USZeit 2018, up to Lake Tahoe

Sonntag

Ich schlief bis gegen acht Uhr morgens und begann dann ein wenig rumzutändeln. Mal die Kleider etwas zusammenlegen, etwas Twitter, dann in der Küche ein Sandwich für unterwegs machen. Nach der Dusche ging ich ein letztes Mal Frühstücken. 

Die stellen dort drei Kaffeekrüge hin. Einen mit entkoffeiniertem, einen «normalen» und einen «starken» Kaffee. Sie hatten aber an allen drei Morgen die Reihenfolge beim Hinstellen geändert. Wollen wohl prüfen, ob man wach ist ;-)

Immer schön anzuschauen, Blumen rund um das Hotel

Gegen Schluss musste ich fast ein wenig Jufeln, damit ich noch rechtzeitig um 11 Uhr auschecken konnte. Mit einem etwas mulmigen Gefühl rollte ich den Koffer zum Wagen. Ob er passen wird? Ich versenkte ihn mal hochkant und versuchte den Deckel zu schliessen. Rastete nicht ein. Ok, nochmals öffnen und mit etwas Anlauf schliessen? Zack, zu, passt also haargenau. Zum Glück habe ich nicht Kollege Th. R.s Koffer mitgenommen, der hätte keinen Platz gehabt. Bzw. ich hätte dann den Teil des Kofferraums benutzen müssen, der für das Verdeck des Cabriolet reserviert ist, womit ich nicht mit offenem Verdeck fahren könnte.

Koffer im Kofferraum des Chevrolet Camaro, passt haargenau

Ich fuhr dann südlich weg, über die 11 Kilometer lange San Mateo Bridge quer über die Bucht von San Francisco. Das war ein ziemliches Erlebnis, erst fährt man recht steil die Brücke hoch, welche die Bucht für die Schiffahrt freihält. Dann kommt man wieder runter und sieht erst den flachen Teil bis rüber.

Über den Strassenzustand sage ich jetzt nichts, oder doch? Es gibt in den USA sehr viele extrem schlechte Strassen. Schlaglöcher, welche bei uns niemals akzeptiert würden, sind gang und gäbe. Teilweise gibt es kurze Betonplatten mit grossen Fugen. Pädäm, Pädam, tönt es dann beim Fahren. Deshalb haben viele Amis auch gut gefederte Wagen. Mein Camaro liess mich da die Fugen deutlicher spüren.

Die Fahrt führte dann weiter auf dem Highway 88 über Stockton. Nahe des Dörfchens Clements sah ich bei der Abzweigung einen Gemüse-/Früchtehändler mit Restaurant. Ich fuhr hin, um mir ein wenig die Beine zu strecken. Bei einem feinen Birnenkuchen (Pear pie) und einem Fruchtgetränk sass ich da in der mittäglichen Hitze von über 30° (Celsius) und sah meinem Camaro beim Aufheizen zu. 

Parkplatz beim Restaurant und Gemüse-/Früchtehandlung nahe Clements

Ich verdrückte auch noch mein am Morgen vorbereitetes Sandwich und fuhr dann weiter. Gegen Schluss beginnt dann der Aufstieg. Die Tafeln am Rand der Strasse beginnen bei 3000 Fuss (914 Meter über Meer) und alle tausend Füsse kommt ein neues Schild, bis man bei rund 6'500 Fuss die 2'000 Meter - Grenze überschreitet.

Markiert etwa die 2'000 MüM-Grenze, Blick über das Tal des Lower Bear Reservoirs

Es geht aber noch munter weiter, den höchsten Punkt hatte ich bei rund 2'500 Metern über Meer. Kurz nach 16 Uhr bog ich dann auf den Highway 50 ein und gondelte durch den etwas stärker werdenden Abendverkehr in Richtung Hotel.

Ich kenne die Gegend und Strecken rund um den Lake Tahoe. Das erste Mal war ich 1993 mit meinem Kollegen Adi W., auf der damals sieben Wochen dauernden Reise durch die USA, dort. Wir hatten dort auch ein erstes «Rencontre» mit der US Polizei! ;-)

Erinnerung an 1993

Wir waren auf dem Highway unterwegs und suchten Hotels. Wir hatten damals ja noch kein Internet und kein GPS! Nur die US-Strassenkarte von Rand McNally und einen Best Western - Hotelführer. Während also Adi links und ich nach rechts aus dem Auto starrten, um das Hotel zu finden, verloren wir etwas den Kontakt zu den vor uns fahrenden Autos. Ich sah irgendwann auf und nach vorne. «Hey, da wird es rot!», rief ich Adi. Aber der konnte nicht mehr bremsen. Also schwupp, mit etwas Gas bei bereits rot über die Kreuzung.

Gleich nach der Kreuzung sahen wir das Best Western Hotel. Adi stellte den Blinker und fast zeitgleich machte es hinter uns: «Wiuuuh, Wiuuuh» und im Rückspiegel blinkten rote und blaue Lichter. Wir fuhren auf den Mittelstreifen und dann nach links vor das Hotel. Ich schärfte Adi ein, ja die Finger auf dem Steuerrad zu behalten und keine unbedachten Bewegungen zu machen.

Der Polizist stieg dann aus dem Wagen und näherte sich von hinten im spitzen Winkel. Adi öffnete die Scheiben und er linste argwöhnisch ins Innere. «Drivers License!», raunzte er. Adi kramte seinen blauen CH-Führerausweis und die damals noch übliche, weisse Übersetzung dazu, hervor. Der Polizist guckte sich das lange Papier und die vielen Informationen etwas unwillig an und meinte dann, «Is this Germany?». «Oh, no Sir, we are Swiss/Switzerland.», antworteten wir ihm. Er guckte nochmals in den Wagen. «You know, what you've done?», fragte er uns. «Yes, we couldn't stop anymore, it was to late. I am very sorry!», stotterten wir ihm vor. Ich überlegte schon, was uns die Busse kosten könnte. Er aber nickte nur und meinte, «Don't do that again! Drive savely, be careful» und wir waren raus. 

Lake Tahoe

Im Hotel erhielt ich ein Zimmer im D-Block, welcher relativ nahe zum Strand liegt. Gleich unterhalb des Balkons ist ein grosses Zelt, in welchem ein Hochzeitsfest stattfand.

Party-Zelt, dahinter der Strand und das Pier am South Lake Tahoe

Ich ging dann um das Zelt herum zum Strand, wo es eine kleine Bar hatte. Das erste Bier war ein veritabler Fehlgriff. Ich meinte, am Zapfhahn stünde «Pacifica», was ein Bier einer kleinen schwedischen Brauerei wäre. Es stand da aber Pacifico, ein übles Getränk der mexikanischen Brauerei Grupo Modela, die auch Corona erbricht. Ich hätte gar nicht erst probieren sollen, als ich sah, dass da ein Limettenschnitz im Bier war :-(

Ich fragte dann scheu nach einem richtigen Bier und ob der Barmann die Pfütze für mich entsorgen könne. Er hatte dann Mitleid und verrechnete es mir nicht. Das Juicy Gossip von Half Moon Brewing schmeckte deutlich besser, so dass es sogar zwei Biere wurden. Ich musste anschliessend etwas in den Magen kriegen und ging gleich nebenan ins «Boathouse on the Pier», welches ich von einem früheren Besuch her als passend betrachtete.

Im sonnigen Obergeschoss auf dem Balkon genoss ich die letzten warmen Strahlen der Abendsonne.

Wein und Wasser im späten Abendlicht am Lake Tahoe

Ich bestellte mir ein «Surf & Turf» in der Variante Spiesschen. Grillierte Crevetten und zartes Rindfleisch auf einem Bett Kartoffelpuree. Die Crevetten waren würzig/scharf, dazu gab es eine eher dezente Knoblauchkräutersauce. Und dann noch so schön mit einer Blüte angerichtet. Das Auge isst ja mit. Vorab hatte ich eine kleine Clam Chowder genossen. Der Pinot grigio passte ebenfalls sehr gut dazu.

Nachtessen, wunderschön angerichtet mit Blume

Während dem Essen ging die Sonne über den Wipfeln der Berge unter und es gab eine schöne «blaue Stunde».

Blaue Stunde/Sonnenuntergang über dem Lake Tahoe

Leider hatte es keine Apple Fritters oder andere Gebäcke mit Äpfeln mehr im Safeway. Da ich ja die Strasse unter Lebensgefahr (4 spurig, unbeleuchtet) überquerte, musste ich mir halt ein Kübelchen (naja, eher Kübel) Häagen Dazs Erdbeer kaufen. ;-)

Montag

Nach etwas unruhigem Schlaf (Höhe und Alkohol) wachte ich auf und überlegte mir, was ich mit dem Tag anfangen soll. Eigentlich wollte ich ein wenig Wandern gehen. Aber die Trails liegen teilweise schwer zugänglich.

Also ging ich erst mal ins lokale Denny's, um mir meine ersten «Moons Over My Hammy» zu bestellen. Ein Skandal, wenn man weiss, dass ich bereits mehr als eine Woche hier bin und das erst jetzt tat. Ist ja so eine Art Einreiseritual bei mir. Ja, ich weiss. Mit gebackenem Toast, Schinken und Käse eher ungesund, aber ich liebe es.

Ein «Moons Over My Hammy» bei Denny's

Danach packte ich die Sonnencreme aus und schmierte meine Arme und meinen Kopf/Nacken ein. Anschliessend machte ich «Oben ohne» beim Camaro ;-)

Mein Chevrolet Camaro mit offenem Verdeck

Die Fahrt führte mich dieses Mal mit dem Uhrzeiger um den See, was mich eine Stunde Stau innerhalb von South Lake Tahoe kostete, weil da die Strasse saniert wird. Unglaublich, aber eben, der Preis des Wachstums. Mein Preis war die Hitze. Am Schatten und in der Nacht ist es recht kühl hier oben, aber an der Sonne wurde es über 26° C heiss. Ich erinnerte mich an einen Follower bei Twitter, der leicht verschämt meinte, man könne ja offen haben und trotzdem ein wenig mit der Klimaanlage die Füsse kühlen. Hmm… ich gebe es zu, ich tat es dann auch.

Beim Eagle Lake Trailhead war dann kein Parkplatz frei und so liess ich das mit dem Wandern schleifen. Ich werde als Ausgleich am Abend ganz nach vorne bis zur Staatengrenze CA/NV gehen und zurück, dann habe ich auch ein wenig Bewegung.

Die Fahrt entlang des Sees war toll, der Geruch der Kiefernwälder weckte Erinnerungen an Wanderungen in den Alpen. Bei der Fahrt war es dann auch nicht mehr so heiss. Unterwegs kehrte ich noch kurz ein und kaufte, wen wundert's ein paar Biere. Es ist wirklich toll, wie viele lokale Kleinbrauereien hier feine IPA oder Pale Ale kreieren.

CAPA, Bier aus Truckee, NV

Hier noch ein Schnappschuss von unterwegs, als ich an einer Baustelle anhalten musste.

Blick über den Lake Tahoe nahe Incline

Am Sand Harbour fuhr ich dann in den (kostenpflichtigen) Parkplatz und machte auch mit der Nikon noch ein paar Bilder vom 35 Kilometer langen und bis zu 19 Kilometer breiten See und seinen Ufern. Hier baden viele Menschen, mit kleinen und grossen Kindern. Es gibt Kanu, Standup-Paddler und vieles mehr. Ich muss die Fotos der Nikon noch sichten, aber hier mal die vom iPhone.

Hier der türkisfarbene, südliche Abschnitt am Sand Harbor.

Strand und türkisfarbener See am Sand Harbor des Lake Tahoe, Panorama, klicken um es ganz anzuzeigen.

Und hier noch der tiefblaue Teil auf der nördlichen Seite des Sand Harbor.

Nordwestliche Sicht, hier eher «normal» blau, der Lake Tahoe

Auf dem Heimweg zum Hotel füllte ich ein erstes Mal Benzin in den zu drei vierteln leeren Tank, der Verbrauch dünkt mich soweit in Ordnung.

So, ich gehe jetzt mal auf den Weg, mir ein Nachtessen zu gönnen. Und vielleicht noch ein paar Dollar ins Kasino tragen. Morgen geht es leider schon weiter!

Urs Dienstag 11 September 2018 - 02:15 am | | default
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zwei Kommentare

Jackobli :-)

“You know, what you’ve done ?” Na klar doch :-) Herrliche Erinnerung an 1993.
Schon 25 years her – müsste man mal wiederholen …
Gnüsses wiiterhin – warte auf die Pics vom Kontiki Inn :-)

Jackobli :-), - 12-09-’18 11:41
Ursli Himself

Die Reise von 1993 (und 1994, aber eher unter umgekehrten Vorzeichen) wird mir immer eine Erinnerung bleiben. Jedes mal, wenn ich ins Büro zu Hause gehe, sehe ich Deine Fotocollage, welche Du mir gemacht hast. Waren das noch Zeiten. Ich sehe Dich heute noch, wie Du bei den Eagle Falls durch das eiskalte Wasser watest ;-)

Ursli Himself, - 12-09-’18 18:22
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