merkte sich auch meinen Namen. Es machte ihm auch später Freude, wenn er mich irgendwo im Zug wieder sah, mich Urs nennen zu können.

Wir erreichten dann erst gegen 10:30 Uhr Denver, wo der Zug nach Plan bereits um 7:15 Uhr hätte ankommen sollen. Denver ist ein Sackbahnhof, der Zug fährt deshalb über ein Gleisdreieck zuerst etwas am Bahnhof vorbei und wird dann rückwärts in den Bahnhof eingeschoben.

Der «California Zephyr» bei der Einfahrt in den Bahnhof Denver über ein Gleisdreieck

Der Zug hält hier gemäss Fahrplan während 50 Minuten. Damit war es möglich, den Zug etwas zu verlassen, um sich die Beine zu vertreten. Amtrak unterhält den Zug hier. Ein «Visiteur» untersucht Drehgestelle und Bremsen, es gibt frisches Essen und der Abfall wird entsorgt. Ein Team sorgte für gute Durchsicht, in dem sie entlang beiden Seiten des Zuges die Fenster nass reinigten!

Die Fenster des «California Zephyr» werden nass gereinigt

In Denver wechselten auch die «Conductors» (Zugbegleiter) und die «Engineers» (Lokführer). Einer der neuen Lokführer trug am Rucksack eine dicke Rolle «Duct Tape» (silbernes Isolierband). Damit kann ja fast alles repariert werden und ich hoffte auf eine problemlose Weiterfahrt ;-)

Lokführer mit Klebebandrolle. Macht mE gerade ein «High Five» mit dem Sohn der ankommenden Lokführerin

So irgendwann nach 11 Uhr wären wir dann bereit für die Abfahrt gewesen. Der Zug fuhr dann auch los, aber schon nach wenigen hunderten Metern kam er zum Stillstand. Offenbar gab es noch bevorzugten Güterverkehr. Nach rund zwanzig Minuten setzte sich der Zug wieder in Bewegung, aber in die falsche Richtung. Wir schoben wieder zurück nach Denver. Offenbar hatten die Dispatcher der BNFS, welche den Zugverkehr auf ihren Gleisen regeln, beschlossen, dass wir noch länger nicht los dürfen.

So wurde es dann rund 13 Uhr, bis es wirklich weiterging. Eine doch recht happige Verspätung von nun fünf Stunden! Beim späten Mittagessen begann der Zug dann in die Rockies einzufahren. Die Strecke hat extrem enge Kurvenradien, man wundert sich, dass über diese Gleise auch schwere und lange Güterzüge verkehren.

Die folgende Aufnahme ist aus dem Zugfenster (deshalb die Abschattung rechts) kurz vor der «Big Ten Curve», bei welcher der Zug mit einer grossen Schlaufe an Höhe gewinnt. Die Steigungen sind hier bis zu 20 Promille.

Amtrak «California Zephyr», Kurvenbild aus Speisewagenfenster vor der «Big Ten Curve», kurz nach Denver

Das Wetter verschlechterte sich dann und es begann zu regnen. Toll, dabei waren doch die Fenster frisch gereinigt. Der Zug gewann weiter an Höhe und folgt dabei dem South Boulder Creek - Flüsschen. Ein Kulminationspunkt ist dann der rund 10 Kilometer lange Moffat-Tunnel auf 2'816 Metern über Meer

Auf der anderen Seite kamen wir dann in Alpine an, wo wir wiederum kurz raus durften. Auf den fernen Gipfeln lag ein wenig frischer Schnee. Vicky zeigte mir auf dem Smartphone Bilder von ein paar Tagen zuvor, wo man noch deutlich mehr Schnee sah.

Kurz vor dem Bahnhof von Alpine, Colorado

Irgendwann nach Granby fährt man dann in die Canyon Landschaft beim Colorado River ein und hat beinahe zwei Stunden keinen Handy-Empfang. Die Landschaft war im frühen Abendlicht wunderschön, ich konnte mich beinahe nicht satt sehen.

 Das Nachtessen war wieder mit Phil und Frau, neben mir sass eine junge Frau. Das Gespräch drehte sich um Wein (offenbar das Geschäft von Phil und Frau vor der Pension). Die junge Frau überraschte mich, dass sie «Vinho Verde» kannte. Sie war mit ihrem Verlobten auf einer Flusskreuzfahrt auf dem Douro gewesen.

Und schon bald hiess es Zähne putzen und das von Vicky frisch hergerichtete Bett beziehen. Ich legte mich auf den Rücken und sah auf, zu diesem wunderschönen Sternenhimmel. In der Nacht sollten wir in Salt Lake City vorbeikommen und wieder etwas Zeit gut machen.

Donnerstag, Ankunft in San Francisco

Das mit der Dusche hatte ich ja im Griff, die Uhrzeit stimmte soweit auch, obwohl wir in der Nacht von der Mountain Time eine Stunde zurück auf Pacific Time gesprungen waren.

Das Frühstück bescherte mir neue vis-à-vis. Das Pärchen war leicht anders angezogen und so bestätigte mir ihr Dialekt bei der Bestellung meine Vorurteile. ;-) Es waren – natürlich – Briten, aus Windsor. What a lovely surprise! :-)

Die Beiden waren auch unterwegs nach San Francisco, wollten danach weiter mit dem Flugzeug nach Memphis und von dort via Ostküste wieder heim. Wir unterhielten uns vorzüglich über ihre Pläne, nach Frankreich auszuwandern, wo sie im mittleren Süden ein Häuschen gekauft haben. Die sprachlichen Unterschiede zwischen England und den USA waren Thema und ich konnte sie mit einer lustigen Anekdote über Herrn H. L.s und meiner Reise nach Wales (Becon Breacons / Merthyr Tydfil) zu einem lauten Lachen bringen.

Morgenlicht über Nevada

Nach dem Mittagessen, bei welchem ich mit mit beinahe-Abteil-Nachbarn über deren Ferienhaus in Nordkalifornien, das eben viel zu teuer gewordene, überlaufene Kalifornien und allerlei andere Begebenheiten unterhielt, begann kurz nach Reno der Anstieg durch die Sierra Nevada über den Donner-Pass. Kurz vor Mystic ist die Staatengrenze Nevada/California erreicht.

Entlang des Truckee River und des Interstate 80, kurz vor Mystic, CA

In der Nacht hatten wir nicht viel Verspätung aufgeholt. Aufgrund eines medizinischen Notfalls hatten wir noch einen Extrahalt, wo eine Person mit Problemen von der Ambulanz abgeholt wurde. Eigentlich war es mir soweit egal, aber ich verständigte dann doch über E-Mail mein Hotel, dass es sehr spät werden könne. Vicky und der aktuelle Conductor meinten zwar, wir könnten gegen Ende der Reise noch eine Stunde aufholen. Aber sicher ist sicher.

Ich beschäftigte mich noch ein wenig mit AT&T (falsch gebuchte Datenpakete) und zum wiederholten Mal mit Hotels.com. Die gehen mir langsam auf den Sack. Ich habe immer noch keinen Status zu meinem Problem mit dem Hotel in New York. Die Mailserver von Expedia (hinter Hotels.com) blocken meinen Mailserver und die Problembearbeiter sind Bürokraten oder Vogonen :-(

Nach dem Scheiteltunnel erscheint der Donner Lake und danach beginnt der kurvenreiche Abstieg in das Sacramento Valley. Der Zug fährt hier, wie schon beim Aufstieg, mehrheitlich mit nur rund 40 Kilometer pro Stunde.

Donner Lake, California

Während der Zug wieder mit zunehmender Geschwindigkeit (maximal rund 130 Km/h) durch die Ebene fuhr, begann es schon bald einzudunkeln. Das Abendrot leuchtete sanft über den Hügeln vor dem Napa Valley.

Abendrot über California

Schon bald zuckelte der Zug in den Grossraum San Francisco ein. Ich hatte mich am Nachmittag noch schlau gemacht, wie ich von Emeryville nach San Bruno zum Hotel komme. Die Suchmaschine der Wahl empfahl mir, nicht in Emeryville auszusteigen, sondern kurz vorher in Richmond. Dort kommt man sehr einfach zu Fuss durch die Unterführung zur BART. 

Kurz nach 20 Uhr, mit ein wenig mehr als vier Stunden Verspätung trafen wir in Richmond ein. Vicky half mir mit meinem etwas schweren Koffer (da hat es ja vier grosse Dosen Bier drin ;-)) die Treppe runter und beim Aussteigen. Natürlich hatte ich ihr rechtzeitig angekündigt, dass ich in Richmond, anstelle Emeryville aussteigen werde. Schliesslich ist mir die Aufregung der Schlafwagenschaffnerin auf der Reise mit St. J. vom Dezember 2012 noch in Erinnerung. Da muss natürlich der Conductor vorher informiert werden ;-)

Ich drückte Vicky noch ein Trinkgeld in die Hand und wünschte ihr eine gute Reise bis zum Ende. Sie hatte ja eine kurze Nacht. Der California Zephyr fährt bereits am nächsten Tag um 9:10 Uhr wieder mit ihr zurück. Und sie muss natürlich zwei Stunden vorher wieder auf dem Zug sein.

Vicky hatte sich noch etwas abfällig über die BART bzw. die Fahrgäste geäussert. Ich war entsprechend doch etwas nervös auf dem dunklen Perron mit den vielen, eher etwas zwielichtigen Menschen. Aber der Bahnhof war mit einer Sicherheitsperson ausgestattet und ich beruhigte mich schnell. Die Fahrt dauert mit einem Umsteigen rund 80 Minuten. Dank St. J.s ClipperCard, welche ich am Automaten mal mit 20 $ fütterte, war das Ein- und Aussteigen kein Problem.

Um halb zehn Nachts stand ich endlich in meiner Suite im Staybridges in San Bruno. Die Suite besteht aus einem Badezimmer mit einem grossen Vorraum und Platz für Kleider/Koffer, dem Schlafzimmer, dem Wohnzimmer und einer Küche mit grossem Kühlschrank und Microwelle.

Panoramabild, klicken um zu vergrössern. Zeigt die Suite im Staybridges in San Bruno

Das Zimmer riecht etwas stark nach dem Teppichshampoo. Ich bestellte noch bei der Empfehlung der Reception eine Pizza, welche mich etwas überforderte. Der Rest landete deshalb im Kühlschrank. Das von Chicago her aufgesparte «Sparkling Mineral Water» sollte den Durst löschen. Es war aber von der langen Zugfahrt und den Höhenunterschieden etwas «geladen» und bescherte mir auch ein etwas nasses Pijama-Oberteilt. 

Egal, ich war froh, wieder mal ein Bett zu haben, das nicht schaukelt. Schön, am zweiten Etappenziel zu sein.

Urs | Samstag 08 September 2018 - 03:58 am | | default | Ein Kommentar
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USZeit 2018, How to catch the train

Wie ich im letzten Beitrag geschrieben habe, landete ich ja unerwartet in Newark und hatte einen frühen Flug von dort nach Chicago O'Hare, welcher bei rechtzeitigem Abflug bzw. Ankunft eine Chance hätte, mir die geplante Reise mit dem Zug zu ermöglichen.

Ich wachte früh auf, als das iPhone klingelte. Kurz in die Dusche und Zusammenpackennwar angesagt. Mein Magen war mit einer grossen Menge Nervosität gefüllt und als ich gegen 6:30 Uhr in der Reception ankam, stand da ein Shuttle zum Flughafen bereit. Da das nächste Shuttle wäre wohl erst in einer halben Stunde gegangen wäre, liess ich das Frühstück sausen und stieg ein.

Auf dem Weg zum Newark Parking P4, von wo der Airtrain fährt, ging gerade die frühe Sonne über dem fernen Manhatten auf. Trotz Nervosität eine tolle Stimmung. Leider liessen sich in dem schlecht gefederten Shuttle mit den üblichen, traurigen Zuständen der Autobahnen keine gescheiten Bilder machen.

Der Airtrain in Newark besteht aus mehreren, kleinen Wägelchen, die etwa Platz für knapp 10 Personen bieten. Er rumpelte relativ zügig zu den Terminals. Am dritten, dem Terminal A, stieg ich aus und ging zum Checkin. 

Sorry für das Hochkant-Video. Es musste schnell und einhändig gehen :-)

Newark ist deutlich kleiner und auch ein wenig gemütlicher. Ich wartete rund fünf Minuten, bis ich zu einem Mitarbeiter vorrücken konnte. Der war sehr freundlich und da ich glücklicherweise auch die Quittung der Gepäckabfertigung vom Vortag noch hatte, konnte er nach ein paar Manipulationen den Computer überreden, eine neue Etikette auszuspucken, ohne dass ich erneut hätte bezahlen müssen.

Auf der Bordkarte stand ein kleines «TSA Pre», welches ich nicht mal bemerkte. Es bescherte mir einen beschleunigten Durchgang bei der Security. Weder Schuhe ausziehen, noch Computer aus dem Rucksack nehmen.

So war ich gegen sieben Uhr schon am Gate. Der Flug sollte erst um 09:15 abheben. Ich schlug die Zeit mit einem Mineralwasser und viel Autosuggestion (s'chunnt scho guet, s'chunt scho guet) tot. :-)

Frühe Morgensonne über der Skyline von Manhattan und dem Flughafen Newark

Das Boarding begann um 8:45 und verlief in Gruppen äusserst diszipliniert, was mich etwas verwunderte. Ich hatte einen Fensterplatz ohne Fenster, aber grad noch Platz für den Rucksack auf der Gepäckablage. Wir gondelten dann noch relativ lange am Boden herum, aber der Kapitän meinte, wir würden vorzeitig in O'Hare sein.

Der Flug ging recht schnell durch, so dass ich die beengten Sitzverhältnisse nur mit leichten Rückenschmerzen überstand. Es gab sogar ein Getränk und ein Guetzli. Dass das Unterhaltungsprogramm mässig war, übertünchte ein kleines Mädchen, das zwei Reihen weiter vorne herumturnte, allen Leuten einen guten Tag wünschte und auch sonst ein Wirbelwind war.

Tatsächlich erreichten wir Chicago bereits um 10:30 Uhr Ortszeit, somit eine halbe Stunde zu früh. Und wir erhielten sogar ein freies Gate. Ich ging zu den Gepäckbändern, wo ich die junge rothaarige Frau, welche ich am Vorabend im JFK schon am selben Schalter gesehen und mit ihr gesprochen hatte, wieder traf. Wir gratulierten uns beidseitig, dass wir es geschafft hatten. :-)

Kurz nach 11 Uhr kam mein Koffer auf dem Rollband und ich ging damit schnurstracks zum gut signalisierten und mir bekannten Bahnhof der CTA. Der Ticketkauf ist recht einfach, auch wenn die Automaten immer lange Warteschlangen haben. Fünf Dollar leichter eilte ich zum Bahnsteig, wo ein Zug der «Blue Line» in die Stadt schon bereitstand.

Allerdings waren die meisten Türen verschlossen, zudem war es in der Station brütend heiss/schwül. Ich schälte mich so schnell als möglich aus dem Jacket. Dann kamen Mechaniker und öffneten die Türen mit einem Überbrückungsschlüssel von Hand. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, ob der Zug so wirklich abfahren werde.

Ich setzte mich neben einen Penner, der den Zug wohl als Nachtlager erkoren hatte und konnte meinen Koffer hinter mir irgendwie fixieren. Der Zug füllte sich bald und rund fünf Minuten später setzte er sich in Bewegung. Worauf die Koffer meines Sitznachbarn sich ebenfalls in Bewegung setzten und beinahe ein paar Leute überfuhren.

Wir kamen dann ins Gespräch – eben etwas, das ich hier liebe, wie einfach das geht – und er stellte sich als Victor vor. Sah aus wie ein Italiener, war aber irisch-polnischer Abstammung. Er erzählte mir viel über Chicago, was sich manchmal als etwas herausfordernd herausstellte, weil der Krach im Zug zuweilen sehr stark ist.

Irgendwann blieb der Zug dann tatsächlich auch noch ruckartig stehen und der Geruch machte ihn und ein paar Leute ziemlich nervös. Als Bahnprofi kann man da natürlich beruhigend erklären, dass das nur die Bremssohlen seien, die etwas warm geworden seien ;-)

Nach rund einer Stunde Fahrzeit kamen wir an der Station Clinton an. Ich hatte mir diesmal die Richtung gemerkt, in welcher ich oben auf der Clinton Street zur Union Station kommen sollte. Ich schaffte es, im Gewirr der Treppen und Ausgänge die Orientierung nicht zu verlieren. Fragte dann oben unterwegs zur Sicherheit doch nochmals einen hinter mir gehenden Mann. Er verkaufte eine Art «Surprise» für eine Kirche, also spendete ich ihm nach etwas Zögern zwei Dollar.

Ich war dann froh, der mittäglichen Hitze (rund 29°C) von Chicago über die klimatisierte Union Station zu entkommen. 

Chicago Union Station, Schild über dem Eingang

Ich ging mir im Essen-Stockwerk zwei Sandwiches und ein Getränk jagen, kehrte dann zurück zur Amtrak Lounge. Als ich dort eintraf, wurde ich darauf hingewiesen, dass ich Anrecht auf die Metropolitan Lounge hätte, welche weiter oben in der Nähe der Haupthalle läge. Stephan, das hätten wir wohl letztes Mal auch gekonnt! ;-)

Dort war gerade ein wenig ein Puff, da noch eine ganze Gruppe, welche einen Schlafwagen alleine füllte, unterwegs war. Als ich der gestreng blickenden Angestellten mein Ticket zeigen durfte, erhielt ich Einlass und dort hatte es nicht nur genügend Platz, sondern auch überall Steckdosen, ein kleines Salat- und Getränkebuffet. Ich erspähte auch noch eine kleine Bar und liess mir grosse Dose «Anti Hero IPA» von Revolution Brewing aushändigen. Das war dann natürlich nicht mehr kostenlos.

So konnte ich langsam etwas herunterkühlen und meine Nerven streicheln. Was konnte nun noch schief gehen? 

Natürlich nichts mehr. Um 13:30 begann das Boarding und schon bald sass ich in meinem Abteil Nummer 004 im Wagen 533 des California Zephyr.

Blick auf den Lounge Car und den hinteren Teil des California Zephyr von Amtrak in der Union Station of Chicago

Die alte Bahnhofhalle der Union Station wird seit Jahren saniert, die kommen da nicht vorwärts. Die Abfahrtshalle der Züge selber ist grad gar nichts Schönes. Dunkel, muffig, laut und man möchte gar nicht über den Zustand der Betondecke nachdenken.

Vicky, die Schlafwagenschaffnerin begrüsste mich und wollte mir ein paar Erklärungen abgeben. Nun, das musste sie nicht, ich bin ja fast schon ein Profi im Schlafwagenfahren bei Amtrak.

Als «alter Isebähndler» konnte ich mir natürlich den Blick auf die Uhr nicht verkneifen. Fuhren die doch tatsächlich 45 Sekunden vorzeitig ab! ;-)

Wolkenhimmel über Chicagos Union Station

So machte der Wolkenhimmel weniger Angst, als am Vorabend, wo offenbar ein ziemlich heftiges Gewitter die Zufahrtsstrassen zum Flughafen überschwemmten und auch im Terminal 5 Schäden anrichtete.

Im Verlaufe des Nachmittags wollte der California Zephyr aber nicht so richtig Fahrt aufnehmen. Immer wieder hielten wir für längere Zeit an oder fuhren nur im Schritt. Ich dachte erst, das läge an Bauarbeiten, aber offenbar hatten die Dispatcher mal wieder die Güterzüge bevorzugt behandelt. Da die Gleise ja auch nicht Amtrak gehören, ist das die Konsequenz.

Um 18:30 Uhr überquerten wir den Mississippi bei Burlington, an der Staatengrenze von Illinois zu Iowa.

Überquerung des Mississippi River bei Burlington

Beim Nachtessen war es ein wenig schwierig. Ich wurde neben einen ebenfalls nicht so schlanken Mann gesetzt, der seinen linken Arm noch in einer Schlinge hatte. So hatte ich meinen Hintern zur Hälfte noch auf dem zum Glück breiten Gang. Die zwei anderen «Mit-Esserinnen» waren sehr nett. Die eine Dame war schon über achtzig Jahre alt und fuhr häufig mit dem Zug. Das Gespräch war im lauten Speisewagen aber etwas schwer zu führen.

Und schon bald war ich wieder zurück in meinem Abteil, welches ich von Vicky in die Nachtstellung bringen liess. Ich geniesse die Privatspähre, wenn der Vorhang gezogen und die Türe geschlossen ist. Die Länge ist für mich absolut in Ordnung. Der Koffer hat Platz im Abteil und der Rucksack geht dann ans Fussende. Man liegt längs zur Fahrtrichtung und ich lasse jeweils beim Kopfteil den Vorhang nach aussen offen. So kann man noch ein wenig nach draussen linsen. Viel Licht hat es ja selten, da die Fahrt über das weite, ebene Land geht.

Abteil «Roomette» im Schlafwagen des California Zephyr

Alle paar Minuten ertönt das «Tuut» der Lokomotive, welche vor jedem Bahnübergang Signal geben muss. Die Doppelstockwagen schaukeln, manchmal heftiger, manchmal weniger und so falle ich in den seligen Schlaf nach diesen etwas stressigen Tagen der Anreise.

Urs | Donnerstag 06 September 2018 - 7:32 pm | | default | Zwei Kommentare
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USZeit 2018, New York und ziemlich viel Hektik

Im vorherigen Beitrag habe ich ja geschildert, dass meine Einreise einerseits sehr einfach war, aber dann im Hotel die vorausbezahlte Reservation nicht klappte. Ob das ein Omen war? Wir sehen es weiter unten.

Die erste Nacht nach einem Flug in die USA läuft bei mir meist gut. Von der Hinreise inkl. Zeitverschiebung bin ich meist sehr müde, so dass ich früh ins Bett gehe und dann recht lange schlafe.

Sonntag

Ich wachte mit ein wenig Kopfschmerzen auf und ging dann erst mal in die Dusche. Das Ding war erstaunlich einfach und modern zu bedienen. Hierzulande weiss man ja nie, welche Hebel und Knöpfe man bedienen muss, um nicht umgehend mit einem eiskalten Aufguss belohnt zu werden.

Ich verzichtete auf das Frühstück im Hotel, ich hatte noch keinen Hunger nach all dem Essen des Vortags. Daher hüpfte ich in einen der Hotel-Shuttle und fuhr damit bis zum Flughafen zum Federal Circle. Dort nahm ich den Airtrain zur Jamaica-Station und stieg auf die U-Bahn E um. Mit der fuhr ich bis ganz runter nach Manhatten. Die Fahrt dauerte dabei mehr als eine Stunde. Leider erst zu spät erfuhr ich via Twitter, dass man eigentlich gratis WLAN hätte.

Aussicht über den JFK von der Airtrain Station Federal Circle

Ich landete in der 6. Avenue, welche abgesperrt war, da irgend ein Strassenfest stattfand. Viele Leute waren unterwegs. Es gab einige Essensstände, wobei ich etwas Hemmungen hatte, mich da zu verköstigen. Mit einem Mango-Ananas-Smoothie (ohne Zucker, ohne künstliche Zusatzstoffe!) schlenderte ich ein wenig durch die Stände, welche jedoch durchaus etwas kommerziell aussahen.

Die Polizei beim Einkauf von Sonnenbrillen
Blick über die sechste Avenue in Manhatten mit den bunten Ständen des Strassenfests

Jede Strassenkreuzung war mit einer Absperrung versehen und Polizisten standen entspannt zur Verkehrsregelung bereit. Sie hatten so kleine Polizei-Autos, welche ein wenig wie Smarts aussahen. Auch das New York Fire Department machte seine Aufwartung.

Feuerwehr-Auto an einer Strassenkreuzung

Als ich beinahe oben beim Central Park war, sah ich an einer Kreuzung ein kleines Café, welches guten Espresso versprach. Und dem war so, zu einem Bagel mit Schinken und Ei, genoss ich einen erstklassigen Doppio.

Na, riecht Ihr ihn, den feinen doppelten Espresso?

Anschliessend machte ich mich auf, zum Good Beer an der 422 E 9th St. Ich lief etwa zweimal daran vorbei, da der Laden ganz leicht zurückversetzt war (und sehr schmal). Th. R. hatte mir bei seinem letzten Besuch von dort sehr gute Biere mitgebracht. Ich genoss zwei Gläser und kaufte noch vier Büchen sein. Damit machte ich mich auf den Rückweg zum Hotel.

Ich ass im Marriott, nur wenige hundert Meter entfernt einen, mit viel zu viel Rucola bedeckten, Salat und danach Spare Ribs. Danach ging es in die Heia.

Montag

Den Montag verbrachte ich damit, meinen Blog auf Vordermann zu bringen. Ich packte meinen Koffer und legte viel Augenmerk auf eine solide Verpackung für die Biere. Passen zB hervorragend in Schuhe ;-)

Gegen 13:30 Uhr machte ich mich wiederum mit dem Hotelshuttle auf zum Flughafen. Ich überlegte, ob ich das sogenannte «Curbside Baggage-Drop» nutzen wolle, aber irgendwie schien mir das nicht ganz koscher. Schliesslich wollte ich nicht, dass mein Gepäck verloren geht.

Also ging ich rein und zu einem der Selbstbedienungsautomaten. Das klappte soweit ganz gut, bis meine Kreditkarten ins Spiel kamen. Ich flog ja «nur» Economy und musste deshalb für das Checkin des Koffers 25 Dollar löhnen. Meine Karten wurden aber nicht akzeptiert. Stattdessen spuckte der Automat einen Zettel aus und verwies mit an den Schalter. 

Dort stand ich erst mal rund dreissig Minuten an. Danach erklärte mir ein sehr netter Herr, dass diese rückständigen US-Zahlterminal noch häufig Mühe mit Chipkarten hätten! Die Belastung war aber offenbar ok und er musste nur die Etikette drucken.

Die Security war dann etwas stark beschäftigt, es hatte mehrere Reisende mit Rollstühlen. Aber schlussendlich durfte ich durch den Nackscanner, musste danach noch kurz abgetastet werden (die Polar-Uhr hatte wohl angegeben) und durfte mich dann zum Terminal begeben.

Nachdem ich noch einen kleinen Lunch mit Bier genossen hatte, ging ich zum Gate. Dort wurde dann aber angezeigt, dass der Flug drei Stunden Verspätung habe. Nach kurzer Zeit gab es dann einen Gate-Wechsel. Dort wurden Sandwichs und Getränke gereicht. Aber nach rund dreissig Minuten brach plötzlich Unruhe aus.

Ich blickte auf! Auf dem Bildschirm über dem Gate leuchtete gross: «Fligh cancelled» (Flug gestrichen). Der Flughafen Chicago O'Hare hatte ein schlimmes Gewitter mit Überschwemmungen erwischt.

Anzeige in der American Airlines App

Wir rannten alle zu einem American Airlines-Schalter ein paar Gates nebenan. Während ich verzweifelt versuchte, über mein Handy einen anderen Flug zu reservieren, erhielt ich einen Update aus der American Airlines App. Ich sei auf einen Flug am Dienstagmorgen via Boston (!) umgebucht und wäre aber erst um 13 Uhr in Chicago. Dort sollte jedoch mein Zug um 14:00 Uhr an der Union Station losfahren.

Zum Glück funktionierte die Bucherei auf dem Handy mit den Kreditkartennummern, welche nicht gespeichert waren, nicht wirklich. Als ich dann nach mehr als einer halben Stunde vorne am Schalter war, konnte mich die Angestellte auf einen Flug von Newark nach Chicago umbuchen. Dieser Flug sollte Chicago um 11 Uhr erreichen, was zwar knapp, aber machbar schien.

Ich musste mein Gepäck am Förderband abholen und dann mit einem Shuttle nach Newark fahren. Die Fahrt dauerte rund eine Stunde (mit etlichen Staus). Das Shuttle war mit jedem Sitzplatz belegt und wenn es «bergauf» ging, schaltete die Klimaanlage/Lüftung aus. 

Ich hatte noch am JFK über meine App ein Hotelzimmer im Holiday Inn Airport Newark buchen können. Das in Chicago reservierte Hilton Palmer House hatte ich vorher schon via Chat (gäbig, ich hasse Telefone) über mein spätes Ankommen informiert. Als ich dann absagte, war ich gefasst, die Nacht trotzdem bezahlen zu müssen. Aber siehe da, das Hotel zeigte ausgezeichnete Kulanz! Werde ich mir merken :-)

Chat mit dem Palmer House Hilton in Chicago

In Newark hatte es gerade geregnet und es war furchtbar heiss und feucht draussen. Ich rief mit dem Kundentelefon einen Shuttle und war eine Viertelstunde später im Hotel. Beim Checkin gab es kurz Lämpe mit der American Express. Danke, Swisscard AECS, dass Ihr dauernd meine Karte sperrt wegen jedem Furz. Zum Glück habe ich noch zwei andere Karten und Bargeld.

Nach einem schnellen, aber feinen Bier (Gutscheine müssen eingelöst werden) an der Hotelbar, ging ich ins Zimmer. Dort verdrückte noch kurz mein Sandwich, welches ich vom JFK mitgenommen hatte und stellte den Wecker auf 05:30 Uhr für den Dienstag.

Ein Pint Gripah Grapefruit IPA von Cisco Brewers Inc

Ob es gereicht hat? Steht im nächsten Blogbeitrag… aber da es via Twitter ja schon öffentlich ist, ja, es hat! :-)

Urs | Mittwoch 05 September 2018 - 7:45 pm | | default | Kein Kommentar
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USZeit 2018, An- und Einreise

Vorbereitung

Die Vorbereitungsphase lief dieses mal noch schleppender. Zwar hatte ich früh begonnen, meinen Wäscheberg über das Bügelbrett zu verarbeiten (und bei dieser Gelegenheit auch noch recht viel entsorgt). Aber irgendwie kam keine Reisestimmung auf. 

Weshalb? Hmm, schöne Wanderungen in der CH? Wärme? Fortgeschrittene Altersreiseunlust? Ach egal.

Auf jeden Fall begann ich ab Donnerstag doch noch meinen Koffer mit Wäsche zu befüllen. Eine Teil davon (v.a. alte Unterwäsche und ausgetragene Hemden) werden dann in den USA verbleiben und Platz machen, damit ich vielleicht ein paar Mitbringsel einpacken kann.

Ich hatte zwar das Angebot, den grossen Rimova-Koffer von meinem guten Kollegen Th. R. als «Aussenschale» für meinen Koffer mitzunehmen und somit für die Rückreise zwei Koffer zu haben. Aber irgendwie schien es mir unpraktisch, da ich dann fast zu viel Platz hätte. Ich kaufe ja keine Kleider ein. Zudem – falls es klappt – soll mein Mietwagen ja ein «Convertible» sein und die haben eh etwas begrenzten Platz im Kofferraum.

Neben einem Besuch beim Optiker (schmerzhaft in CHF, da schon wieder neue Gläser nach 2017) immerhin mit mehr Durchblick beschenkt, liess ich dann den Freitag gemütlich angehen. Am frühen Nachmittag ging ich erst zum Messerschmied Klötzli in Bern, um mein teures und schönes Brotmesser in den Schleifservice zu bringen. Danach besuchte ich den Electras Laden am Amtshausgässchen und deponierte da meine heiss geliebte Quickmill für einen Service. Danach schlich ich mich doch noch zum Fitness und machte ein dreiviertelstündiges Krafttraining. Dann notierte ich mir noch alle Einstellungen der Maschinen. Etliche Hotels in den Staaten, welche ich besuche, haben ja auch Trainingsräume. Eine billige Entschuldigung weniger, nicht mal dorthin zu gehen ;-)

Ich suchte nach ein wenig Zögern auch noch meine viel zu selten gebrauchte Spiegelreflexkamera hervor und lud alle Akkus. So füllte sich der Koffer mit Kleidern und Schuhen, der Rucksack mit elektronischen Gadgets und Kabeln. In der Umhängetasche habe ich die Reiseunterlagen und Lesestoff inkl. Akkupack/Kopfhörer.

Mein Reisegepäck, Koffer, Rucksack und Umhängetasche

Die Flüge habe ich mir diesmal mit gesammelten Meilen und Punkten bezahlt. Vielleicht etwas teuer, aber eine mir sehr nahestehende Person hat mich mal gescholten, dass ich mir nicht zu viele Sachen aufsparen solle. Man wisse ja nie, wann man abzutreten hätte.

Also fand der Hinflug dieses Mal mit der Swiss statt. Für mich sozusagen eine Première, da ich selbst gewählt wohl noch nie mit denen geflogen bin. Der Vorteil: Abflug am Samstag erst um 12:55 Uhr. So konnte ich noch einigermassen vernünftig ausschlafen und mich in aller Ruhe kurz vor neun Uhr auf den Bus zum Bahnhof Bern begeben.

Boarding-Pass und Gepäcketikette hatte ich ja zu Hause schon gedruckt, also ging ich am Checkin 3 vorbei, da es dort viel zu viele Leute hatte. Im Checkin 1 konnte ich nach drei Minuten vorrücken. Der junge Herr versah meinen Koffer mit meiner Etikette, prüfte kurz die Unterlagen und schon war ich unterwegs zur Security. Aber halt! Hatte nicht Kollege Th. R. gesagt, er käme noch an den Flughafen, da Tag der offenen Türe sei? 

Fünfzehn Minuten später sassen wir bei einem feinen doppelten Espresso. Er war auch voller Vorfreude, reist er mir doch kurze Zeit später hinterher in die Staaten und wir treffen uns an der Westküste für eine kurze Zeit.

Doppelter Espresso am Flughafen Zürich

Danach verabschiedete ich mich. Die Security war unproblematisch. Die Passkontrolle dauerte aber ziemlich, da die Halle voll war und diese Vollautomaten auch nicht wirklich schneller als Menschen sind.

Danach ging es mit dem Zügli (Muh, Jolidu und so) ins Terminal E, wo ich noch kurz in der Lounge war.

Flug

Bald ging ich zum Gate 18, wo das Boarding gerade begann. Ich war so einer der Ersten an Bord des A330 mit dem Namen «Fribourg» und konnte mich in Ruhe einrichten. Ich hatte mir beim Online-Checkin am Vortag noch den Platz 7K, anstelle 12K, reservieren können und sass somit vor dem Flügel. Allerdings auch in der zweiten Reihe, d.h. nur eine Reihe hinter dem Ehepaar mit dem Baby!

Platz 7K in der Businessclass der Swiss im A330

Wir blieben dann noch etwas am Gate und auf dem Rollfeld stehen, da es Rush-Hour oder so war. Kurze Zeit hatten wir noch Angst, dass wir wegen der anstehenden Flugshow der Patrouille Suisse noch länger stehen bleiben könnten, aber so gegen 13:45 Uhr ging es doch noch los.

Nach dem Start begann auch mein iPhone an der eingebauten Steckdose zu laden. Ich kaufte mir für ein paar Franken noch ein WLAN-Angebot, um während der Reise noch ein wenig twittern zu können.

Für die Geeks, hier noch ein kurzes Video kurz nach dem Start.

Ich wechselte dann bei der Kommunikation mit dem Flight Attendant auf Hochdeutsch, da er der hiesigen Dialekte nicht so mächtig schien. Er war jedoch sehr freundlich, verstand auch ein wenig Humor und ich konnte sonst nicht klagen. Die Bewirtung war ausgezeichnet (ich dokumentiere hier nicht alles bildlich) und Sitz-/Schlafkomfort, wie auch das Filmangebot waren tadellos.

Vorspeise auf dem Flug, Rindscarpacio mit Salat

Die Zeit verging wie im Flug, ach nein, der ist platt! Aber die Zeit ging schnell vorbei. Das Baby brüllte nicht laut, sie plapperte eher in Babysprache und die Mutter, wie auch der Vater gaben sich wirklich Mühe und beschäftigten die Kleine recht gut. Allerdings habe ich den Verdacht, dass die ersten Worte der Kleinen «Schschsch!» sein könnten.

Die Landung war etwas hart, mir schien, der Pilot hätte nochmals kurz etwas Schub geben müssen, um nicht zu früh aufzukommen. Danach stieg er dafür zünftig in die Eisen. Egal, alles gut und das Taxiing zum Gate ging auch rasch von statten. 

Einreise

Nach dem Aussteigen war es ein rund zehnminütiger Fussmarsch. Laufbänder meide ich, wenn ich Zeit habe, man ist ja genügend lang gesessen. Dann kam eine gute Signalisation für die Einreise aufgeteilt in, Diplomaten, Crew, Einwohner (inkl. Ureinwohner) und andere mit Visa oder ESTA. Ich folgte dem Weg «E». Liess mich dann kurz von einer Angestellten aufklären, was «First Entry» bedeutet (First im selben Jahr oder First ever?) und stand wenige Minuten nachher an so einem Selbstbedienungs-Einreiseterminal.

Da ich das schon mal in Seattle hatte, wusste ich, dass ich den Pass ganz auffalten und stark hineindrücken musste. Die Touchscreen-Bedienung war leidlich kalibriert, so dass ich die Tasten einigermassen traf. Beim Foto checkte ich erst nicht, dass man die Kamera per Tastendruck schwenken kann und linste deshalb erst gebeugt etwas doof in die Kamera. Auf jeden Fall klappte alles, man kann sogar das Zollformular hier ausfüllen und braucht das im Flugzeug abgegebene Papierformular nicht mehr.

Danach konnte ich zu einem Einreisebeamten, der mich nuschelnd etwas fragte. Ich dachte, er frage wohl, wie lange ich bleibe. Deshalb gab ich mal eine Antwort in Wochen und er schien zufrieden. Das war es auch schon. 

Und beim Rollband angekommen, kam mein Koffer bereits als erster um die Ecke. So war ich fünfundzwanzig Minuten nach der Landung auf der Rollbahn bereits mit meinem Koffer unterwegs zum Airtrain.

Mein Koffer auf dem Gepäckrollband am Flughafen JFK in New York

Eigentlich fast zu schnell, denn als ich kurz mein Handy checkte, sah ich eine Nachricht von Kollege Remo, welcher seit einigen Jahren in New York lebt und am Flughafen bei Lufthansa arbeitet. Eigentlich hatten wir uns am Sonntag treffen wollen, aber eine unwillige Agenda und das Labor-Day-Weekend kamen dazwischen.

Er konnte mich gerade noch einholen und begleitete mich dann mit dem Airtrain bis zur Station «Federal Circle». Dort fahren eigentlich regelmässig Shuttles zu den Hotels. Da gerade längere Zeit keines kam, versuchte sich Remo als mein Telefon-Agent und kämpfte mit den Gratis-Telefonen in der Station.

Bevor dann ein Shuttle-Bus kam, hatten wir noch ein wenig die Gelegenheit zu plaudern. Ich muss mir mal wirklich eine Woche Zeit für New York nehmen und seine Frau Yvonne kennenlernen!

Im Hotel Crown Plaza, Jamaica, war es dann etwas weniger lustig. Irgendwie hatte sich da etwas mit der Buchung bei Hotels.com verheddert. Man fand meine vorbezahlte Reservation nicht. Nach ungefähr einer Dreiviertelstunde Abklärungen und Diskussionen hatte ich dann ein Zimmer, welches mich aber nochmals 600 Dollar kostete. Ich gehe mal davon aus, dass sich das Regeln lässt und die weiteren, über diesen Service gebuchten Hotels dann klappen.

Das Hotel Crown Plaza in Jamaica/New York

Ich gönnte mir noch ein Bier (geschenkt von der Reception für die «inconvenience») und einen Willkommensburger, bevor ich mich früh zur Ruhe begab. Also ungefähr Ruhe, denn das Hotelzimmer liegt genau zum «Belt Parkway» einer vielbefahrenen Schnellstrasse.

Urs | Montag 03 September 2018 - 5:34 pm | | default | Ein Kommentar
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Auszeit!

Auszeit, die, auch Sabbatical, das

Nun arbeitet der Ursli ja schon ein ganzes Weilchen beim gleichen Arbeitgeber. Der hat sich in der Zeit, seit dem ich damals im Jahr und Monat, in welchem der Ayatolla Chomeini die islamische Republik Iran ausrief, meine Lehrstelle antrat, doch weidlich verändert.

War ich zu Anfang noch ein «Beamter» (mit zB Wohnsitzpflicht am Arbeitsort oder Verbot, in einem Betrieb mit Alkoholausschank zu arbeiten), so wurde das noch kurz vor dem Ende des zwanzigsten Jahrhundert zu einem «Angestellten» mit einem regulären Arbeitsvertrag. Auch die Arbeitsformen, von der «Einteilung» mit verpflichtenden Anfangs-, Pausen- und Endzeiten über die Stempeluhr zur Selbstnotierung im Excel wandelten sich. Und per Ende 2009 wurde mir mitgeteilt, dass mein neuer Job auf den 1.1.2010 grundsätzlich den Verzicht auf die Arbeitszeitnotierung beinhalte.

Erst war ich ein wenig nervös. Es kam mir einerseits befreiend vor, andererseits war ich mir bewusst, dass ich früher Zeiten erlebt hatte, in welchen ich täglich zwölf bis vierzehn Stunden arbeitete. Gut, um die Plusstunden abzubauen, hatte ich damals einfach irgendwann begonnen, um 16 Uhr auszustempeln und trotzdem weiterzuarbeiten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Anfänglich schrieb ich mir meine Arbeitszeiten noch auf und kontrollierte mich so ein wenig, aber irgendwie stimmte das Paket Leistungen des Arbeitgebers vs. meine Zeit/Arbeit für mich schon.

Nun hat mein Arbeitgeber die Regelung, dass mit dem heute – nach einem Bundesgerichtsurteil wegen dem Bankenplatz Zürich – freiwilligen Verzicht auf die Zeitaufschreibung in meiner Funktionsstufe nach sieben Jahren eine Auszeit gewährt wird. Das wäre bei mir auf den 1.1.2017 möglich gewesen. Da wir dann gerade (mal wieder) in einer Reorganisation steckten, schob ich die Auszeit um das eine maximal mögliche Jahr auf 2018.

Also legte ich damals im Herbst 2017 meinem Vorgesetzten dieses schöne Formular hin und wünschte mir August und September 2018 als Auszeit, was mir dankenswerterweise gewährt wurde.

Zuletzt so lange weg an einem Stück, war ich 1993 (7 Wochen) und 1994 (8 Wochen). Einmal mit erarbeiteter Pluszeit und einmal mit drei oder vier Wochen unbezahltem Urlaub.

Was plante ich nicht alles in der Auszeit zu tun?

Die Bäcker-Idee

Erst wollte ich meinem Hobby, dem Backen von Brot, frönen. Die Idee war, mich bei einer Bäckerei zu erkundigen, ob ich als «Anzulernender» unterkomme. Natürlich sollte es eine Bäckerei sein, die selber Brotteige herstellt. Keine Konditorei, da mir das filigrane Arbeiten wohl nicht so gelingt.

Aber ich wollte dabei auch keiner jungen Person eine Lehrstelle oder ein Praktikum wegnehmen. Zudem hatte ich auch ein wenig Angst, dass ich die körperliche Arbeit nicht genügend schaffe. Ich wollte ja nicht im Weg herumstehen. Also trat das Thema irgendwann in den Hintergrund.

Das Wandern ist des Müller Lust

Etwas mit und für den Körper tun, das wäre doch was für den Phlegmatiker, zu dem ich geworden bin (doch, doch, ich hatte durchaus eine sportliche Jugend).

Erste Idee, mit einer Reise verbinden! Wer kennt nicht «A Walk in the Woods» (Deutsch: Picknick mit Bären) von Bill Bryson? Wäre ja passend… Aber dann brachte mich Kollege Th. R. auf die Idee, das doch mit der Westküste in Verbindung zu bringen. Also wäre anstelle des Appalachian Trail eher der Pacific Crest Trail (PCT) gefragt.

Ich begann zu recherchieren und wurde erst mutig, dann eher etwas unsicher. Der PCT ist sehr abgelegen und ein grosser Teil des Weges ist sehr hoch gelegen (Sierra Nevada). Man muss also nicht nur das Essen mitschleppen, sondern sich auch sehr gut mit dem Wasser einteilen. Weiterhin muss man sich auch sehr gut um die (ökologisch korrekte) Entsorgung seiner eigenen Hinterlassenschaft kümmern.

Als mir dann der langjährige Kollege und Reisebegleiter H. L. sagte, ich sei ein «dummer, alter Mann, der dann irgendwo von einem Hoger runterfalle» (ungefähr, einigermassen sinngemäss zitiert), war ich erst beleidigt und dann ernüchtert. Wo er recht hat, hat er recht.

Also beschloss ich, die Auszeit zu teilen. Teil 1 sollte Wandern am Rhein (Rheinsteig Wiesbaden bis Bonn) sein, Teil 2 sollte mich in die Staaten führen, wo ich schon länger nicht mehr war.

Was daraus wurde

Ich hatte spät, aber doch noch begonnnen, regelmässig (zweimal wöchentlich) ins Fitness zu gehen. Kombiniert mit einer sonntäglichen Wanderung, sollte das meine Muskulatur aufbauen und meine Ausdauer fördern. Wer dies liest, kennt mich vermutlich und weiss, dass ich keine Traummasse habe (ausser vielleicht die Höhe).

Die Wanderungen zeigten mir rasch, dass ich zwar einigermassen weit gradaus komme, in Steigungen aber regelmässig einbrach. Es wurde zwar von Woche zu Woche etwas besser. Aber die Sommerhitze machte mir echt zu schaffen. Am 1. Juli versuchte ich die Strecke Melchsee-Frutt – Tannalp – Schaftal – Jochpass zu erwandern. Die Muskulatur machte mit und ich hatte auch auf den schmalen Wegen im steilen Gelände nie Angst. Aber der Aufstieg im Schaftal mit rund 240 Höhenmetern auf 2'100 Metern über Meer startend, dazu noch in der Mittagshitze, brachte mich an die Grenzen. Ich schaffte es zwar, brauchte aber auf diesem Abschnitt fast die doppelte Zeit.

Als dann die Auszeit heranrückte, nutzte ich den ersten Sonntag für einen Ausflug nach Pontresina, um der Hitze zu entkommen. Allerdings schlief ich nicht sehr gut und erwachte erkältet. Aus der Wanderung auf die Segantini-Hütte verzichtete ich und machte auf Anraten von Marc A., einem sehr wanderkundigen Menschen, nur eine Flach-Tour bis zur Alp Languard. 

Danach kränkelte ich etwas mehr als eine Woche an der Erkältung und einem fiesen Husten herum. Da es anschliessend auch immer noch so heiss war, strich ich den Rheinsteig auch gleich von der Liste.

Trotzdem ging ich jede Woche auf drei Wanderungen, teilweise alleine, teilweise in Begleitung. Und dazwischen auch noch ein wenig ins Fitness. Die übrigen Tage nutzte ich, wie es gerade kam. Ging mal zum Optiker, kaufte endlich mal einen neuen Toaster und vieles mehr.

Den geschäftlichen Mail-Account löschte ich übrigens beim Start der Auszeit von iPhone und iPad. Ich konnte relativ gut abschalten, auch wenn ich meinen Kollege Hämpu manchmal etwas bedaure. Er wird sich nächstes Jahr revanchieren können!

Und der Rest der Auszeit?

Nun, der zweite Teil meiner Auszeit führt mich mal wieder in die USA. Ich war zwar von den damaligen Wahlen im 2016 enorm enttäuscht und hatte mir geschworen, nun längere Zeit nicht mehr in dieses Land zu reisen. Aber nach zwei Jahren konnte ich nicht anders. Ich musste mal wieder in mein geliebtes Pismo Beach und ins Kon Tiki Inn.

Aber das findet sich dann in Form eines Reisetagebuches in weiteren Artikeln auf diese Blog!

Urs | Montag 03 September 2018 - 02:04 am | | default | Sechs Kommentare

Das Wandern ist (manchmal) des Müllers Lust

Irgendwann im Frühling beschloss ich, diesen Sommer wieder mal etwas mehr Bewegung in mein Leben zu bringen.

Ich war in meiner Jugend zwar auch eine Leseratte, aber immerhin spielte ich bis zum ersten Jahr B-Junioren auch (ziemlich erfolglos) Fussball im FC Turgi. Aber dann kam eine erst steile, dann langsamere Sinkkurve in mein Bewegungsmuster. Im selben Verhältnis stieg mein Körpergewicht.

Es gab zwar das knappe Jahrzehnt, bis vor wenigen Jahren, in welchem ich regelmässig mit meiner Schwester und ihrer Familie im Herbst eine Woche wandern ging, aber das endete auch vor etwa drei Jahren. Meist war ich mittel bis schlecht vorbereitet.

Dieses Mal wollte ich es etwas besser machen. Spät, erst im April meldete ich mich mal wieder bei einem Fitness-Studio an und begann zweimal wöchentlich zu trainieren.

Am 1. Juli hatte ich die verwegene Idee, in Kindheitserinnerungen zu schwelgen, wo wir jeweils zwei bis drei Wochen auf der Tannalp in den Ferien waren. Also fuhr ich mit dem ersten Zug via Luzern nach Sarnen, stieg dort ins Postauto und nahm die erste Gondel von der Stöckalp zur Melchsee-Frutt. Dort startete ich meine Wanderung entlang der Strasse bis zur Tannalp. 

Panoramabild über dem Tannensee mit Graustock, Titlis, Reissend Nollen, Wendenstöcke, Mähren und so weiter

Auf der Tannalp, bei der alten Käserei, wo wir als Kinder jeweils logierten, machte ich kurz Rast, trank ein wenig und ass ein paar Früchte. Nach rund zwanzig Minuten startete ich auf die Bergstrecke via Schaftal zum Jochpass.

Für die Strecke, welche gemäss Karte rund 6 Kilometer mit rund 450 Höhenmetern umfasst, wird rund 2:15 Stunden angegeben. Ich benötigte jedoch etwas mehr als vier Stunden. Insbesondere die Steigung beim Schaftal brachte mich fast um. Ich hatte wohl zu wenig getrunken, zudem machte mir die Hitze und die dünne Höhenluft zu schaffen.

Panorama über dem Engstlensee, in der Bildmitte die Wendestöcke

Ich war froh, dass meine Muskeln mitmachten und ich mit den Wanderstöcken auch immer genügend Halt hatte. So erreichte ich schlussendlich den Jochpass und liess mich mit dem Sessellift nach unten tragen.

Nachdem ich fleissig weiter trainierte, wollte ich es kurzfristig am 5. August nochmals wissen. Ich fuhr nach Pontresina und plante am Montag dann eine Wanderung unternehmen. Jedoch schlief ich ziemlich schlecht (Höhenluft?) und wachte mit Halsschmerzen (Schnarchen?) auf. Also gab es nur eine kurze Höhenwanderung von Muottas Muragl zur Alp Languard mit fast keinem Höhenunterschied (rund 190 Meter).

Panoramabild aufgenommen auf der Bergstation der Standseilbahn Muottas Muragl

Die Erkältung mit mühsamem Husten hatte mich dann doch ziemlich im Griff, toll bei der aktuellen Sommerhitze.

Als es langsam besser wurde, raffte ich mich nochmals auf. Ich wollte mich nicht unter Druck setzen und hatte mir mehrere Varianten zurechtgelegt, um je nach persönlichem Befinden die beste Route wählen zu können.

Also stellte ich vorgestern den Wecker auf 4:50 Uhr. Der Rucksack wurde nur mit 3.5 Liter Wasser, der Regenjacke sowie den Stöcken bepackt. Als ich gestern, am Donnerstag, nach kurzer Nacht aufwachte, fühlte ich mich relativ fit. Der Husten war weitgehend abgeklungen und die Nase war einigermassen frei.

Also stieg ich in den ersten Zug nach Luzern und dort dann nach Engelberg. Kurz nach 8 Uhr morgens hatte ich ein Ticket hoch zum Trüebsee gekauft und wartete mit rund 20-30 anderen Leuten darauf, dass die Bahn öffnete. So rund 8:25 Uhr brachte mich eine der ersten Gondeln hoch. Um 8:40 Uhr stand ich schon am Trüebsee und konnte die Spiegelung auf der glatten Oberfläche des Sees bewundern.

Spiegelungen auf dem Trüebsee. Im Hintergrund der Graustock (2'662m)

Nachdem ich das erste Hindernis, welches mir schon die Sonnencreme von den Armen lecken wollte, überwunden hatte, ging es mit dem Aufstieg vom rund 1'780 Metern über Meer gelegenen Trüebsee los.

Rind auf dem Weg versperrt den Durchgang

Ich hatte mir vorgenommen, die Steigung langsam anzugehen, häufiger zu pausieren und vor allem häufiger zu trinken. Die Sonne brannte schon um 9 Uhr kräftig nieder, aber es ging ein nettes Lüftchen. Ganz selten hatte es ein wenig Schatten, wo es sofort recht kühl war.

Knapp eine Dreiviertelstunde später, hatte ich rund 200 Höhenmeter überwunden, den ersten Liter Wasser wieder eingefüllt und genoss die Rundsicht. 

Blick über den Trüebsee

Ich nahm weiter Schritt um Schritt und liess unterwegs einige Leute passieren. Jüngere, aber auch ältere ;-)

Nach insgesamt rund 2 Stunden Aufstieg erreichte ich den auf 2'207 Metern über Meer gelegenen Jochpass. Ich setzte mich auf die Terrasse des Restaurant in den Schatten, wo es mir aber schnell zu kühl wurde. Mit dem (langsam wieder trocknenden) Rücken zur Sonne genoss ich einen doppelten Espresso und den von der Serviererin empfohlenen, reichhaltigen Aprikosenkuchen «mit Nydlä».

Aprikosenkuchen mit Schlagrahm und Früchten

Nach rund 40 Minuten machte ich mich startklar für die Bergstrecke zur Tannalp, sprich ich nahm die Wanderstöcke aus dem Rucksack. Die Strecke steigt anfänglich leicht an, bis man auf 2'323 Metern über Meer den höchsten Punkt erreicht. Auf dem Weg hinauf, musste ich ziemlich vielen Rindern ausweichen, welche den Weg blockierten. Und natürlich wollte mich jedes ablecken. Da ich nicht weiss, wie gesund meine Sonnencrème ist, liess ich die Viecher nicht an mich heran ;-)

Blick über den Engstlensee

Im Vergleich zum 1. Juli sieht man deutlich, dass der heisse Sommer die Schneedecke schmelzen lässt. Die Bergkette im Hintergrund gehört zu den Berner Alpen (Wellhorn/Wetterhorn, sicher bin ich aber nicht).

Danach geht es das Schaftal hinunter auf 2'100m, steigt nochmals leicht an und führt leicht sinkend bis auf die Tannalp auf 1'974 Meter. Die letzten dreissig Minuten der rund dreistündigen Etappe spürte ich zunehmend Kohldampf. Ich hatte ja nur ein wenig (unberührt bleibende) Schokolade dabei.

Zum Glück hatte das Bergrestaurant Tannalp offen und es gab nach 14 Uhr noch warme Küche. Die Gemüsecremesuppe leerte ich fast in einem Schluck!

Mittagessen, Gemüsecremesuppe, Schüblig mit Pommes

Danach machte ich mich hinter die Wurst, stellte aber bei den Pommes fest, dass die Augen mehr als der Magen wollten und liess mehr als die Hälfte zurück.

Solcherart gestärkt, nahm ich den Rest der Etappe unter die Füsse und gab ziemlich Gas. Beim unteren Ende des Tannensees blickte ich nochmals zurück auf die seit Kindheit vertraute Silhoutte von Graustock, Titlis, Reissend Nollen, Wendenstöcke und Mähren.

Tannensee mit Graustock, Titlis und Wendenstöcken

Danach wählte ich die Wanderstrecke unter dem Bonistock, anstelle der Strasse entlang und brauchte für die 4.3 Kilometer nur rund 50 Minuten.

So reichte es gut, um mit der Gondelbahn um 16:10 Uhr bereits wieder in der Stöckalp zu sein. Dort hatte ich Glück und erwischte noch einen freien Platz im Extrabus mit Direktfahrt nach Sarnen.

Kartenausschnitt SchweizMobil mit der Etappe Trüebsee-Jochpass-Tannalp-Melchsee-Frutt

Danach kam die Rückfahrt ins warme Unterland. Im Zug hätte ich gerne meine Wanderschuhe ausgezogen, aber mein Anstand verbot mir dies. Aber ich freute mich tierisch auf die kalte Dusche zu Hause.

Fazit: diesmal hat es gut geklappt. Keine Blasen, nur ein etwas sonnenverbrannter Bereich um den Ellenbogen und kurz nach 21 Uhr machte ich ungewöhnlich früh Lichterlöschen!

P.S.: hier noch ein Rückblick auf die Sommerferien 1975. Aufgenommen im Juli/August auf einer Wanderung unterhalb der Tannalp. Die Engstlenalp liegt in der Bildmitte. Da hatte es noch ganz schön Schnee auf den Berggipfeln.

Aufnahme von Graustock und Titlis aus dem Jahr 1975

Urs | Freitag 17 August 2018 - 2:14 pm | | default | Zwei Kommentare
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Was beim Reisen schief gehen kann.

Inspiriert von dieser Aufzählung von Anita und wie Ihr in meinem Tweet versrprochen… Meine Beichte zu beinahe «abverheiten» Reisen.

Ob das ev. mit unserem ersten Ausland-Familienurlaub begann? Unsere Mami hatte wie immer eine gehörige Portion Eigensinn und deshalb stand sie an der anderen Schlange bei der Rück-Einreise in Flughafen Zürich an. Und ward für längere Zeit nicht mehr gesehen. Nach fast zwanzig Minuten kam sie bei uns an und erzählte empört, der Zöllner hätte Ihren Pass für gefälscht gehalten. Sie war ausgerechnet an einen Mann aus dem Aargauer Dorf geraten, in welchem wir das Bürgerrecht haben. Dass wir dort seit damals mehr als 100 Jahren nicht mehr bekannt waren (der Ur-Urrgrossvater war ausgezogen) und aus einem heute fast nicht mehr besiedelten Dorfteil stammen, konnte unsere Mutter als Angeheiratete (und aus DE stammende) natürlich nicht erklären.

Aber zurück zu mir…

Ein Jet am Gate in London, bereit zum einsteigen

Zu früh?

Ich meine, wir kommen alle mal zu spät, aber seid Ihr noch nie zu früh geflogen?

Da hatten Nunzio und ich also zehn Tage Teneriffa geplant. In irgend einem Hotelplan-Reisebüro in Baden oder Wettingen reservierten wir Hotel und Flug und waren uns einig, dass wir uns dann am Nachmittag des Abflugtages im Flughafen treffen würden. Ich hatte noch einen Frühdienst am Bahnhof Glattbrugg und den ganzen Morgen Billette verkauft. Als wir uns im Flughafen trafen, hiess es Einchecken bei Swissair/-Port. Der Agent war sehr freundlich, tippte aber immer verzweifelter im Compi herum. Als wir fragten, ob es denn ein Problem gäbe, meinte er nur, wir seien nicht auf dem Flug. Er buchte uns auf die Warteliste und sagte, wir sollen mal den Anschlussflug ab Madrid nach Teneriffa bei Iberia rückbestätigen gehen.

Dort herrschte ein ziemliches Durcheinander mit Kindergeschrei und die Agentin warf nur einen kurzen Blick auf unsere Tickets und verwarf dann die Hände. Also zogen wir weiter und zeigten die Tickets unter anderem bei Kuoni Reisen, im Swissair - Luftreisebüro und noch einem weiteren herumstehenden Agenten. Der meinte dann nur, das  seien APEX - Tickets mit Status OK, wir müssten auf den Flug gebucht sein. Mit diesem Tarif werde man üblicherweise nicht überbucht.

Tatsächlich liess man uns beim Abarbeiten der Warteliste auf den Flug und wir waren dann in Madrid beim neu Einchecken für den Anschlussflug um 22 Uhr entspannt, als der Agent dort wieder abwinken wollte. Unseren Hinweis, dass man das mit uns schon in Zürich versuchte hätte und dass wir nun auf den Flieger wollten, konterte er lakonisch mit dem Hinweis: «You got tickets for Saturday, today is Friday. So you won't take this flight!».

Da waren wir dann tatsächlich erstmals baff. So viele Leute hatten die Tickets angeschaut, ich hatte selbst den ganzen Morgen das Datum auf unzählige Billette geschrieben und erst der Agent in Madrid erkannte, dass wir tatsächlich einen Tag zu früh gestartet waren?! Ich bin noch heute sicher, dass er es nur gemerkt hat, weil der Flug am Samstag eine andere Flugnummer hatte.

Nach einem vergeblichen Versuch auf der Warteliste nachts um 2 Uhr reichte es dann nach wenig Schlaf auf harten Flughafenbänken für einen Abflug um 8 Uhr morgens. Selbstverständlich kam unser Gepäck erst mit dem regulären Flug an und wurde uns am Sonntag-Morgen vor die Hoteltüre gestellt.

Mathematik für Gebrochene

Tönt schlimmer, war aber nicht so lustig. Kollege Mario hatte damals seine Phase, wo er alle mathematischen Operationen in Bruchzahlen im Kopf ausbaldowerte. Wir, das heisst er,  Schneidi, Martin und ich besuchten Heinz an einem verlängerten Wochenende in seinem Sprachaufenthalt in London. Der Hinflug am Freitag war problemlos und am Sonntag-Abend sollte es um 19:15 ab London Heathrow zurück nach Zürich gehen.

Irgendwann am späten Sonntag-Nachmittag waren wir mit Heinz noch irgendwo in der Stadtmitte. Mario hatte irgendwelche Zahlen für Abflug, Einchecken und Fahrt nach Heathrow im Kopf in Brüchen zusammengerechnet und wir waren noch guten Mutes, als wir Heinz Adieu sagten und in die Tube (U-Bahn) hinunterstiegen.

Ich weiss nicht, ob es Martin oder Schneidi waren, welche die gekürzten Brüche von Mario in normale Zahlen überführten, aber der Schreck sass tief. Es war 17:40 Uhr, die Fahrt nach Heathrow dauerte mit der Tube rund 50-60 Minuten. Eine Stunde vorher sollte man ja dort sein und einchecken. Also fehlte uns rund eine Stunde. :-(

Bei der ersten Bahn mussten wir wegen einer Umleitung sogar nochmals umsteigen. Kurz vor 19 Uhr keuchten wir zu den Swissair-Schaltern und erkundigten uns. Die Station war am Schliessen, die Compis bereits unten und man stellte uns manuelle Bordkarten aus. Zum Glück sind die Briten so toll und stehen in wunderschönen Queues an. So konnten wir uns mit vielen «Sorry» einfach vorbeiquetschen und durch Pass- und Sicherheitskontrolle stressen. Bei der Letzteren wurden Mario und ich noch aufgehalten, da er einen kleinen Reiserucksack mit eingebauten Lautsprechern dabei hatte (warum auch immer man so etwas kaufen soll!).

Als wir endlich völlig ausgepumpt um etwa 19:20 Uhr am Gate die Gangway hinunter rannten, stand der Purser im Eingang des Flugzeugs mit der Türe in der Hand. Aus Spass meinte er noch: «Zu spät, wir fliegen gleich!» und simulierte einen Schliessvorgang.

Ihr könnt Euch die Blicke der auf uns wartenden Mitreisenden vorstellen, als wir hineinstolperten .Sie trieben mir die Schamesröte ins Gesicht. Dass ich dann die damals noch durchaus akzeptable Bordverpflegung nicht wirklich geniessen konnte, war auch eine Tatsache.

Etwas zu weit südlich?

Eher Fremdverschulden brachte Heinz und mich mal etwas zu weit nach Süden. Wir waren auf unserer ersten grossen Reise nach Südamerika. Ein Kurzaufenthalt in Toronto leitete die Weiterreise ein. Der Flug nach Lima, Peru war über Nacht. Wie üblich schlief Heinz umgehend und selig ein, während ich mich wälzte und kein Auge zutun konnte.

So bemerkte er auch erst nichts, als der Flieger gegen 7 Uhr morgens zu kreisen begann. Ich spürte die Bewegung und guckte mich ungeduldig um. War ich doch erpicht, endlich aus dieser Blechbüchse zu kommen.

Aber es kam anders. Die Stimme des Kapitäns erklang und erklärte, dass wir wegen Nebel und fehlendem Instrumentenlandesystem nun leider zur Enddestination des Fluges weiterfliegen würden. 

Und so landete unser Jet gegen Mittag in Santiago di Chile. Dort nahm man uns die Pässe ab und gab dafür temporäre Aufenthaltskarten aus. Ein Bus brachte uns in die Innenstadt zu einem Fünfstern-Hotel der Steigenberger Gruppe, wo wir ein Doppelzimmer zugewiesen erhielten. Ein tolles Steak mit einem samtigen Rotwein im Dachrestaurant leitete die Erholungsphase ein ;-)

Interessant war damals (1989), dass in Santiago di Chile teilweise noch Lastwagen mit Holzvergaser herumfuhren. Zudem kamen wir im April/Mai aus dem Frühling der Nordhalbkugel in den Herbst zurück mit fallenden Blättern.

Gegen Abend brachte man uns dann zum Flughafen zurück und noch vor Mitternacht waren wir dann endlich doch in Lima.

This isn't you, isn't it?

Immer wenn denkt, es kann nicht schlimmer kommen…

Heinz und ich wollten an einem Samstag in die USA fliegen. Wir diskutierten kurz und beschlossen, einen Zug früher zu nehmen, um noch Zeit für ein kleines Frühstück zu haben.

Dann standen wir also bereits kurz vor acht Uhr Morgens im Terminal beim American Airlines-Schalter, wo man damals erst von einer Person der Fluggesellschaft im Auftrag der Einreisebeamten der USA kontrolliert wurde, bevor man effektiv eincheckte. Diese Personen prüften die Papiere (Pass, Visa etc.) und stellten auch Sicherheitsfragen. Meist hatte es mehrere, parallele Stationen. 

Wir durften vorsprechen und gaben unsere roten Pässe der Dame in die Hand. Sie prüfte die Flugtickets und studierte die Pässe. Sie sah mehrfach in die Papiere und wieder zu uns. Schliesslich blickte sie mit einem Pass in der Hand Heinz an und meinte: «This isn't you? Isn't it?»!

Heinz trat erschrocken vor und guckte in den Pass. Dort erblickte er jedoch nicht sein Bild, sondern Kollege Mario schaute ihn an. Und auch beim Namen stand ganz klar,  Mario H. und nicht Heinz L.

Uns sackte das Herz in die Hose und unter dem gestrengen Blick der Angestellten und den neugierigen Augen rundherumstehender Passagiere huschten wir zu einem Courtesy-Telefon und wählten die Nummer von Mario.

Es war eine Ausnahmesituation, üblicherweise war Mario ein Frühaufsteher und meist unterwegs. Aber diesmal hatten wir Glück, er war zu Hause. «Wo hast Du Deinen Pass?», «Geh ihn holen!», «Welcher Name steht da drin? Doch, mach ihn auf, was steht drin?».

Noch mehr neugierige Blicke streiften uns. Mein Magen war schon ganz verknotet. «Hast Du den Wagen draussen?», «Ok, Glück gehabt, er ist nicht ausgeliehen, wie häufig!». «Wie lange hast Du bis hier?», «Alles klar, Du machst Dich auf den Weg!».

Etwa fünfzig Minuten später kam ein noch leicht zerzauster Mario um die Ecke und wedelte mit dem Pass. Er und Heinz tauschten die Papiere und wir konnten erleichtert doch noch einchecken.

Es reichte dann trotzdem noch für einen gemeinsamen Kaffee und wir lachten noch Jahre später darüber. Bei jedem Flug fragen wir uns: «Hast Du den Pass dabei? Und steht da auch Dein Name drin?» ;-)

Die Kollegen waren wenige Wochen zuvor mit Adrian im Wagen nach Italien gefahren. An der Grenze hatte Adrian die Pässe aller Kollegen nach draussen gereicht (das war noch vor Schengen) und bei der Rückgabe seinen eigenen Pass genommen und den anderen je einen Pass gereicht, ohne die Namen zu kontrollieren. 

In diesem Sinne, schöne Ferien. Kontrolliert immer die Reisezeiten und -Daten und prüft Eure Unterlagen. :-)

Urs | Sonntag 15 Juli 2018 - 9:21 pm | | default | Ein Kommentar

Lieber Reto (3)

Aus der Reihe der «nie gesendeten E-Mails». In loser Folge (vielleicht) veröffentlichte Erinnerungen und Gedanken.

Nun, Reto, bin ich heute vom Einkauf im lokalen Coop auf dem Heimweg mal wieder in so eine schöne Nachmittagshitze gelaufen, wie damals in Sizilien.

Seit dem letzten Beitrag sind ja beinahe zwei Jahre vergangen. Wieder ein wenig älter, wieder ein wenig weiser?

Ich nehme den Faden wieder beim ersten Beitrag auf. Damals, als wir von unserer Irrfahrt wieder zurück nach Aragona kamen. Der Anschlusszug nach unserem eigentlichen Reiseziel, Gela, fuhr erst gegen 16 Uhr. Klar, es war ja auch Mittagspause. Also sassen wir fast zwei Stunden in der brütenden Mittagshitze fest. Lust, die Stadt zu erkunden, kam bei diesen Temperaturen echt nicht auf. 

Im Bahnhofbuffet gab es zwar guten Caffè, aber die Hitze trieb uns nach draussen, wo wir im Schatten ein wenig den gelgentlichen Rangierfahrten nachschauten, wo der capostazione mit der roten Fahne herumfuchtelte, was bei uns sofortigen Halt bedeutet hätte.

Ob Du Dich noch an den alten Mann erinnerst, der sich dann zu uns auf die Bank setzte? Er hatte nicht mehr viele Zähne, was seinen sizilianischen Dialekt auch nicht verständlicher machte. Ich glaube, Du hast kein Wort verstanden, Dein italienisch war ja eher schlecht. Er erzählte uns von der Zeit um 1940-45, wo er als Partisan mit den Allierten gegen die Faschisten gekämpft hatte. Ich konnte leidlich folgen, ein Vorteil, wenn der beste Schulkamerad und Nachbar sizilianischer Herkunft ist.

Dann war es endlich soweit und wir fuhren weiter, diesmal im richtigen Zug, nach Gela. Diese Stadt war für uns eine ziemliche Enttäuschung. Nicht nur war das Hotel eher zweifelhaft, auch die Raffinierie am Hafen und die Innenstadt war im Vergleich zu Agrigento ein schwerer Rückschritt.

So fuhren wir nach einem Tag mit dem Zug weiter, das Ziel sollte diesmal Siracusa sein. Du hattest aus einem Reiseführer oder von einer Empfehlung her vorgeschlagen, dass wir dort dann nach «Fontane Bianche» fahren sollten, da es dort einen schönen Badestrand gäbe. Tatsächlich fanden wir irgendwo die Bushaltestelle und nach kurzer Wartezeit fuhr ein Bus vor. Wir bezahlten keine tausend Lire (weniger als 1.20 Fr) und dachten deshalb, dass es eine kurze Fahrt würde.

Aber wie wir uns täuschten, es waren rund 20 Kilometer und der Bus fuhr natürlich nicht auf dem schnellsten Weg. Es ging durch Orangenhaine und übers Land und dann standen wir da und überlegten uns, wo wir hier übernachten wollten. Im ersten Hotel, in welches wir gelangten, schaute man uns skeptisch an. Du hattest ja den «Tramper-Rucksack» mit Zelt dabei. Schnippisch teilte man uns mit, man sei «completo». Ich wollte nachfassen, aber Du meintest: «Lass uns zelten gehen».

Ich hatte ja aus früheren Jahren eher gemischte Gefühle, mir kamen da schlaflose, kalte Nächte in nassen Schlafsäcken in den Sinn. Aber der Campingplatz war nicht nur günstig, sondern auch sehr gepflegt. Ich habe versucht, den Ort auf Google zu finden. Ich glaube, es war hier, wo jetzt nur noch ein Parkplatz ist.

Ausschnitt vom Lido di Fontane Bianche aus Google Maps

Wir hatten unser Zelt in Nullkommanix aufgestellt, es war genügend Platz vorhanden. Die Duschen waren sauber und das Warmwasser damals schon solarthermisch aufgezeizt. Am ersten Abend, als Du Dich etwas heftig hinlegtest, platze zwar das aufblasbare Kissen. Aber sonst schliefen wir jeweils selig, bis uns die Morgensonne in der Nase kitzelte.

Ich erinnere mich noch gut an die Situation, als wir das erste mal gemeinsam zum Strand gingen und uns in die Sonne legten. Da war dieser «typische» Macho, welcher sich mit seiner Freundin neben uns sonntes. Er bemerkte Deinen goldenen Ohrring und machte sich über uns vermeintliche Schwule lustig. Er schwang seinen Hintern und sagte: «Vado prendere una doccia! Shampoo, Shampoo!» und feixte uns an. Wir verstanden die Welt nicht, denn damals (1982/83) trugen «normale» Männer selten, aber wenn schon – so wie Du – den Ohrring links. Wir liessen uns nicht beirren und genossen die Abkühlung im Meer.

Nach Einbruch der Dunkelheit gingen wir uns ein günstiges Restaurant suchen. Ich habe keine Ahnung mehr, wo es genau lag oder wie es hiess. Aber ich weiss noch, dass es nach allen Seiten offen war und in der Mitte auf einem kleinen Podest der «Chef / Kassierer» sass. Wir bekamen einen Tisch zugewiesen und studierten die Karte. Du wolltest unbedingt Muscheln essen. Du warst mit Deiner Mutter und Deinen Geschwistern schon mal in Italien in den Ferien gewesen und glaubtest, die Bezeichnung auf italienisch zu kennen. Aber so etwas fanden wir nicht auf der Karte.

Als der Kellner dann kam, bestellten wir uns einen Insalata mista und Du wolltest «Muscoli». Was der Kellner natürlich nicht verstand. Wir verhandelten ein wenig und kamen via Frutti di mare dann auf «Cozze». Wir fanden das töne zwar nicht wohlschmeckend, aber wir wurden eines besseren belehrt. Ich kannte vorher nur «Les Moules Continental» aus dem Restaurant Continental in Quiberon. Dort wurden sie in einer cremigen Sauce serviert. Hier in Sicilia gab es sie aber einfach mit einem Sud aus Weisswein, Zwiebeln und Gewürzen. Sie schmeckten göttlich und der Wein dazu war auch sensationell. 

Irgendwann nach Caffè und ev. auch Dolce bezahlten wir die knapp zwanzigtausend Liren und verliessen das Restaurant. Kaum waren wir draussen, kam uns aber in den Sinn, dass wir ja vergessen hatten, die beiden gemischten Salate zu bezahlen. Also – typisch Schweizer – gingen wir zurück zum «Chef / Kassierer» und ich meinte: «Abbiamo dimenticato di pagare le insalate miste!». Die Reaktion war bemerkenswert. Ok, wir waren ja auch leicht beduselt. «Angelo! Angelooo!», brüllte der Mann durch das Restaurant. Wir dachten, jetzt gibt es irgendwas, Haue oder so. Aber dann erklärte der Kassierer dem Angelo, dass wir zwei feinen Herren vergessen hätten, den Salat zu bezahlen und nun extra zurückgekommen seien, um zu bezahlen. Worauf uns Angelo, der Kassierer und noch ein weiterer Kellner ausgiebig die Hand schüttelten und uns lobten. Offenbar verhielten sich nicht alle Gäste gleich. ;-)

Miesmuscheln, Quelle Pixabay / eujava

Ich glaube, wir blieben etwas zwei Nächte in Fontante Bianche, bevor wir uns wieder vom Acker machten und mit dem Zug weiter nach Taormina fuhren. Aber dazu ein anderes mal.

Heb's guet, Dein Freund und Stifti-Kollege, Urs

Urs | Samstag 14 Juli 2018 - 4:30 pm | | default | Kein Kommentar

Abstimmungsfrust

Ja, ich bin gefrustet… die Abstimmung zum Geldspielgesetz wurde von den Befürwortern auf eine Art und Weise geführt, die für mich an die Grenzen ging.

Insbesondere der Partei, welche das «C» im Namen trägt, ware keine Lüge zu infam, um dem Gesetz zum Durchbruch zu verhelfen.

Ich bin nun nicht gerade der Mensch, welcher mehrheitlich für liberale Ideen steht, aber hier war der «Heimatschutz» einfach nicht angebracht. Insbesondere glaube ich nicht, dass die Beton-Casinos die geforderte Prävention online wirklich leisten können. Erst recht wohl nicht die im Hintergrund leise mitsurfenden (kantonalen) Lotterien.

Was mich aber besonders frustet, ist die tiefe Stimmbeteiligung. Gemäss diesem Artikel im Bund, lag sie diesmal im Kanton Bern bei nicht mal 30%.

So, Ihr lieben LinksGrünen Politiker in der Stadt und im Kanton Bern. Ihr wollt doch die hier lebenden Ausländer an den Wahlen beteiligen, wie wäre es mit folgendem Anliegen:

Anpassung des Gesetz über die politischen Rechte (PRG)

  • Artikel 3, Grundsätze
    • 4., wer sein Wahl- und Stimmrecht während 12 oder mehr Monaten ununterbrochen nicht ausübt, wird durch die Wahlbehörde gemahnt.
    • 5., wer trotz Mahnung innert weiterer 6 Monate weiterhin nicht teilnimmt, verliert sein Wahl- und Stimmrecht.
    • 6., die frei werdenden Wahl- und Stimmrechte werden mittels einer Lotterie an hier während mindestens fünf Jahren niedergelassene, einwandfrei beleumundete Ausländer und Ausländerinnen verteilt.
    • 7., will eine Schweizer Bürgerin, ein Schweizer Bürger sein Stimmrecht wieder ausüben, so kann er bei der nächsten Lotterie eines der zur Verfügung stehenden Stimmrechte beanspruchen.

Das wäre doch mal eine Steilvorlage, nicht?

Urs | Sonntag 10 Juni 2018 - 2:36 pm | | default | Zwei Kommentare