Abschied, das Buch des Lebens

Heute mussten (durften?) wir Abschied nehmen von unserem Vater. 

Alles ging so schnell, nachdem er Mitte Juni einen Schwächeanfall mit einem Sturz erlitt, mussten wir ihn für kurze Zeit ins Regionale Pflegezentrum Baden bringen. Er meinte damals: «Das ist der Ort, an welchem ich geboren wurde!». Und ich entgegnete, dass er aber sicher nicht hier sterben werde!

Am 27. Juni brachten meine jüngere Schwester und ich ihn ins Alterszentrum am Buechberg in Fislisbach. Hier hatte er, als er noch in Niederrohrdorf lebte, während vielen Jahren sein Mittagessen als Gast eingenommen. In Fislisbach, dem Ort, wo er aufgewachsen war, wurde er herzlich aufgenommen. Er war bei vielen Angestellten, aber auch Bewohnern und Gästen noch wohl bekannt und wurde begrüsst.

Mitte Juli meldete ich ihn auf seinen Wunsch per 1. August definitiv im Altersheim an. Schon Mitte Juli hatte ich mit den Gemeinden abgeklärt, ob er sich in Fislisbach als Einwohner anmelden dürfe. Es lag ihm daran, seinen Wohnsitz hierher zu verlegen. Mir lag es daran, da ich wusste, dass er nur in Fislisbach beerdigt werden könnte, wenn er den Wohnsitz auch hier hätte. Ein Thema, nach welchem er sich vor einiger Zeit mal erkundigt hatte.

Noch am 3. August fragte ich mit einer gewissen Unruhe bei der Gemeinde nach, ob die Mutation vollzogen worden sei, was mir dann bestätigt wurde. Unser Vater gewöhnte sich im Altersheim weiter ein. Wir hatten sein Zimmer eingerichtet und meine ältere Schwester, welche im Ort lebt, organisierte ihm die vielen Dinge des täglichen Lebens. Er erhielt regelmässig Besuch von seinen Geschwistern und auch seinen ehemaligen Nachbarinnen.

Er absolvierte auch täglich seine Übungen mit den Pflegerinnen oder dem Physiotherapeuten. Wir hofften, dass diese Übungen ihm wieder ein wenig mehr Autonomie geben könnten. So dass er wieder unabhängig mit dem Rollator im Zimmer oder Altersheim unterwegs sein könnte.

Er war guten Mutes und geistig noch gut beisammen, wenn auch manchmal schnell müde. Wir machten bereits erste Pläne für seinen 90. Geburtstag im Dezember.

Aber sollte nicht so sein, am 10. August, morgens um 2 Uhr hörte sein Herz auf zu schlagen. 

Heute war die Beerdigung und die Trauerfeier. In Begleitung von vielen lieben Bekannten und unserer Verwandschaft nahmen wir Abschied. 

Pfarrer Rafal Lupa machte es zu einem sehr berührenden Ereignis. Sein Gleichnis wird mir in Erinnerung bleiben.

«Jeden Tag schreiben wir eine Seite in unser Buch des Lebens. An guten Tagen sind die Seiten gefüllt mit schönen Buchstaben in goldener Schrift. An schlechten Tag ist unsere Schrift krakelig und mit fleckiger Tinte geschrieben. Das Buch hat noch viele leere Seiten. Wir wissen nicht, wie viele Seiten wir noch beschreiben werden. Aber eines Tages werden wir dieses Buch schliessen.»

«Heute haben wir das Buch von Josef geschlossen. Er ist nicht von uns gegangen. Er ist nur vor uns gegangen!»

Ich bin unendlich traurig und schliesse mit dem Zitat, welches wir in der Todesanzeige verwendet haben.

Niemand ist fort, den man liebt. Liebe ist ewige Gegenwart. – Stefan Zweig 

Die Urne von Josef im Blumenkranz

Urs | Freitag 18 August 2017 - 7:02 pm | | default | Zwei Kommentare
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Farewell Papa

Trauer ist für mich ungeheuer schwer in Worte zu fassen, ohne dass ich das Gefühl habe, pathetisch zu wirken oder mich vom Moment überwältigen zu lassen.

Deshalb ganz kurz.

Danke für alles, was Du uns im Leben mitgegeben hast und gute Reise… wo auch immer die hinführt!

Letztes Foto von Josef

Schade, dass es Dir nicht vergönnt war, den Neunzigsten zu erleben.

Urs | Donnerstag 10 August 2017 - 09:11 am | | default | Ein Kommentar
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To proxy or not

Do you intercept SSL?

Nun wird es mal wieder etwas technisch. Es geht um ein Thema, welches mich geschäftlich beschäftigt, zu welchem ich also auch zwei Meinungen habe. Eben eine Geschäftliche und eine Private.

Was ist ein Proxy?

Ich wiederhole ungern, was das Internet schon hergibt. Deshalb die stark vereinfachende Ultrakurzbeschreibung. Details gibt unter anderem auch der Wikipedia-Artikel Proxy (Rechnernetz) her.

Ein Proxy ist ein «Stellvertreter» in einem Netzwerk, welcher Anfragen von (internen) Clients (PC, Laptop, Tabletts oder Smartphones) nach Webseiten entgegennimmt, die Antworten im Internet abholt und den Clients zurückgibt.

Die Analogie zum Gastgeber, der Pizzas für seine Gäste bestellt, welche in diesem Abschnitt des oben genannten Wikipedia-Artikels beschrieben ist, finde ich sehr passend und originell. Gekürzt hier wiedergegeben, da ich weiter unten darauf referenziere:

  • Meine Gäste haben Hunger und möchten Pizza
  • Ich frage die Wünsche aller Gäste ab und bestelle dann Pizzen beim Lieferdienst
  • Ich nehme die Pizzen in Empfang und verteile sie gemäss Bestellung an die Gäste

Warum wird denn Internet-Verkehr proxifiziert?

Die oben genannte Erklärung hilft ein wenig, zu erklären, weshalb man den Verkehr ins Internet über einen Proxy laufen lassen kann, soll oder eventuell gar muss. Das betrifft wohl die wenigsten Privathaushalte (bei sich selbst), sondern bezieht sich auf grössere Unternehmen.

  1. Ressourcenoptimierung
    Der Proxy kann (statische) Inhalte, welche immer wieder abgerufen werden, zwischenspeichern und so Bandbreite ins Internet einsparen. Dieses Argument ist im Zeitalter von günstigeren Breitbandanschlüssen nicht mehr so wichtig. Vor allem werden immer mehr Inhalte im Internet dynamisch erzeugt und lassen sich gar nicht mehr gut zwischenspeichern.
    Pizza-Analogie: der Lieferant kann mir die Pizzen ev. in einer grossen Schachtel liefern.
  2. Nachvollziehbarkeit
    Ich kann an einem Ort, dem Proxy und seinem Log, alle Anfragen ins Internet protokollieren.
    Pizza-Analogie: Ich weiss, wer welche Pizza bestellt hat und muss nicht alle befragen.
    Der Albtraum aller auf Datenschutz bedachten User? 
    1. Ja, aber
    2. Als Verantwortlicher einer Firma kann ich gegenüber den Strafverfolgungsbehörden auskunfts- und rechenschaftspflichtig sein*). Hat ein Benutzer in meinem Netzwerk eine Straftat (zum Beispiel: Aufruf zu Gewalt, Rassenhass etc.) von seinem Firmengerät aus begangen, wird beim Zielsystem die Firmenadresse registriert. Bei einer Anzeige muss ich belegen können, wer diese Straftat begangen hat. Das Log des Proxy zeigt mir das an einem zentralen Ort an.
    3. Natürlich kann ich hier auch zentral an einem Ort nachgucken, wer wann, wo und ungefähr wie lange im Internet gesurft ist. Entsprechend ist der Zugriff auf diese Logs sehr genau zu regeln. In der Schweiz ist ein Arbeitnehmender hier gesetzlich sehr gut abgesichert und das muss der Arbeitgeber zwingend einhalten, sonst macht er sich auch strafbar.
  3. Durchsetzen von Vorgaben
    Mit einem Proxy habe ich die Möglichkeit, den Zugriff aller Mitarbeitenden auf das Internet in der von mir gewünschten oder rechtlich notwendigen Form zu begrenzen.
    Pizza-Analogie: Wenn in meinem Haushalt keine Sardelle über die Türschwelle kommt, dann kann ich das so einfacher durchsetzen. Keine Angst, ich liebe Sardellen. :-)
    Beispiele:
    1. Webseiten mit strafbaren Inhalten (harte Pornographie, Extremismus und Gewalt) können blockiert werden
    2. Webseiten, welche nicht geschäftlichem Nutzen dienen, können gesperrt werden. Vielleicht möchte eine Firma nicht, dass die Mitarbeitenden auf Casino-Seiten ihre Zeit vertrödeln, sich auf Schnäppchenjagd begeben oder sich (legale) nackte Tatsachen zu Gemüt führen.
      Über diese Funktion wird sehr häufig gestritten:
      • Wer über Ziele geführt wird und/oder eine Vorgesetzte hat, welche genügend aufmerksam ist, sollte ja auffallen, wenn Zeit vertrödelt wird.
      • Manchmal sind solche Zugriffe trotzdem geschäftlich notwendig. Ev. muss die Marketing-Abteilung prüfen, ob ihre Werbung auf solchen Seiten richtig aussieht. Entsprechende Ausnahmeprozesse sind organisatorisch und manchmal auch technisch aufwändig.
  4. Schutzmassnahmen
    Ein entsprechend ausgerüsteter Proxy kann den Verkehr überprüfen und unerwünschte Elemente entfernen oder blockieren.
    Pizza-Analogie: Ich kann kontrollieren, dass keine Pizzen vergammelt sind oder noch eine Messerspitze darin steckt.
    In der Computerwelt kann ich Viren erkennen. Illegale Antworten, welche versuchen, den Browser zu manipulieren, entfernen. Oder auch Webseiten, welche in Kategorien für Malware oder Phishing aufgeführt sind, blockieren.

Also gibt es als Firma ab einer gewissen Grösse gute Gründe oder gar Verpflichtungen, einen Proxy einzusetzen.

Proxy und SSL

Kommen wir zum Hauptgrund dieses (leider) länglichen Artikels. Wenn ein Proxy stellvertretend die Anfrage für einen Client ausführt, dann läuft das dem Prinzip von SSL – vollständige Verschlüsselelung von einem zum anderen Ende – zuwider. Eigentlich kann ein Proxy so eine Verbindung gar nicht direkt entgegennehmen. Eigentlich…

Denn es gibt einen Kunstgriff, die SSL-Interception, gerne auch (verharmlosend) SSL-Inspection genannt.

en: to intercept someone/something
de: jemanden abfangen, abhören, unterbrechen

Dieser Wikipedia-Artikel erklärt das hybride Verschlüsselungsverfahren, welches bei SSL/TLS zum Einsatz kommt.

Der Server präsentiert dem Client mit der Webseite ein Zertifikat. Der Browser des Clients überprüft, ob das Zertifikat mit dem Namen der abgerufen Webseite übereinstimmt und ob es:

  • gültig ist (Datum von und Datum bis
  • nicht zurückgerufen wurde (ungültig erklärt, sogenannte Revocation in einer CRL)
  • vertrauenswürdig ist (von einer bekannten/gültigen Firma ausgestellt etc).

Dieses Zertifikat kann man als Benutzer überprüfen. Das Symbol bei der ULR im Browser zeigt üblicherweise ein Schlösschen an, wird teilweise auch grün dargestellt. Die Anzeige des Zertifikats ist bei den heutigen Browsern teilweise (unverständlicherweise!) schwieriger geworden.

Beispiel Anzeige Entwicklermodus Chrome/Mac mit SBB Webseite

Das obige Beispiel zeigt den Browser «Chrome» (auf Mac OS X), wo man unter «Anzeigen» – «Entwickler» – «Entwicklertools» mehr Informationen über die Webseite abrufen kann. Hier ist auch ein Link auf die Anzeige des Zertifikats vorhanden. 

SSL-Zertifikat der SBB-Webseite, abgerufen am 06.08.2017

Das Bild zeigt das Zertifikat der SBB-Webseite, abgerufen am 6. August 2017. 

Wie funktioniert denn nun die «Interception»?

In der Regel wird ein Proxy solcherart verschlüsselte Webseiten registrieren (siehe oben unter Nachvollziehbarkeit) und den Verkehr an sich beidseitig unverändert weiterleiten. Ist die Interception eingeschaltet, passiert folgendes:

  • Der Proxy verhandelt mit dem Client die Verschlüsselungsparameter, als wäre er das Zielsystem. Dazu präsentiert er dem Client ein Zertifikat, in welchem er behauptet, das Zielsystem zu sein.
  • Der Proxy kann nun die Details der Anfrage erkennen, da er die Anfrage ja entschlüsseln kann.
  • Der Proxy ruft dann die Webseite des Zielsystems auf und behauptet, der Client zu sein. In der Regel wird er die selben Parameter wie der Client verwenden, um die Verbindung aufzubauen.
  • Das Zielsystem beantwortet die Anfrage, da es annehmen muss, mit einem Client zu sprechen.
  • Der Proxy kann die Antwort nun entschlüsseln und überprüfen, da er ja die Verbindungsparameter kennt.
  • Der Proxy verschlüsselt die Antwort wieder und präsentiert sie dem anfragenden Client.

Der Proxy ist also sozusagen ein «Man in the middle». Siehe auch diesen Wikipedia-Artikel zum gleichnamigen Angriff.

Lässt sich das System so einfach austricksen?

Öhm, einigermassen… Eigentlich darf kein Server ein Zertifikat für eine «fremde» Webseite präsentieren und der Browser merkt, wenn Name in der URL und im Zertifikat nicht übereinstimmen.

Die Herausgeber von Zertifikaten sind peinlichst darauf bedacht, dass keine falschen Zertifikate herausgegeben werden und fehlerhafte Herausgeber müssen mit scharfen Sanktionen rechnen. Musste ich beim Verfahren startssl.com versus Chrome und Firefox selber erleben.

Beispiel einer Zertifikatswarnung

Nun muss also der Hersteller des Proxy zusammen mit den Engineers der Firma, die ihn einsetzt, den Client bzw. den Browser so konfigurieren, dass er sich «übertölpeln» lässt.  Dazu wird ihm meist ein Generalvertrauen in das Zertifikat, welches der Proxy präsentiert, eingeimpft. Selbstverständlich kann ein Benutzer, der ein (mehr oder weniger) gesundes Misstrauen hat, das Zertifikat angucken und merkt, dass da wer in der Mitte ist.

Aber warum soll ich denn überhaupt Interception einschalten?

Endlich, auf der Zielgerade dieses Artikels! 😅

Es gibt da zwei Herzen, ach, in meiner Brust! :-)

Wer mich kennt, weiss, was ich von Interception halte.

Gründe Pro:

  1. Abwehr von Schadsoftware
    Ich kann erkennen, ob jemand Schadsoftware über eine verschlüsselte Verbindung überträgt. 
    Beispiel: Der Mitarbeiter ruft seine private Mailbox bei GMX über SSL ab und lädt die Rechnung der Swisscom über 1'234 Franken auf den Firmen-PC hinunter. Die Rechnung ist natürlich nicht echt und auch nicht von Swisscom, sondern ein trojanisches Pferd mit Ransomware, welches sofort nach dem Öffnen fleissig mit dem Verschlüsseln aller durch diesen Benutzer erreichbaren Fileserverablagen beginnt.
  2. Filterung von Funktionen
    Wenn ich eine Verbindung öffne, kann ich gewisse Funktionen einer Seite erlauben oder blockieren.
    Beispiel: Meine Firmenpolicy erlaubt mir nicht, Dokumente auf Dropbox hochzuladen. Aber der Download soll erlaubt sein. Oder ich darf alles hochladen, ausser es enthält gewisse klassifizierte Informationen.
    Ohne Interception kann ich nur alles oder nichts erlauben.
  3. Nachvollziehbarkeit beim Nachladen von Seiten
    Gewisse Webseiten laden Informationen von anderen Seiten nach. Passiert das serverseitig, so erfahre ich ohne Interception nichts davon.

Gründe Contra:

  1. Gesetzliche oder vertragliche Vorgaben
    Gewisse Verbindungen darf ich nicht untersuchen. So ist zum Beispiel ein Meldeportal für Compliance-Verstösse (Whistleblowser-Meldestelle) absolut vertraulich zu behandeln. Verbindungen zu Ärzten oder Rechtsanwälten geniessen auch besonderen Schutz. Eine Bank kann zum Beispiel in den Nutzungsbedingungen verlangen, dass keine Interception verwendet wird.
    Das führt dazu, dass in der Regel eine Ausnahmeliste gepflegt wird.
  2. Sicherheitsüberlegungen
    Der Proxy ist ein «Man In The Middle». Wird er kompromittiert oder ist er fehlerhaft konfiguriert, leidet die Sicherheit aller Verbindungen.
  3. Performance
    Die Ent- und erneute Verschlüsselung ist einigermassen aufwändig. Die meisten Systeme verfügen heutzutage über spezielle Prozessoren oder ASIC, welche das aber recht gut abwickeln können. Das führt dann aber zum nächsten Thema, den:
  4. Kosten
    Die Pflege von Ausnahmen verursacht Aufwände. Ebenso das Engineering, damit sich die Systeme überhaupt auf eine Interception einlassen. Zudem lassen sich die meisten Hersteller von kommerziellen Proxy-Systemen die Interception extra bezahlen.

Man kann jetzt aber für alle Pro- und Contra-Gründe weitere Argumente finden:

  • Ein guter Schutz gegen Malware kann (und soll!) auch durch einen aktuellen Virenschutz auf dem Client und eine vernünftige Schulung der Mitarbeitenden (Awareness) erreicht werden.
  • Eine gute und sichere Konfiguration einer Interception bzw. des ganzen Proxy gehört bei einem renommierten Hersteller und einer fähigen Firma zum A und O!
  • Tatsache bleibt, dass mit der immer einfacheren Verfügbarkeit von SSL der Anteil von solcherart geschützen Seiten stark zunimmt.
  • Mit der Folge, dass neben den Firmen auch andere Leute und Organisationen immenses Interesse haben, dass dieser Schutz knackbar ist oder wird. Und wir wissen leider nur zu gut aus bekannten Vorfällen, dass solche Lücken nicht nur von den (vermeintlich) Guten ausgenützt werden. Somit dürfte die Interception ein bevorzugtes Ziel von Angreifern werden.

Anmerkung:
Der Artikel wurde sehr lange und ich bin wohl nicht mehr in der Lage, alle Tippfehler oder nicht grad offensichtliche Inkonistenzen jetzt herauszufinden. Melde mir doch einfach solche per Mail an «info@urs-mueller.ch». Ich werde den Artikel dann anpassen. 

Wie ist Deine Meinung? Du kannst gerne hier mitdiskutieren, auch wenn die Kommentarfunktion eher bescheiden ist (Threading, Mentions etc.).

*) Anmerkung vom 07.08.2017, 8:20

Die Anforderung der Nachvollziehbarkeit betrifft nicht alle Firmen in der CH, da normalerweise ein Provider für die Umsetzung des BÜPF/VÜPF zuständig ist. In meinem Fall sind wir das selber. Danke für die Hinweise dazu.

Urs | Sonntag 06 August 2017 - 12:27 pm | | default | Zwei Kommentare
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Kindheitserinnerungen - Ferien auf der Tannalp

Auf meinem MacBook Air nutze ich hin und wieder noch das Dashboard. Dort habe ich seit Jahren einen Web-Clip, der mir ein aktuelles Bild der Web-Cam der Camera Alpina von der Melchsee-Frutt zeigt.

Warum? Kindheitserinnerungen…

Mein Vater arbeitete als Dreher im damaligen EIR, heute PSI und brachte die fünfköpfige Familie mit seinem damaligen Lohn gerade so über die Runden. Unsere ersten Ferien verbrachten wir 1969 in Beatenberg. Ein «traumatisches» Ereignis, da wir dort unter anderem bei der Bäuerin im Garten mithelfen mussten. Schnecken ablesen und im Bier ertränken! Unser Fazit: «Gäll Mami, gäll Papi, wir gehen nie mehr in die Ferien!?».

Aber es kam anders… 1970 war ein verlängertes Wanderwochenende angesagt. Mit dem Zug aus dem Aargau nach Luzern, dann mit der Schmalspurbahn nach Engelberg und mit der Luftseilbahn bis Trüebsee.

Trüebsee, Sommer 1970

Von dort aus wanderten wir die rund 450 Höhenmeter bis zum Jochpass. Es war mitten im Sommer und mein Vater – mit einer ähnlichen Frisur, wie ich heute gesegnet – hatte keine Mütze dabei. Um einen Sonnenstich zu vermeiden, war dann ein befeuchtetes Taschentuch mit je einem «Chnopf» in jeder Ecke (zum beschweren) angesagt.

Unterwegs taten wir uns mit einer anderen Familie mit Kindern zusammen, welche das selbe Tagesziel anstrebten, die Tannalp. Aber das hiess nach Plan erst 350 Höhenmeter hinunter zum Engstlensee auf rund 1'850 Meter über Meer, diesem entlang bis zur Engstlenalp.

Während der kurzen Pause auf der Engstlenalp begannen Wolken aufzuziehen. Die Eltern drängten uns, auszutrinken und wir nahmen den Aufstieg zur auf knapp zweitausend Metern liegenden Tannalp unter die Wanderschuhe. Der Wanderweg schlängelt sich teilweise den Felsen entlang und als wir noch rund hundert Höhenmeter von der Tannalp entfernt waren, begann es aus den dunklen Wolken auch noch zu Grollen. Die Eltern mussten uns Kinder von fünf bis zwölf Jahren nicht mehr gross antreiben, denn das Wetter war genug «gfürchig».

Als wir um die letzte Ecke bogen und schon die erste Alphütte sahen, war es dann soweit. Erste fette Regentropfen klatschen uns ins Gesicht.  Der Regenschutz nützte nicht viel (taugte damals auch nicht viel) und so rannten wir die letzten paar Meter bis zur Anhöhe und dann die rund dreihundert Meter zum alten Berggasthaus.

Als wir dort ankamen, waren wir alle längst klitschnass und schlotterten, da es schnell abgekühlt hatte. Grosse Augen dann bei den Eltern, als wir erfuhren, dass alle Betten ausgebucht seien. Was nun? Weiter zur Melchsee-Frutt hätte nochmals rund eine Stunde Wanderung bedeutet, wir waren alle müde von der Anstrengung und es begann einzudunkeln. Der Patron des Berggasthauses meinte dann jedoch, die Käserei, an welcher wir eben vorbeigerannt waren, hätte ein Massenlager, wo wir vermutlich noch Platz fänden. 

Die alte Käserei auf der Tannalp im Jahr 2008

Also ging es die paar Meter zurück zur grossen Alphütte mit dem Schweinestall. Dort sahen wir Licht hinter den Fenstern und klopften an die Türe. Es war eine jener Türen, welche aus einem unteren und einem oberen Holztor mit Schnappschloss/-riegel bestanden. Es dauerte eine Minute und dann schwang die obere Türhälfte auf .Die Sennerin guckte uns nassen Vögel neugierig an. Wir erklärten unseren Wunsch und sie antwortete in einem für unsere Ohren sehr fremdartigen Singsang, dem Obwaldner Dialekt.

Wir traten in die warme, dunkle Hütte und warfen scheue Blicke auf die am Tisch versammelten Sennen und den Käser, das grosse Kupfer-Chessi im Hintergrund und den grossen Ofen. Dann führte uns Therese die sehr steile Treppe hoch in die Stube im ersten Stock und nochmals eine steilere Treppe zum Raum unter dem Dach, wo das Massen-/Matrazenlager war. Es hatte rund 15-20 Liegeplätze, von denen nicht viele belegt waren.

1975 in der Küche der alten Käserei auf der Tannalp

Ob wir uns etwas Essen ausleihen konnten oder noch die Resten aus dem Rucksack verputzten, weiss ich nicht mehr. Die Nacht war eher unruhig, da wir es uns nicht gewohnt waren. Am nächsten Morgen waren die Sachen natürlich noch nicht trocken und unsere Eltern beschlossen spontan, dass wir einen weiteren Tag hier einlegen würden.

So hatten wir die Gelegenheit, in der Frutt vorne einzukaufen und uns dann am Holzofen das Essen zu kochen. Wir erfuhren auch, dass es im ersten Stock auch verschiedene Zimmer (Einzel-, Vierer- und Doppel-Vierer) gäbe. Sonst war die Alphütte sehr einfach eingerichtet.

Die Toilette im ersten Stock ging direkt in die Güllengrube hinunter. Spülen musste man mit einem grossen Wassereimer, den man auf dem Hof am Brunnen unten wieder auffüllen konnte. Scharfer Ammoniakgeruch schlug einem entgegen. War man genug gross, war die Aussicht aus dem kleinen Fensterchen aber je nach Wetter und Tageszeit grandios, denn man blickte direkt auf den Graustock, rechts konnte man auch ein Eckchen des Titlis erspähen.

Blick von der Tannalp auf den Graustock

Da es nur in der Küche/Käserei im Erdgeschoss fliessendes Wasser hatte, hiess das natürlich auch, dass man sich am Brunnen draussen im Hof die Zähne putzte oder sich wusch. Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass frisches Bergquellwasser seeeeeeehr kalt ist!

Blick von der Tannalp in Richtung Innertkirchen im Jahr 1970

Für uns Kinder waren die paar Tage auf der Tannalp ein kleines Paradies. Frische Bergluft, das Geläut der Kuhglocken, den Sennen beim Melken zuschauen. Aber auch die Einlieferung der Milch beobachten und die Verarbeitung zu den riesigen Laibern mit Sbrinz zu sehen. Frische Bergkäsli geniessen, die erste Buttermilch trinken und natürlich auch die gute Alpbutter aufs Brot zu streichen. Draussen die Bächlein stauen oder schöne Enziane und Alpenrosen bestaunen. Aber halt auch mal in einen Kuhfladen treten. Und natürlich auch Geisslein streicheln.

1970 auf der Tannalp, Geisslein streicheln

Leider ist das Bild hoffnungslos überbelichtet und unscharf, aber mehr gab der Schnappschuss aus Vaters damals schon nicht mehr neuen 35mm Kamera via Dia und Scanner nicht her.

Ich konnte es natürlich nicht unterlassen, am Tannensee jeweils beim Ufer und den zuführenden Bächen zu versuchen, Elritzen von Hand zu fangen.

1970, Blick über den Tannalpsee zur Melchsee-Frutt

Nach dem verlängerten Wochenende war die Rückreise via Melchsee-Frutt - Seilbahn Stöckalp - Postauto Sarnen und mit dem Zug via Luzern und Zürich zurück in den Aargau angesagt. Man roch es, wenn man zurück in die Agglo kam, die Luftqualität war damals noch deutlich schlechter.

Uns gefielen diese Ferien so gut, dass wir danach während rund sieben Jahren jährllich für zwei bis drei Wochen im Sommer wieder zurück kamen. Wir hatten jeweils ein Doppel-Viererzimer. Die Eltern schliefen im vorderen Zimmer, wo wir auch die Rucksäcke und die Esswaren lagerten. Im hinteren Zimmer hatten wir Kinder unser Reich. Und jeden Morgen erwachten wir, wenn der Käser die schweren Sbrinz-Laiber krachend wendete, so dass die halbe Hütte erzitterte. Mit der Zeit entwickelte meine Mutter eine gute Freundschaft zur Sennerin, so dass man sich auch sonst mal anrief.

Es war jeweils eine schöne Zeit und es gäbe noch manche Anekdote zu erzählen. Aber vielleicht ein anderes mal…

Urs | Samstag 05 August 2017 - 09:20 am | | default | Kein Kommentar
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Wenn die Presse mal wieder nervt

Der Blick gehört ja nicht gerade zu meiner Standardlektüre. So erfahre ich meist aus Tweets in meiner Timeline von Artikeln, welche vielleicht mal amüsant, aber auch häufig polarisierend sind.

Diesen Artikel von Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, finde ich mal wieder sehr polarisierend bis sogar polemisch. Vielleicht, weil es darin auch um die Bahnen geht.

Zitat: «Die Schweiz muss sich stärker für ihre Interessen wehren, schreibt Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, im Kommentar. Wenn es um den Ausverkauf der Wirtschaft geht, um Arbeitsplätze, um die demokratischen Werte.»

Das tönt ja erstmal ganz gut, bis man sich in den Artikel einliest!

Abschnitt «Unsere Wirtschaft wird ausverkauft»

Dorer lobt hier den SVP-Nationalrat, Hans-Ueli Vogt, welcher einer Interpellation vom Bundesrat wissen will, ob die Übernahme von CH-Unternehmen eine Bedrohung für die aussenpolitischen Interessen der Schweiz sei.

Dorer schreibt, China sei scharf auf unsere (ähm, wem gehören die genau?) Firmen wie Syngenta, Gategroup, Sigg oder Eterna. Aber nicht nur China sei hinter unseren Firmen her, sondern auch Katar (ist ja gerade gross in der Presse) mit ihrer substanziellen Beteiligung an der CS.

Und nun?

Sorry, mein lieber Herr Dorer, ich habe nicht Wirtschaft studiert, nicht mal die Kanti, sondern nur die Bez besucht, aber sogar ich verstehe, wie der Hase läuft, wenn man als Firma börsenkotiert ist. Wenn eine Firma ihre Aktien an der Börse platziert und damit Geld von Aktionären holt, muss die Firma damit rechnen, dass sich die Welt für diese Aktien interessiert. Unfreundliche oder unerwünschte Übernahmen kann man statuarisch behindern oder ausschliessen. Das führt aber unter Umständen dazu, dass die Aktien weniger interessant sind und somit weniger Geld in die Kasse der emittierenden Gesellschaften fliesst.

Eine informative Zusammenstellung des Übernahmerechts der «Schellenberg Wittmer Attorneys» zum nachlesen, findet sich hier.

Also zielt die «Kritik» des Blick ins Leere… Wer ins Wasser steigt, wird nass.

Interessanterweise will ja der Hans-Ueli Vogt nicht in jedem Fall, dass der Staat das Zepter ganz in die eigene Hand nimmt. Wie hier in seiner Antwort auf eine andere Interpellation.

Abschnitt «Unsere Werte werden unterwandert»

Hier lobt Dorer den FDP Nationalrat Hans-Peter Portmann, welcher den IZRS verbieten will.

Nun muss man sich über den IZRS wirklich Gedanken machen?

Ich meine, als Verfassungsschutz schon… aber als Gesellschaft eher nicht. Der Verein hat zwar ein vermutlich recht gutes finanzielles Polster, schliesslich stecken ja potente Geldgeber aus dem arabischen Raum hinter den urschweizerischen Illis und Blancos oder wie immer diese Vorstandsmitglieder heissen. Aber grosse Massen von Gläubigen zieht der Verein (noch) nicht an.

Aber natürlich eignet sich dieser Kleinstverein für die Presse sehr gut, um etwas gegen den Islam zu polemisieren. Dass man dem Verein mit solchen Artikeln mehr Popularität gibt, als er wirklich verdient, gehört dann offenbar zum Kollateralschaden, den der Blick gerne in Kauf nimmt.

Abschnitt «Unsere Arbeitsplätze wandern ab»

Hier resumiert Herr Dorer im Artikel darüber, dass zum Beispiel Bombardier 650 Stellen streiche. Dies, nachdem die Firma eben erst 59 Züge für 1.9 Milliarden Franken an die SBB verkauft habe.

Ich lese den Abschnitt nochmals und atme tief durch… Was für eine Polemik in dieser Aussage doch enthalten ist? Als hätte die Schweiz Bombardier 1.9 Milliarden gegeben und die seien mit dem Geld gleich abgehauen. Mit keinem Wort liest man, dass der Auftrag der SBB seit sieben Jahren viele dieser Stellen gesichert hat. Dass für den Auftrag sogar (temporär) Stellen aufgebaut wurden. In den abzubauenden 650 Stellen sind nämlich auch die 500 temporäre Stellen enthalten.

Bombardier hat bereits 2016 verlauten lassen, dass weltweit 7'500 Stellen gestrichen werden sollen. In dem Sinne sind die aktuellen Streichungen in der Schweiz Teil eines Ganzen. Zudem ist der Markt für Züge und Eisenbahnwagen nun mal limitiert. Wenn einer gewinnt (zB Stadler), dann verliert immer auch ein anderer.

Weiter schreibt der Blick: «Kein Land vergibt einen Grossauftrag ins Ausland, wenn er von heimischen Unternehmen ausgeführt werden kann. Dass Frankreich einen deutschen ICE oder Deutschland einen französischen TGV kaufen würde – WTO-Richtlinien hin oder her –, wäre unvorstellbar.».

Was für eine seltsame Aussage, wer sich ein wenig umhört und recherchiert, bemerkt, dass Bombardier zwar eine kanadische Firma ist, aber multinational produziert. Genau so, wie Stadler Rail und andere Produzenten im Eisenbahnumfeld. Auch in Deutschland fahren ja mitnichten nur Siemens ICE herum. Und das «Syndicat des transports d’Île-de-France», welches den Nahverkehrsbereich im Grossraum Paris führt, hat mit den «Transilien» unter anderem rund 300 Züge von Bombardier (Z 50000, B 82500) im Einsatz. 

Zum Schluss schreibt Herr Dorer: «Was für ein sonderbarer Sonderfall unsere Schweiz doch ist!». Ich sage, was für ein sonderbares Fazit Sie doch ziehen, Herr Dorer!

Urs | Samstag 10 Juni 2017 - 5:31 pm | | default | Ein Kommentar
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Hedi und Sepp

Am Sonntagabend ging es in der Sendung Input von SRF3 um Gotte und Götti (Taufpaten). Die Sendung gibt es auch als Podcast zum nachhören.

Ich habe dann zurückgedacht, wie das bei uns damals war. Meine grosse Schwester, welche aus der ersten Ehe meines Vaters stammt, hatte einen Götti aus der Linie ihrer Mutter und eine Gotte, die sie nie richtig kennenlernte. Meine jüngere Schwester hatte den jüngeren Bruder meines Vaters als Götti und seine jüngste Schwester (der er selber Götti ist) als Gotte.

Bei mir hiessen sie Hedi und Sepp. Hedi war die Frau von Onkel Hans. Sie war eine kleine Person, mit schwarzen Haaren und blitzenden, schwarzen Augen. Sie rauchte nicht wenig und hatte eine richtig rauhe Stimme. Und sie lachte gerne. Obwohl wir nur rund 8 Kilometer voneinander weg wohnten, sah man sich nicht so viel. Sie hatte ja selber zwei Kinder, meine Cousinen und zudem wohnte der Grossätti, der Vater meines Vaters bei ihnen.

In der kleinen Wohnung war es entsprechend eng, was bei uns zu Hause umgekehrt auch genau so war. Später, so ab rund der dritten Klasse, ging es im Winter manchmal nach Waldshut in den Schwarzwald zum Skifahren. Das war für mich schon fast eine Weltreise. Wir hatten ja selbst kein Auto. Und im engen Wagen, mit dem stets über die anderen Autofahrer fluchenden Grossätti auf dem Beifahrersitz und Onkel Hans am Steuer, wurde es mir doch mindestens einmal auf dem Hin- oder Rückweg schlecht und man musste rechts ranfahren.

Aber auf den Geburstag oder zu Weihnachten sah man sich immer mal wieder und es gab auch ein Geschenk. Natürlich praktisches Zeugs, Etuis für die Schule, Kleidungsstücke etc.

Hedi an meiner Erstkommunion im Restaurant

Im gleichen Masse, wie ich selber grösser (und dann langsam breiter) wurde, schien Hedi zu schrumpfen. Das Rauchen hatte sie sich irgendwann abgewöhnt, aber wir kamen uns doch nie wirklich nahe. Später wurde sie nach einem Tumor pflegebedürftig und war danach nicht mehr ansprechbar. Ich schäme mich manchmal, dass ich sie nicht noch besucht hatte, als es noch möglich war.

Sepp hingegen ist ein anderes Kaliber. Er war der Sohn aus erster Ehe unseres «Grossmami» (welche eigentlich nur die Grossmutter meiner älteren Schwester war) und zog früh nach Basel, wo er in der «Schuggerei» arbeitete und die Laufbahnleiter erklomm, bis er irgendwann Leiter des «Lohnhofs» wurde.

Sepp mit seiner Frau Erna an meiner Erstkommunion

Sepp war damals ein grosser, kräftiger Mann und hatte immer einen Spruch auf der Lippe, in der Zwischenzeit auch mit Baasler Dialäggt. Wir besuchten uns eher selten, was an der Distanz lag, aber auch an der nicht so einfachen familiären Situation zwischen ihm und «Grossmami». Seine Geschenke waren eher etwas grosszügiger, was aber wohl einfach an den finanziellen Möglichkeiten lag. Leider riss der Kontakt sehr schnell ab und kam nie mehr in die Gänge. Wenn ich mich nicht täusche, leben er und Erna immer noch irgendwo in Basel und in der Ferienwohnung im Berner Oberland.

Ich beklage mich nicht, wir hatten ja keine grossen Erwartungen an Gotte und Götti. Um so mehr hat es mich gefreut, als mich meine jüngere Schwester seinerzeit anfragte, ob ich Götti ihrer Erstgeborenen werden möchte. Aber das wäre ein Thema für einen anderen Beitrag.

Hedi und ich an meiner Erstkommunion

Die Fotos hat mein Vater damals 1972 ohne Blitz aus der Hand im dunklen Restaurant geschossen. Sie wurden später von meinem Schwager aus den Dias gescannt, deshalb die lausige Qualität.

Urs | Montag 22 Mai 2017 - 10:36 pm | | default | Kein Kommentar
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Über den Schatten springen

Man sollte sich ja nicht nur am Äusseren der Menschen orientieren…

Ich, Vorurteile? Sicher nöd! Oder doch? Klar, jeder Mensch hat seine Vorurteile, nur kann man sie irgendwie im Zaume halten.

Am Mittwoch war ich mal wieder in Zürich beim OIZ an einem Fachgruppentreffen der swissICT Fachgruppe Sourcing&Cloud. Nach den Vorträgen ergaben sich beim Apéro noch Gelegenheiten für Gespräche über IT mit dem vielfältigen Publikum der Fachgruppe.

Irgendwie zerrann die Zeit und kurz nach halb Acht verabschiedete ich mich aufs Tram, so dass ich gerade noch rechtzeitig zum Zürcher Hauptbahnhof kam. Natürlich hatte ich am Apéro vor lauter interessanter Gespräche gar nicht wirklich Zeit für die Häppchen gehabt und am Bahnhof reichte es auch nicht, noch ein Sandwich zu kaufen.

Als ich die Rolltreppe runter zum Gleis 31 fuhr, dachte ich an die Minibar, welche ja auch eher ein unzuverlässiges Gut geworden ist. Aber hey, die SBB führen doch in den Intercity-Zügen einen Speisewagen? Ich ging also an den 1. Klasswagen vorbei und war dann im ersten Moment enttäuscht. Der Bistrowagen sieht ja im Vergleich zu einem richtigen Speisewagen eher etwas ungastlich aus. Aber was soll's, ich war ja nicht auf «haute cuisine» aus.

 

Bistro-Wagen des IC Zürich - Bern im HB Zürich

Als ich einstieg, war ich grad noch ein wenig mehr enttäuscht. Der Bistro-Wagen hat nur einen Zweier- und zwei Vierer-Tische. Zudem standen da noch Leute herum, welche erst bedient werden wollten. Der Kellner machte auch nicht gerade den kompetentesten Eindruck und war vermutlich nicht mehr so motiviert. Wer weiss, wie viele Stunden der schon bei der Arbeit war.

Ein Vierertisch war mit einem Paar belegt, welche sich breit gemacht hatte. Beim Zweiertisch sass eine jüngere Frau, zu welcher ich mich nun nicht gerade setzen wollte. Am anderen Vierertisch sass ein älterer Mann, welcher mir nicht so geheuer war. Ich guckte die Karte an der Wand kurz an und fragte dann den Kellner, ob es überhaupt warme Speisen gäbe. Er deutete nur auf den Tisch mit dem älteren Mann und auf die Speisekarte, welche dort lag.

Meine Lust war schon auf einem Tiefpunkt, aber bis nach Hause würde es dauern. Also ging ich zum Tisch hin und studierte kurz die Karte. Und natürlich den Mann, der dort sass.

Ein hageres Gesicht unter einer engen Kappe, ein wilder, grauer Bart. Auf dem Tisch ein Päckchen Chips und ein Bier. Die Jacke wirkte etwas getragen. Der Blick des Mannes ging hin und her. Alles in mir sagte, «setz dich nicht da hin. Der ist sicher angetrunken. Oder sonst wie komisch!». Andererseits wirkten seine Bewegungen eher ruhig.

Ich gab mir einen Ruck und fragte ihn, ob ich mich hinsetzen dürfe. Er schaute etwas erstaunt auf und nickte. Der Zug setzte sich in Bewegung und über die Karte hinweg gab sich innert kürzester Zeit ein angeregtes Gespräch.

Er war überhaupt nicht angetrunken. Aber auch kein «gewöhnlicher» Mensch. Er klopfte lustige Sprüche, schnell schien seine politische und ökologische Sicht auf die Dinge und die Welt durch. Und schnell merkte ich, dass er über grosse Kenntnisse in Elektrotechnik verfügte. 

Während wir mit leichter Verspätung Olten entgegenrollten, erzählte er mir von seinem Werdegang. Dass er beinahe bei den SBB angestellt worden sei, um den Gleitschutz der S-Bahnzüge zu verbessern, aber seine bestehenden Kunden nicht hängen lassen wollte. Von seinen frühen Experimenten mit Solartechnologie und wie viele Batterien er der Umwelt erspart habe. Wie er vom Zürichsee ins Welschland und wieder zurück, ins Ausland und schlussendlich nach Thun gekommen sei.

Er wunderte sich, dass er einen Swiss-Pass, ich aber noch ein «blaues» GA habe, worauf ich ihm erklärte, bei welchem Arbeitgeber ich beschäftigt sei.

Er erzählte, dass er nun pensioniert sei, aber noch viel «z'Berg gehe» oder im Winter auf den Langlauf-Skiern unterwegs sei. Während ich meinen Älplermagronen, leider ohne Öpfelmues (war schon aus) ass, trank er noch einen Dreier Roten. Es gab zwar keinen Merlot del Ticino, aber dafür einen Pinot von Salquenen.

Der Kellner kam zwar noch nach Kaffee fragen, der so heiss war, dass ich mir fast den Mund verbrannte, aber sonst war eher uninteressiert. Das Gespräch drehte sich inzwischen um Kaffeemaschinen, die Wasserqualität und den Kalkgehalt.

Und während wir also diskutierten, ich im Jacket und Hemd, er mit der Windjacke vom Dampfbahnverein Furka und im Pulli, hatten wir zwar nicht immer die selbe Meinung, lachten aber trotzdem viel und schon waren wir in Bern.

Wir gingen gemeinsam die Unterführung hinunter und beim übernächsten Aufgang hiess es dann für ihn hoch zum ICE nach Thun/Interlaken. In der Tasche führte er einen Lautsprecher mit sich, den er für jemanden aus Einsiedeln zu reparieren gedenke. Nach einem kräftigen Händedruck wünschte ich ihm gute Heimreise und ging mit einem Schmunzeln zur Tramhaltestelle.

Manchmal lohnt es sich, über den Schatten zu springen… man hat die Chance, sympathische und interessante Menschen und deren Geschichten kennen zu lernen. Das gelingt während einer Reise mit der Bahn auch einfacher, als wenn man alleine im Auto fährt.

Urs | Donnerstag 06 April 2017 - 11:42 pm | | default | Zwei Kommentare
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Frische Brötchen kalt geführt mit wenig Hefe

Ich könnte ja mal wieder ein wenig über mein Hobby, Brot und Brötchen backen, schreiben.

Ich versuche mich in letzter Zeit wieder etwas mehr mit Hefe und Kleingebäck. Ich versuche jeweils, mit so wenig Hefe wie möglich, zu backen. Warum? Ich glaube, dass mir Hefe nicht so gut bekommt und dass sie die Tendenz hat, das Backgut schneller auszutrocknen. Ich verwende jeweils Bio-Hefe (Frischhefe), welche nicht ganz so stark ist, wie die übliche Industrie-Backhefe.

Nun zum Rezept und dem Ergebnis

Vorteig (Poolish)

  • 200g helles Weizenmehl
  • 200g Wasser
  • 0.5g Hefe

24 Stunden bei Zimmertemperatur, abgedeckt stehen lassen.

Hauptteig

  • Poolish (nach Verlust noch 385g)
  • 75g helles Dinkelmehl
  • 25g ruches Dinkelmehl
  • 50g Weizenvollkornmehl
  • 350g helles Weizenmehl
  • 280g Wasser
  • 12.6g Salz

Das ergibt rund 690-700g Mehl und rund 470g Wasser und damit eine Teigausbeute von rund 167-168, also ein wenig grösser als sonst (ich ziele meist auf 165). Der Dinkel macht sich im Teig spürbar, klebt er doch stärker an den Fingern oder der Schüssel, als Weizen.

Auf tiefer Stufe kneten, bis sich der Teig langsam von der Schüssel löst. Danach auf mittlerer Stufe rund 15 Minuten kneten, bis der Teig straffer wird.

180 Minuten gehen lassen, jeweils nach 60 Minuten dehnen und falten. In einer Box im Kühlschrank lagern. Täglich einmal kurz durchkneten (entgasen), dazu den Teig ev leicht einmehlen, da er sehr weich und klebrig ist.

Ich habe jeweils nach verschiedenen Tagen Brötchen oder Baguettes daraus gebacken.

Der letzte Backtag war sechs Tage nach dem ich den Teig produziert habe!

Alles gut einmehlen. Nun sechs Teiglinge à rund 100g abstechen. Rundwirken und kurz ruhen lassen. Die Teiglinge etwas flachgedrücken und über den Daumen einschlagen und zum Schluss nochmals rundgewirken. Danach geht es auf die ebenfalls leicht eingemehlte Bäckerleinen, wo sie Teiglinge während 30 Minuten abgedeckt die Stückgare machen.

Brötchen-Teiglinge nach Teigruhe vor Einschuss in den Ofen

Schonend auf den Schieber geben und kreuzweise (so tief wie möglich) einschneiden. Ist etwas tricky, da die Teiglinge wenig Spannung haben und der Teig sehr weich ist.

Die Teiglinge in den auf 250°C eingeheizten und gut eingedampten Ofen einschiessen. 25 Minuten bei voller Hitze backen, je nach Farbe gegen Schluss die Hitze für die restlichen 5 Minuten etwas reduzieren.

Brötchen, Ausbeute des letzten Backtages
 

Die Brötchen sind etwas wild in der Form, haben eine krachende Kruste und eine grobporige Krume mit dezentem Aroma. Eventuell hätte ihnen 3-5g Backmalz noch gut getan. Butter oder Milch wäre auch eine Option, aber ich bin nicht ganz sicher, wie gut sich so lange und kalt geführter Teig damit verträgt.

Frisch angeschnittene Brötchen
Grobporig mit knuspriger, krachender Kruste, die frischen Brötchen

Weitere Backexperimente, vor allem die Fotos dazu finden sich unter dem Hashtag #urslisbäckerei auf Twitter (man braucht kein Twitterkonto, um das anzusehen).

Urs | Samstag 18 März 2017 - 1:28 pm | | default | Kein Kommentar
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Die Herausforderung eines Auto-Polygamisten

Danke an Patrick für die Inspiration zum Titel! :-)

Habt Ihr einen eigenen Wagen? Lucky you! Ich besass nie einen eigenen Wagen, konnte sogar bis knapp Dreissig nicht mal einen Wagen lenken (dürfen und auch können!).

Irgendwann 1992 wollte ich demnächst die USA besuchen und das ging ohne Wagen ja nicht wirklich gut. Also nahm ich brav meine Fahrstunden und erhielt viele Stunden und Franken später die Bewilligung, ab dem 1.6.1993 ein Auto oder ähnliches Ding zu lenken. An meiner Fahrprüfung sass ich das letzte Mal auf der Fahrerseite eines geschalteten Wagens.

Seither fahre ich vor allem viele Kilometer in den USA und Canada in Mietwagen aller Firmen, Farben und Formen. Natürlich Automaten, geht ja viel einfacher. In der Schweiz fahre ich gelegentlich Mobility-Fahrzeuge, natürlich auch Automaten. Vermutlich verlernt man das Fahren in einem geschalteten Wagen nicht, aber ich konzentriere mich lieber auf den Verkehr, als auf Kupplung und Schaltknüppel.

Was mir allerdings immer noch Bauchschmerzen macht, sind die Bedienkonzepte – neudeutsch auch User-Interfaces genannt – der verschiedenen Fahrzeuge und Hersteller. Nachstehend eine kleine Liste meiner problematischten Fälle. Man darf gerne (über mich) lachen! :-)

Fahrzeugwahl 1

Auf einem meiner ersten Trips alleine in die USA flog ich nach San Diego und ging dort meinen Mietwagen bei Avis abholen. Die Bediensteten waren nett und fragten mich, ob es ok sei, wenn sie mir einen «Convertible» gäben. Ich nickte nur und fragte mich dann unterwegs im Bus zum Parkfeld plötzlich, was um Himmels willen ein «Convertible» sei. Ich fürchtete erst, es sei ein geschalteter Wagen, aber es war ein wunderschöner, roter Pontiac Firebird mit einem weissen Verdeck. Ich zupfte dann lange an der Verriegelung und getraute mich schlussendlich nicht, das Verdeck zu öffnen. Zu gross war meine Angst, dass es unmittelbar nach dem Öffnen zu regnen begänne und ich es nicht mehr zubringen würde. Murphy ist manchmal auch nur ein böser Schatten und ich ein Feigling ;-)

Fahrzeugwahl 2

In Los Angeles kam ich Abends spät nach einer langen Anreise hundemüde an und durfte bei National meinen Wagen selber aussuchen. Der gewählte Chevy Aveo stellte sich aber als Reinfall heraus. Keine elektrischen Fensterheber (!), keine Zentralverriegelung (!!), keine Klimaanlage (!!!)  und ob er eine Cruise Control hatte, habe ich nicht mal versucht rauszufinden. Der Tausch gegen einen Hyundai Sonata am Folgetag war dann auch nicht ohne.

Mietwagen am Strand von Huntington Beach, California

Fahrzeugwahl 3

In San Francisco hatte ich einen Convertible (Cabriolet) gemietet. Natürlich war es ein tolles Wochenende mit super Wetter und irgend ein Feiertag, also kamen die Fahrzeuge (gem. dem Angestellten) leider nicht rechtzeitig zurück. Da es mir nicht so wichtig war, wollte ich ein anderes Fahrzeug. Man wies mich zum Parkhaus und dort sollte ich mir eines auslesen. WTF! Alles so Dinger mit vier Rädern und einem Lenkrad, in Farben und Formen. Woher soll ich nun wissen, was ein gutes Auto ist? Der Angestellte vor Ort wollte mich nur zögernd beraten. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich meinte nur, ich wolle ein komfortables Auto mit genügend Platz für mich. Er nannte dann einen Markennamen, was mir nicht weiterhalf, da ich einen Buick Century nicht von einem Marvel Toycar unterscheiden kann. Der arme Mann wirkte etwas verzweifelt (ob mir) und brachte mich dann zu einem Dodge Charger SXT.

Bedienkonzepte fester Anlagen

  • Tanken ist ja allgemein kein Problem, ausser, dass man bei einem Mietwagen meist beim ersten Tanken nicht mehr weiss, ob der Deckel jetzt links oder rechts ist.
  • Tanken ist auch kein Problem, ausser wenn man das erste Mal (1992) in den USA ist und die Bedienung darauf besteht, dass man den Betrag, welcher zu Tanken sei, nennen müsse. Wir einigten uns auf 20$, welche auf meiner Kreditkarte landeten. Natürlich passten nur rund 10 Gallonen in die Karre, das gab damals rund 13$. Ich dachte, der Rest sei verloren und war dann erstaunt, als ich die Differenz in Cash herausbekam.
    Grössere Diskussionen lösten wir dämlichen Europäer dann aus, als wir im tiefsten Louisiana fragten, wie viele Liter denn in so eine Gallone passen täten. Das halbe Restaurant, das an die Tankstelle angebaut war, kratzte sich fragend am Kopf und wir sahen erst beim rausgehen, dass in der Kühltruhe viele 1.5L-PET-Flaschen waren ;-)
  • Tanken ist auch allgemein kein Problem, ausser wenn beim Durchziehen der Kreditkarte nach dem ZIP-Code gefragt wird. Da gehen meist nur die fünfstelligen US-Postleitzahlen. Manchmal kann man das Terminal mit einem beherzten 00000 überreden, sonst bleibt nur der Gang ins Office.
  • Tanken geht meist auch gut, wenn man beherzt nach dem Griff des Schlauches greift, ausser es sei in Oregon. Dort wird man sehr schnell und empört von einem Angestellten darauf hingewiesen, dass hier Tanken nur durch Fachleute erlaubt ist (mindestens bis vor kurzem).
  • Tanken, auch bedient, klappt hervorragend und man kann den Ölstand gleich noch ablesen lassen. Wenn der Pickup-Truck mit dem Camperaufsatz aber 35 Gallonen (rund 125 Liter) geschluckt hat und immer noch nicht genug hat, kann es sein, dass der Angestellte nervös unter den Wagen schaut. «No» war die Antwort auf seine Frage: «Did you ride in on your last smoke?», da passten noch 15 Liter mehr rein.

Bedienkonzepte mobiler Anlagen (Autos)

Mit Autos wechselnder Hersteller hatte ich schon mehrmals meine liebe Mühe. Eine kleine Zusammenstellung.

  • Der Druck auf den Lichtschalter beim Spiegel in der dunklen Garage in San Francisco, welcher umgehend zu einem Sprechverkehr mit einer netten Dame vom Notfalldienst endete. Es war nachher aber immer noch dunkel im Wagen.
  • Das Hupkonzert um fünf Uhr früh  in West Yellowstone nach dem Druck auf den Türöffner am Schlüsselbund, welchen ich verkehrt in den Händen hielt. Und die verzweifelte Suche nach dem Rückstellknopf des Alarms. Es war nochmals der rote Alarmknopf.
  • Die Panik in einem PT Cruiser beim Verlassen der Mietstation in Toronto, als ich nicht herausfand, wo die verflixten Fensterheber in dem Ding angebracht waren. Ich reichte dem Angestellten die Wagenpapiere durch die leicht geöffnete Türe. Er meinte dann, ich solle mal an der Mittelkonsole unter dem Radio gucken. Da waren sie dann auch. Dass man die Retro-Konsole des Fahrzeugs schlecht ablesen kann, war nur die Bestätigung, dass man den Wagentyp meiden sollte. Natürlich auch die scherzende Rückfrage des kanadischen Cou-Cou-Cousins, ob man denn in der Midlife-Crisis sei! ;-)
  • Das Gefühl beim ersten Mal einsteigen in einen Mobility-Wagen, wenn man den Schlüssel nicht findet. Weder im Handschuhfach, noch im Aschenbecher. Und man dann merkt, dass man nur noch einen Start-Knopf drücken muss.
  • Das Gefühl, wenn man in so einen Wagen einsteigt und dann den Starterknopf bedient. Und zwar ein voluminöser Bildschirm zum Leben erwacht (bootet) und viele andere Lämpchen zu leuchten beginnen, aber kein Motorengeräusch ertönt. Wenn man dann nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen den Rückwärtsgang einlegt und vorsichtig Gas gibt und es fährt! Und nach weiteren Metern vorwärts Gas gibt und plötzlich doch Motorengeräusch ertönt und man dann merkt, aha, das ist also ein Hybrid-Wagen ;-)
  • Oder wenn man an der Tanke (richtige Seite, ausnahmsweise) aussteigt und die Mobility-Kiste vorschriftsgemäss auffüllen will. Und den Tankdeckel nicht aufkriegt. Dann verzweifelt im Auto einen Auslöse-Taster für den Tankdeckel sucht und trotzdem keinen findet. Schliesslich das Handbuch zu Rate zieht. Nur um festzustellen, dass man einfach auf der Fahrerseite die Türe offenlassen muss um dann mit einem leichten Druck auf den Tankdeckel dessen Verriegelung aufschnappen zu lassen! WTF!
  • Aber auch wenn man denkt, man hätte das Prinzip der Cruise-Control (Tempomat) begriffen und beim Verlassen der 50er-Zone Gas gibt und man einfach nicht schneller wird, bis man wie ein Ochse auf das Gas drückt. Nur um irgendwann festzustellen, dass es da nicht nur eine Cruise-Control gibt, sondern auch einen Begrenzer (praktisches Ding), den man allerdings nur nach einem Studium des Handbuchs wieder abschalten kann.
  • Oder zu guter Letzt (nein, ich hätte schon noch ein paar… aber lassen wir's), wenn man den Kofferraum öffnen will und sich beim Ertasten des Öffnungsknopfs an der Unterkante der Heckklappe am VW Golf VII Variant DSG nur schmutzige Finger holt. Und schlussendlich den Servicedienst von Mobility anruft, um dort zu erfahren, dass man auch nicht in der Mitte des Logos, sondern oben (12 Uhr) hinein drücken müsse. 
    Heckklappe des Golf Combi, welche ich nur nach Hilfe aufbrachte

Urs | Sonntag 19 Februar 2017 - 9:51 pm | | default | Ein Kommentar

Treberwurst-Essen mit der Gruppe Ro

Ich versuche mich gerade zu erinnern, wann wir das erste mal Treberwurst-Essen waren?

Auf jeden Fall war es heute wieder so weit und ich habe, wie in dem Kurzbeitrag von 2006 auch diesmal wieder am Donnerstag und Freitag Ferien bezogen.

Der Anlass in Ligerz, welchen jeweils Kollege Jörg organisiert, findet schon etliche Jahre statt, vermutlich erstmals irgendwann 2002. Auf jeden Fall finde ich ich im Handelsregister den Eintrag des heutigen Besitzers der Brennerei, Sali Hazeraj auf 2005 datiert. Wir waren schon beim vorherigen Besitzer Hr Martin dort Treberwürste essen gegangen. Sali war damals Angestellter und übernahm dann den Betrieb.

Wir sind in der Zwischenzeit ein kleines Grüppchen nicht mehr ganz so junger Leute mit Bezug zur SBB. Neben Jörg und seiner Frau Margrit, treffen wir meist auf Elsi und Mani, Vreni und Paul, Irène und Rolf, Erika und Richard, Vreni und Martin sowie den Welschen, Claudine und Serge.

Heute reisten mal wieder fast alle an. Wir trafen uns im Bahnhof Ligerz bei bestem Wetter und beinahe frühlingshaften Temperaturen.

Panoramafoto beim Bahnhof Ligerz

Vom Bahnhof aus erreicht man die Brennerei von Sali in wenigen Gehminuten. Von aussen wirkt das Lokal nicht so einladend, aber im Innern hat er Jahr für Jahr ein wenig investiert und so ist die Gaststube gewachsen, die Tische sind aus schönem Holz und die Wände dekoriert. 

Traubentrester vor dem Lokal

Die Begrüssung durch die Familie Hazeraj ist immer sehr herzlich, man hat fast das Gefühl, man komme nach Hause. Während wir noch auf zwei Nachzügler warteten, gab es das erste Glas Chasselas.

Sali präsentiert eine Flasche Chasselas

Dann waren wir komplett und während ich bunt zwischen Schwyzertüütsch, Hochdeutsch und Français hin- und hersprang, trug Sali ein Ladung der Treberwürste vorbei.

Gegarte Treberwürste bei Sali Hazeraj in Ligerz

Wir wechselten vom Weissen zu einem leichten Pinot Noir und dann trug Salis Sohn auch schon die erste Portion der ausgezeichneten Treberwurst auf. Wie immer in Begleitung eines sehr gut ergänzenden Kartoffelgratin mit Lauch.

Eine Portion Treberwurst mit Kartoffelgratin und Lauch

Ein Vorteil der dicken Mauern des Lokals ist der sehr schlechte GSM-Empfang, also blieben die Handys – ausser für Photos – in den Taschen und man diskutierte um so mehr. Das wird im kleinen Raum manchmal etwas laut, aber auch das gehört dazu. Ich habe den Verdacht, dass wir früher mehr assen und tranken :-) Aber nach drei Portionen gaben die meisten auf. Mani und ich nahmen nach einem kleinen Päuschen noch je eine halbe Portion und dann wurde mit einem Espresso und einem Schnaps nachgespühlt.

Martin reiste etwas früher ab, während wir übrigen dann zu unserem üblichen Spaziergang dem Bielersee entlang nach Twann aufbrachen. So konnte man wohl rund 1% der aufgenommenen Kalorien wieder loswerden ;-)

Panorama über den Bielersee unterwegs zwischen Ligerz und Twann

Nach der langen, kräftezehrenden Wanderung muss dann jeweils in Twann erneut eingekehrt werden :-)

Letztes Jahr hatten wir den Tea-Room der Bäckerei Moosgärtli entdeckt, welche nicht nur guten Espresso ausschenkt, sondern auch Leckereien aller Couleur anbietet. Dieses mal war es so warm und sonnig, dass wir sogar draussen sitzen konnten!

Bienenstich und Erdbeertörtchen in der Bäckerei Moosgärtli in Twann

Eigentlich wollte ich nochmals zurück nach Ligerz gehen, um für den Kollegen Aschi zwei Saucisson zu erstehen. Sali waren die Würste am Mittag nämlich ausgegangen, da eine Gruppe mit 21 statt mit 10 Leuten anrückte. Aber Jörg hatte eine Wurst geschenkt bekommen und ich konnte sie grosszügigerweise erben.

Und so hiess es dann um 16:30 Uhr in Twann Claudine und Serge in Richtung Welschland verabschieden. Der Rest fuhr nach Biel, wo ein Teil der Gruppe sich in Richtung Aarau / Ostschweiz abspaltete und der Rest gemeinsam nach Bern fuhr. Mit vollem Magen brachte mich das Tram nach Hause, das Nachtessen fällt aus Gründen aus :-)

Es war ein wunderschöner Tag und nett die befreundeten Paare wieder mal zu treffen. Das nächste Mal sehen wir uns im Herbst wieder, zu einer Weindegustation im St. Galler Rheintal. Und natürlich nächstes Jahr wieder bei Sali.

Eine schön bebilderte Seite, welche das Lokal von Sali Hazeraj etwas besser zeigt, findet sich hier auf der Webseite von Christian Zimmermann.

Urs | Donnerstag 16 Februar 2017 - 10:25 pm | | default | Kein Kommentar
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